Neujahrsempfang in Großefehn Der Blick in die Zukunft bereitet dem Bürgermeister Sorgen
Erwin Adams nahm beim Neujahrsempfang kein Blatt vor den Mund: Die finanzielle Lage sei schlimm, die Krise werde bundesweit zum Normalzustand. Er hatte aber auch gute Nachrichten.
Großefehn - Sorgenvoll hat der Großefehntjer Bürgermeister Erwin Adams beim Neujahrsempfang der Gemeinde in die Zukunft geblickt. Er sieht eine Entwicklung, in der auf Bundesebene die Krise zum Normalzustand wird. Egal ob Klimakrise, geopolitische Situation, die Migration oder die Wirtschafts- und Finanzsituation, eine Krise folge vor Beendigung auf die nächste. Auch machen ihm Prognosen des Städte- und Gemeindebundes Angst, nach der bis 2030 in den Gemeinden 230.000 Mitarbeiter fehlen werden. Er hoffe sehr, dass nach der Bundestagswahl neue Wege zur Entbürokratisierung aufgezeigt werden, um dieser Lage Herr zu werden. Adams appellierte insbesondere an die Bürger, den Termin der Bundestagswahl am Sonntag, 23. Februar, zu nutzen. „Der Blick in die Vergangenheit und Schuldzuweisungen sind nicht zielführend. Zusammen sollte nun nach Lösungen gesucht werden, um den vielen wichtigen Themen gerecht zu werden“, so Adams.
Für das Engagement der Bürger der Gemeinde Großefehn fand der Verwaltungschef bei seiner Neujahrsansprache nur lobende Worte. Drei von ihnen wurden besonders geehrt. Die Entwicklung der Gemeinde Großefehn sieht Adams überwiegend positiv. Zwar habe es bei der Einwohnerzahl einen minimalen Rückgang gegenüber dem Vorjahr gegeben, der Aufwärtstrend der vergangenen zehn Jahre sei jedoch ungebrochen. Bemerkenswert sei die Tatsache, dass der Anteil von Frauen und Männer bis auf wenige Menschen identisch sei.
Bürgermeister appelliert an Land und Bund
Keinen Grund zur Freude bietet dagegen die Finanzlage. Ein Fehlbetrag von rund 2,9 Millionen Euro für das Jahr 2025 ist ein dicker Brocken für eine kleine Gemeinde, so Adams. „Land oder Bund müssen die Gemeindefinanzierung überdenken“, sagte Adams. Dauerhaft werde es nicht funktionieren, dass die Gemeinden Aufträge vom Gesetzgeber erhalten und anschließend auf den Kosten sitzenbleiben. Die hier und da gewährten Zuschüsse würden zur Finanzierung von Investitionen nicht ausreichen. Der Fehlbetrag von rund 2,9 Millionen Euro könne nur durch eine Neuverschuldung gedeckt werden, der den Schuldenstand auf rund 30 Millionen Euro treibe.
Mit rund 350 Gästen war das Historische Compagniehaus in Großefehn beim Neujahrsempfang vollständig gefüllt. Wie schon in den Vorjahren verzichtete Adams auf die Begrüßung der Ehrengäste. Er machte aber gleichzeitig darauf aufmerksam, dass genügend Zeit bliebe, mit dem Landrat und den beiden anwesenden Landtagsabgeordneten Gedanken auszutauschen.
Die einen Projekte beendet, die anderen auf den Weg gebracht
Trotz der schwierigen finanziellen Situation wurden im vergangenen Jahr viele Projekte vollendet und neue auf den Weg gebracht. Mit dem Erweiterungsbau der KGS (Bauvolumen etwa vier Millionen Euro) werden elf neue Klassenräume und diverse Sozialräume geschaffen. Die Mauer- und Betonarbeiten sind abgeschlossen und die Fertigstellung für August 2025 geplant. Der Auftrag für den Radwegbau von Timmel nach Ulbargen ist an die Firma Strabag aus Aurich vergeben worden. Der Baubeginn für das Projekt wurde auf den 6. Januar 2025 festgelegt.
Aus dem Feuerwehrmodernisierungskonzept aus dem Jahr 2016 wird in den kommenden Monaten ein weiteres Projekt erledigt: Die Ortsfeuerwehr Großefehn Zentrum kann in den nächsten Wochen in den Neubau umziehen. Außerdem laufe die Vermarktung der Bauplätze in den neu ausgewiesenen Baugebieten der Gemeinde trotz der gestiegenen Grundstückspreise zufriedenstellend. Und die Sanierung beziehungsweise Erneuerung der Steganlage im Hafen Timmel wurde im Oktober 2024 abgeschlossen.
Zum Abschluss des Neujahrsempfangs wurden auch in diesem Jahr der Tradition folgend Bürger der Gemeinde geehrt, deren Leistungen und Verdienste weit über das übliche Maß hinausgehen. Die Ehrenmedaille der Gemeinde wurde überreicht an Christa Schoon aus Spetzerfehn, Fokko Claver aus Timmel und Therese Krüsmann aus Bagband. Für die musikalische Umrahmung des Empfangs sorgten die Dorfmusikanten Akelsbarg und die Küstenmusikanten Suurhusen.