Brand in Auricher Tiefgarage  Wie die Feuerwehr den Ernstfall meisterte

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 17.01.2025 11:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ortsbrandmeister Bernd Saathoff und sein Stellvertreter Heiko Klaaßen im Einsatzleitwagen der Feuerwehr Aurich. Foto: Romuald Banik
Ortsbrandmeister Bernd Saathoff und sein Stellvertreter Heiko Klaaßen im Einsatzleitwagen der Feuerwehr Aurich. Foto: Romuald Banik
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Am Sonntag brannte in der Auricher Tiefgarage ein Auto. Der Feuerwehreinsatz lief glimpflich ab. Das hätte aber auch anders laufen können.

Aurich - Seit langer Zeit schon wurde dieser Einsatz bei der Ortsfeuerwehr Aurich durchgespielt: Was passiert, wenn in der Tiefgarage unter dem Marktplatz ein Auto brennt? Am vergangenen Sonntag war es so weit, der Ernstfall war eingetreten. Gegen 6 Uhr morgens wurden die Kameraden alarmiert, weil Rauch aus den Aufgängen der Tiefgarage quoll.

Bernd Saathoff ist Ortsbrandmeister der Feuerwehr Aurich, Heiko Klaaßen ist sein Stellvertreter. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichten sie von den Schwierigkeiten, die ein Feuer in einer Tiefgarage mit sich bringen kann. Denn beim Feuer am Sonntagmorgen gab es reihenweise Glück im Unglück, so Saathoff. Die Bedingungen für die Feuerwehr seien optimal gewesen. Das aber könne auch ganz anders aussehen.

Null Sicht und viel Lärm

Saathoff schildert, was seine Kameraden bei einem solchen Einsatz erwartet. „Die Sicht in der Tiefgarage ist wegen des Qualms gleich Null.“ Schon nach wenigen Schritten könne man die Orientierung auch in einem ansonsten gut bekannten Raum verlieren. „Man kann nicht einmal abschätzen, wie weit man schon gelaufen ist“, ergänzt Klaaßen. Aus diesem Grund gelte immer die eiserne Regel: Jede Einsatzkraft, die in die Tiefgarage geht, hat einen Schlauch oder ein Seil in der Hand, um auch wieder hinausfinden zu können. „Das war meine größte Sorge, als ich die Jungs da rein geschickt hab“, sagt Saathoff.

Ortsbrandmeister Bernd Saathoff schickte seine Kameraden zum Einsatz in die Tiefgarage. Foto: Romuald Banik
Ortsbrandmeister Bernd Saathoff schickte seine Kameraden zum Einsatz in die Tiefgarage. Foto: Romuald Banik

Neben der eingeschränkten Sicht macht der Lärm den Feuerwehrleuten zu schaffen. Der Brand alleine ist eine Geräuschkulisse, die durch die hallende Tiefgarage verstärkt werde. „Dann prasselt das Wasser der Sprinkleranlage auf die Helme.“ Und unter diesen Bedingungen müssen die Einsatzkräfte dann den Brandherd lokalisieren.

Nur die Sprinkleranlage hilft

Denn bei einem Einsatz, egal ob im Freien oder in einer Tiefgarage, muss zunächst immer eine Erkundung vorgenommen werden. Am Sonntag hat es ungefähr fünf Minuten gedauert, bis das brennende Auto lokalisiert war. Wärmebildkameras haben geholfen. Was aber passiert bei einem Feuer im zweiten Untergeschoss der Tiefgarage? Oder in der noch größeren Tiefgarage des Caros? „Dann kann die Erkundung schon mal eine Viertelstunde in Anspruch nehmen“, sagt Bernd Saathoff.

Grade der Caro sei schon eine ganz andere Hausnummer. Wenn im zweiten Untergeschoss weit von der Einfahrt entfernt ein Wagen brenne, sei das eine große Herausforderung, vor der jede Feuerwehr Angst habe. Eine Hilfe sei dann nur die Sprinkleranlage, die im Zweifel dafür sorge, dass sich ein Brand nicht ausbreiten könne.

Am Sonntag lief alles mit

Zurück zum vergangenen Sonntag. Schon auf der Anfahrt war der ungefähre Standort des brennenden Autos bekannt. Die Sprinkleranlage habe vorbildlich funktioniert, so Saathoff. Der betroffene Wagen habe zudem genau unter einem Sprinkler gestanden. „Er hat nur von innen gebrannt. Flammen, die durch die Fenster nach außen schlugen, wurden sofort vom Wasser nach unten gedrückt.“ Selbst ein Auto in unmittelbarer Nähe zum Feuer sei kaum zu Schaden gekommen. Für die Feuerwehrleute sei der Angriffsweg kurz gewesen. „Es hat alles mitgespielt.“

Heiko Klaaßen ist stellvertretender Ortsbrandmeister der Auricher Wehr. Foto: Romuald Banik
Heiko Klaaßen ist stellvertretender Ortsbrandmeister der Auricher Wehr. Foto: Romuald Banik

Der Zeitpunkt des Brandes sei natürlich auch vorteilhaft gewesen. Am Sonntagmorgen um 6 Uhr hätten sich kaum andere Fahrzeuge oder Menschen in der Tiefgarage befunden. Zudem seien die Brandschutztüren automatisch verschlossen worden. Der vordere Bereich mit der Einfahrt zur Tiefgarage sei rauchfrei gewesen, so Saathoff.

Elektroautos sind nicht gefährlicher als Verbrenner

Anders würde die Sache bei einem Feuer zum Beispiel an einem belebten Sonnabendvormittag aussehen. Eine gut gefüllte Innenstadt mit Wochenmarkt würde ganz andere Herausforderungen mit sich bringen. „Wir müssten sofort viel mehr Personal haben, um die Aufgänge zu sperren“, sagt Saathoff. Das habe man am Montagvormittag gesehen. Zu der Zeit sei die Tiefgarage immer noch teilweise gesperrt gewesen. Das hätten aber einige Menschen ignoriert.

Wegen des Brandes war die Tiefgarage am Montag noch teilweise gesperrt. Foto: Romuald Banik
Wegen des Brandes war die Tiefgarage am Montag noch teilweise gesperrt. Foto: Romuald Banik

Keine Rolle spielt der Antrieb der Autos bei der Brandbekämpfung. Gasantriebe sind in der Tiefgarage nicht zugelassen. „Und ob es sich um einen Verbrenner oder ein Elektroauto handelt, macht für die Löscharbeiten keinen Unterschied“, sagt Heiko Klaaßen. Es gebe da viele Spekulationen. Als immer mehr Elektrofahrzeuge zugelassen worden seien, sei auch die Feuerwehr ratlos gewesen. Das habe sich geändert. Denn so lange der Akku nicht von außen mechanisch beschädigt werde, passiere damit auch nichts. „Das Auto kann ganz normal gelöscht werden.“ Im Nachgang müsse dann mit einer Wärmebildkamera überwacht werden, ob die Temperatur im Akku ansteige. Zwei Tage lang müssten Elektrofahrzeuge nach einem Brand überwacht werden.

„Es war bei dem Einsatz am Sonntag kein Thema, um was für ein Fahrzeug es sich handelt“, so Saathoff. Ein Elektrofahrzeug hätte an der Einsatztaktik nichts geändert.

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