Osnabrück  Grönländer wollen keine US-Amerikaner sein– aber auf die EU haben sie auch keine Lust

Jens Mattern
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Von Jens Mattern
| 17.01.2025 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die grönländische Flagge weht in der Ortschaft Igaliku. Der designierte US-Präsident Trump hat nun schon mehrfach Interesse am Kauf von Grönland bekundet. Foto: DPA/Ida MArie Odgaard
Die grönländische Flagge weht in der Ortschaft Igaliku. Der designierte US-Präsident Trump hat nun schon mehrfach Interesse am Kauf von Grönland bekundet. Foto: DPA/Ida MArie Odgaard
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Während Trump Großmachtphantasien hegt, scheint Grönland die Gunst der Stunde zu nutzen und unterstreicht seine Forderung nach mehr Unabhängigkeit. Ob dies angesichts der ökonomischen Lage funktionieren kann, ist mehr als fraglich.

Wird Donald Trump am kommenden Montag bei seiner Amtseinführung das Wort „Grönland“ in den Mund nehmen? Diese Frage beschäftigt Dänemark. Das Land sei in „der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“, funken die Medien des skandinavischen Landes. Der angehende US-Präsident will die arktische Insel kaufen, deren Außen- und Sicherheitspolitik von Kopenhagen bestimmt wird.

Der Republikaner wiederholte die Forderung mehrfach, schickte kürzlich seinen Sohn Donald Trump Junior mit dem Privatjet „Trump Force One“ nach Grönland und schloss auch militärische Mittel nicht aus, um Kontrolle über das arktische Gebiet zu erlangen, welches wichtige Rohstoffe birgt und von strategischem Interesse ist.

Dänemark reagierte bislang kleinlaut. Auch wenn sich die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen dem grönländischen Premierminister Múte B. Egede anschloss, der erklärte, dass Grönland „nicht zum Verkauf“ stehe. Über Grönland entschieden die Grönländer, dies habe sie Trump auch bei einem Telefongespräch am Mittwoch mitgeteilt.

Premierminister Múte B. Egede betonte in der Nacht auf Freitag gegenüber dem eher Trump-freundlichen US-Sender FOX, dass die Grönländer weder Amerikaner noch Dänen zu sein wünschten, doch betonte er mehrfach, ein „starker Partner“ der USA sein zu wollen.

Egede strebt wie die meisten Parteien seines Landes mit 57.000 Bewohnern eine Unabhängigkeit an, auch hier versprach Frederiksen, dem Grönländer entgegenkommend zu sein und mehr Freiheiten zu gewähren.

Allerdings ist das Gebiet in der Arktis auch wirtschaftlich nur halbautonom – mehr als umgerechnet 500 Millionen Euro jährlich überweist die dänische Regierung jährlich an die Insel, damit jene unter der Krone bleibt und die Bewohner einen gewissen Lebensstandard halten können, denn die Einkünfte durch Fischerei und Tourismus genügen nicht.

Es ist darum fraglich, ob der Wunsch nach Selbstbestimmung in Washington wirklich ernst genommen wird, da die Grönländer an einem Finanztropf hängen.

Republikanische Abgeordnete haben bereits im Repräsentantenhaus einen Gesetzesvorschlag mit dem Titel „Make Greenland Great Again Act“ (dt. Macht Grönland wieder großartig Verordnung) vorgebracht, welcher Trump die Grundlage für Verhandlungen mit Dänemark zum Kauf der Insel geben würde.

Die US-Interessen in Sachen Grönland wird bald Ken Howery als Botschafter in Kopenhagen vertreten. Der Mitgründer des Internetbezahlsystems PayPal diente bereits während Trumps erster Amtszeit als Diplomat in Schweden und gilt als besonders ergeben.

Ob jener dann dem bislang eifrigen NATO-Mitglied Dänemark wirklich militärische Drohungen Trumps vermittelt, glauben die wenigsten, doch der Republikaner hat auch von Strafzöllen gegen Dänemark gesprochen, sollte in Sachen „Grönland-Deal“ nicht kooperiert werden.

Deswegen trafen sich Vertreter von großen dänischen Unternehmen und Wirtschaftsverbänden zur Krisensitzung mit Mette Frederiksen. Schließlich sind die USA der größte Exportmarkt des kleinen Landes mit knapp sechs Millionen Einwohnern.

Dabei würden Zollmaßnahmen gegen Dänemark von Seiten der USA die ganze EU betreffen und zu einem transatlantischen Handelskrieg führen.

Die Europäische Union sollte wieder mehr ins Spiel, fordern einige Politiker der Grönländer, die EU-Kommission hatte immerhin Trumps Drohungen kritisiert und ist auch seit März mit einem Büro in der Hauptstadt Nuuk präsent. Auch hier liegt der Fokus auf dem Abbau von Rohstoffen der Insel, deren Bewohner sich 1982 bei einer Volksabstimmung von der damaligen „Europäischen Gemeinschaft“ (EG) losgesagt haben.

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