Osnabrück Hybrid-Autos mal andersherum: Sind „Range Extender“ das Mittel gegen die Reichweitenangst?
Die Sorge um die Akku-Reichweite ist einer der Hauptgründe für die weitverbreitete Skepsis gegenüber E-Autos. Die in China sehr gefragten „Range Extender“ sollen diese Angst obsolet machen. Ein Trend mit Zukunft?
Elektrisch fahren ohne die vielzitierte „Reichweitenangst“: Das ist bislang das Erfolgsgeheimnis der Plug-in-Hybride; Verbrennerautos, die auch über einen E-Antrieb mit begrenzter Reichweite verfügen. In Sachen Klimaschutz spielen diese Fahrzeuge allerdings keine große Rolle, da sie meist wie reine Verbrenner genutzt werden – und das mit einem höheren Spritverbrauch, da der Wagen schließlich auch den schweren Akku mitschleppt.
Aber was, wenn man das Verhältnis der Antriebe einfach umkehrt – also E-Autos mit kleinem Zusatz-Verbrennungsmotor baut, der nebenher die Batterie auflädt? Das ist der Grundgedanke hinter „Range Extendern“, also Reichweiten-Verlängerern – einer Technik, die eigentlich schon totgesagt war, zurzeit aber vor allem von asiatischen Autobauern wieder mit Schwung vorangetrieben wird.
Das Prinzip des Range Extenders (RE) ist denkbar einfach: Der spritbetriebene Motor fungiert lediglich als Stromgenerator für die Batterie – für den Antrieb ist, anders als beim Plug-in-Hybrid, allein der Elektromotor zuständig. Der Verbrenner kann daher klein dimensioniert werden, und da er für das Laden der Batterie nicht auf Hochtouren laufen muss, verbraucht er weniger als ein herkömmlicher Benzin- oder Dieselmotor. In der Theorie zumindest.
Ganz neu ist die Technik nicht – BMW hat diese Sonderausstattung bereits 2013 für seinen i3 angeboten. Mit zunehmender Effizienz und Leistung von E-Auto-Akkus stellten die Münchner diese Version allerdings 2018 zugunsten reiner Elektroantriebe wieder ein. Bei anderen Autobauern kam die Entwicklung gar nicht erst über Prototypen hinaus.
Nun aber scheint die Technologie vor allem auf dem größten Automarkt der Welt eine Renaissance zu durchlaufen. In China legen die Verkaufszahlen von Range-Extender-Fahrzeugen zu; schon bald könnten dort jährlich bis zu zwei Millionen von ihnen auf die Straßen kommen, prognostizierte der Autoexperte Xing Zhou unlängst in der „FAZ“. Er sieht in der Technik geradezu einen „Gamechanger“ für die Elektromobilität. Denn: Die kombinierte Kraft von E-Antrieb und Stromgenerator soll Strecken von 1000 Kilometern und mehr ermöglichen, ohne nachladen oder -tanken zu müssen.
Nur: Besonders umweltfreundlich sind diese Fahrzeuge eher nicht. Im Vergleich zu reinen Stromern ist der Akku in der Regel deutlich kleiner bemessen; der laufende Verbrenner ist also im Betrieb oft mit eingepreist. Rein elektrisch fährt man mit diesen Autos nur in überschaubarem Maße.
Beispiel BYD: Der chinesische E-Auto-Riese bietet seinen Nobel-Geländestromer Yangwang U8 in einer RE-Variante mit einer Reichweite von 1000 Kilometern an. Allerdings ist der Dreieinhalb-Tonnen-Koloss eher ein Mittelding zwischen Strom- und Spritschlucker: Angetrieben wird er zwar ausschließlich elektrisch; der Akku reicht nach ADAC-Angaben aber gerade mal für 180 Kilometer – um die restlichen 800 Kilometer herauszuholen, verbraucht der eingebaute Verbrenner eine Tankfüllung von 75 Litern Sprit.
Nun taugt der 140.000 Euro teure Luxuswagen kaum als Beispiel für den breiten Einsatz der Range-Extender-Technik. Allerdings scheint das Weder-Fisch-noch-Fleisch-Prinzip auch für massentauglichere Modelle zu gelten: Mazda etwa bietet seinen MX-30 auch als RE-Version an, nach ADAC-Angaben das einzige derzeit in Deutschland erhältliche Modell mit dieser Technik. Aber auch dieser Kompakt-SUV schafft rein elektrisch gerade mal 85 Kilometer, mit zugeschalteten Verbrenner – einem Wankelmotor – soll die Reichweite auf 680 Kilometer anwachsen.
Den Spritverbrauch beziffert der japanische Autobauer mit einem Liter auf 100 Kilometer, bei entladenem Akku mit 7,6 Litern. Der ADAC kam im Test allerdings auf bis zu 12 Liter. Und bereits beim BMW i3, den der Autoclub seinerzeit einem Dauertest unterzogen hatte, waren es immerhin im Schnitt 7,5 Liter.
Auch der koreanische Autobauer Hyundai werkelt an RE-Modellen – allerdings eher als Übergangslösung zur „wirklichen Elektroauto-Ära“, wie eine koreanische Zeitung aus Hyundai-Managerkreisen zitiert. In China hat VW-Partner XPeng gerade einen RE-Hybriden mit 430 Kilometer elektrischer und 1400 Kilometer Gesamtreichweite angekündigt. Eine KI soll dabei je nach äußeren Umständen entscheiden, wie der Wagen am effizientesten betrieben werden kann.
Und VW und Co? Auf dem chinesischen Markt, auf dem die Nachfrage anzieht, bieten deutsche Autobauer bislang kein RE-Modell an. Mercedes hat sein entsprechendes Entwicklungsprogramm erst vor wenigen Monaten eingestellt. VW wiederum will über seinen chinesischen Ableger SAIC ab 2026 zwei Range-Extender-Varianten in China anbieten, teilte die Volkswagen-Gruppe vor kurzem mit. Später sollen auch entsprechende RE-Elektro-Pickups für den US-Markt folgen. Andere Hersteller wie Tesla, Ford und Stellantis verfolgen ähnliche Pläne.
Dem Verband der Automobilindustrie (VDA) zufolge prüfen die deutschen Autobauer, „ob und welche E-Fahrzeuge in Zukunft einen Range Extender bekommen könnten“, schließlich habe sich die Branche stets für „unterschiedliche Lösungen auf dem Weg zur Klimaneutralität für unterschiedliche Regionen ausgesprochen“, heißt es auf Anfrage.
Ob RE-Modelle auch für den europäischen Markt eine langfristige Option sind, darf angesichts des nahenden „Verbrenner-Aus“ 2035 bezweifelt werden – ähnlich wie bei den Plug-in-Hybriden. Diese seien „politisch schlecht geredet“ worden, bemängelt der Verband. „Der Fokus in Europa ist sehr einseitig“, sagt ein VDA-Sprecher: „Weltmärkte sind unterschiedlich, und deshalb brauchen wir auch eine Regulierung und eine Strategie, die das anerkennt.“