Osnabrück Sanierung des Theaters Osnabrück: Wann rücken die Bagger am Domhof an?
Die Stadt Osnabrück steht, baulich gesehen, vor einigen großen Aufgaben. Unter anderem harrt das Theater am Domhof seiner Sanierung. Das dürfte auch noch länger so bleiben.
Ulrich Mokrusch sieht die Sache sehr entspannt. Als er vor nunmehr gut fünf Jahren als neuer Intendant vorgestellt wurde, war die Theatersanierung ein Topthema, und Mokrusch äußerte Vorfreude auf eine spannende Zeit mit einem Theater auf Wanderschaft durch die Stadt. Im Jahr 2024 sollte es ja bereits losgehen, so lautete im Herbst 2018 der ambitionierte Zeitplan der Stadt.
Mittlerweile hat Mokrusch seinen Vertrag bis Ende der Spielzeit 2029/30 verlängert, um sich dann in den Ruhestand zu verabschieden. Die Vorfreude über spannende Zeiten mit Ersatzspielstätten und Umbau des Theaters am Domhof bleibt dann wohl unerfüllt: Vor 2032 passiert, abgesehen von unumgänglichen Reparaturen, nichts. Die Sanierung fällt in die Zuständigkeit von Mokruschs Nachfolger.
Was der aktuelle Intendant in seiner aktiven Zeit allerdings noch mitkriegen könnte, ist der Bau des Proben- und Werkstattzentrums am Limberg. Dazu gibt es einen Stadtratsbeschluss, der bis 2029 rund 2,5 Millionen Euro für die Planung bereitstellt. Laut dem kaufmännischen Direktor des Theaters, Matthias Köhn, ist Anfang September nach dem europäischen Vergabeprozess das Planungsbüro BKSP aus Hannover beauftragt, das Proben- und Werkstattzentrum zu planen. „Bis Mitte 2025 können wir mit einer verlässlichen Schätzung der Kosten rechnen, bis Ende 2025 sollte die Detailplanung fertiggestellt sein“, sagt Köhn.
Um diese Kosten zu decken, will die Stadt Gelder beantragen, zum Beispiel über das Förderprogramm Kulturinvest der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) – derzeit ist das noch Claudia Roth. Nach den Förderkriterien würde der Bund maximal 50 Prozent der Kosten übernehmen, bei einer maximalen Fördersumme von 20 Millionen Euro. „Das würde beim Proben- und Werkstattzentrum ziemlich genau hinkommen“, sagt Köhn.
Im nächsten Schritt würde der Rat der Stadt dann beschließen, die Arbeiten auszuschreiben. „Das dauert etwa ein Jahr“, sagt Kulturdezernent Wolfgang Beckermann; beginnen könnten bei optimalem Ablauf die Bauarbeiten dann in der zweiten Hälfte des Jahres 2028, ergänzt Köhn. Frühestens. Nach anderthalb bis zwei Jahren könnte das Proben- und Werkstattzentrum seinen Betrieb aufnehmen.
Dieser Neubau ist die Voraussetzung für die Sanierung am Domhof. Denn mit der Sanierung steigt der Platzbedarf für das Theater. Neue Lüftungs- und Heizungsanlagen benötigen mehr Raum als bisher am Domhof zur Verfügung steht, senken dafür aber den Energieverbrauch. Und aufgrund schärferer Brandschutzbedingungen bräuchte das Theater am Domhof ein größeres Wasserreservoir für die Sprinkleranlage.
Dafür würde die Schneiderei abgerissen und durch einen Neubau ersetzt; die Tanks für die Sprinkleranlage sollen im Boden versenkt werden. Aber all das kann erst geschehen, wenn das Proben- und Werkstattzentrum am Limberg fertiggestellt ist.
Erst dann kann der Umzug des großen Hauses beginnen – wenn bis dahin eine Ersatzspielstätte gefunden ist. Man habe verschiedene Objekte „im Blick“, sagt Beckermann, „eine feste Absicht besteht aber nicht“, sagt der Kulturdezernent. „Wir haben hier leider kein Schillertheater“, sagt Köhn: Das Haus in Berlin Charlottenburg dient derzeit der Komischen Oper als Interimsspielstätte und davor der Staatsoper Unter den Linden. „Und ein Zelt ist keine Alternative.“ Die letzten Sanierungsspielzeiten in den 1990er Jahren verbrachte das Theater in einem Zelt im Schlossgarten.
Heute gibt es andere Lösungen: Das Nationaltheater Mannheim zieht zum Beispiel während der Sanierung in die mobile Spielstätte OPAL, und auch das Theater St. Gallen spielte während der Sanierung in einem mobilen Theater. Nach Abschluss der Bauarbeiten zog der Interimsbau nach Ingolstadt, wo ab 2027 das Theater saniert wird.
Danach könnte das mobile Theater in Osnabrück weitergenutzt werden; Beckermann und Köhn rechnen mit einem Baubeginn frühestens im Jahr 2032 – wenn die Finanzierung des Vorhabens steht.
Nach den Vorstellungen der Stadt sollen Kommune, das Land Niedersachsen und der Bund die Sanierung zu gleichen Teilen stemmen. Geldtöpfe dafür gibt es, etwa das Förderprogramm „Investitionen in national bedeutsame Kultureinrichtungen in Deutschland (INK)“ der BKM. „Mit seinen Vermittlungsprogrammen und dem Schwerpunkt auf Transkultur ist das Theater Osnabrück bundesweit führend“, sagt Beckermann.
Das sollte auch so bleiben, denn um das nötige Geld zusammenzukriegen, braucht es gute Argumente. Von den 2018 veranschlagten 80 Millionen Euro für die Sanierung des Hauses spricht niemand mehr – schon als der Plan vorgestellt wurde, war klar, dass jede Verzögerung die Kosten in die Höhe treibt. Auch die Corona-Krise und der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands in der Ukraine haben die Preise steigen lassen. Vor diesem Hintergrund dürfte klar sein, dass sich die Kosten für die Sanierung weit jenseits der 100-Millionen-Euro-Marke bewegen.
Umso deutlicher muss das Theater seinen einzigartigen Status machen, um für die Geldgeber im Land Niedersachsen und beim Bund attraktiv zu werden. Hier ist wiederum Intendant Ullrich Mokrusch gefragt: Mit guten Spielplänen muss er belegen, wie bedeutsam das Theater Osnabrück für Deutschland ist. So ganz unbeteiligt an der Sanierung ist er also doch nicht.