Sydney  Aufrüstung trotz Personalmangel: Hunderte Ausländer sollen Australiens Armee unterstützen

Barbara Barkhausen
|
Von Barbara Barkhausen
| 02.01.2025 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Australiens Militär will ausländische Interessenten anwerben – aber nur aus ganz bestimmten Staaten. Foto: IMAGO/UPI Photo
Australiens Militär will ausländische Interessenten anwerben – aber nur aus ganz bestimmten Staaten. Foto: IMAGO/UPI Photo
Artikel teilen:

Aus Angst vor China rüstet auch Australien wieder auf. Doch weil 4000 Soldaten fehlen, rekrutiert das australische Militär ab diesem Januar nun auch Ausländer. Wer die Voraussetzungen erfüllt und angenommen wird, erhält die australische Staatsbürgerschaft.

Die australische Armee soll wachsen: Ab Januar wird Canberra hunderte Ausländer für die australische Marine, Armee und Luftwaffe rekrutieren. Hintergrund ist, dass die Berufsarmee unter akutem Personalmangel leidet – rund 4000 Stellen sind unbesetzt.

Rekrutiert wird bei den Verbündeten der sogenannten „Five Eyes“ – letztere sind die fünf Geheimdienstpartner Australien, USA, Großbritannien, Neuseeland und Kanada, deren Nachrichtendienste eng zusammenarbeiten und Informationen austauschen. 

Ab dem 1. Januar können sich Amerikaner, Briten und Kanadier beim australischen Militär einschreiben, vorausgesetzt, sie leben bereit seit zwölf Monaten im Land und haben in den letzten zwei Jahren nicht in einer ausländischen Armee gedient. Wer angenommen wird, muss die australische Staatsbürgerschaft beantragen. Neuseeländern steht diese Option bereits seit sechs Monaten offen. Rund 400 sollen sich bereits im Bewerbungsverfahren befinden. Angedacht ist, die Option unter Umständen auch Menschen aus den benachbarten Pazifikstaaten anzubieten.

Matt Keogh, der im australischen Verteidigungsministerium für die Personalrekrutierung zuständig ist, sagte lokalen Medien, er erwarte in diesem Geschäftsjahr (bis Ende Juni 2025) etwa 350 neue Rekruten. Verteidigungsminister Richard Marles sagte, der Ausbau der australischen Streitkräfte sei „für die Bewältigung der Sicherheitsherausforderungen des Landes im nächsten Jahrzehnt und darüber hinaus von entscheidender Bedeutung“. Mit den Sicherheitsherausforderungen spielt Marles auf die stetige Aufrüstung Chinas an, das inzwischen über die zahlenmäßig größte Kriegsmarine der Welt verfügt. Erst vor wenigen Tagen überraschte Peking zudem mit zwei neuen Kampfjets.

Angesichts der chinesischen Übermacht rüstet auch Australien seit Längerem auf. Aktuell sind drei Überschall-Tarnkappenjäger aus den USA auf dem RAAF-Stützpunkt Williamtown im Bundesstaat New South Wales angekommen, um eine Flotte von 72 neuen F-35A zu vervollständigen. Auch die RAAF Base Tindal, rund 300 Kilometer südlich von Darwin, hat sich zu einem wichtigen Militärstützpunkt entwickelt. Aufgrund der strategisch wichtigen Lage im Norden des Kontinents werden die vorhandenen Start- und Landebahnen erweitert und ausgebaut, so dass die großen amerikanischen B-52-Bomber dort stationiert werden können. Zusätzlich dazu entstehen zwei große Treibstoffdepots, auch zwei Bunker für US-Munition wurden gebaut.

Bereits im August letzten Jahres berichtete der australische Sender ABC, dass die USA in den kommenden zwei bis drei Jahren 630 Millionen US-Dollar in die Region investieren wollen. Neben den Arbeiten in Tindal werden auch die Anlagen in Darwin ausgebaut, wo bereits seit 2012 stets mehrere Tausend US-Soldaten zur Zeit stationiert sind. Was als Ausbildungsmission begann, hat sich inzwischen zu einer viel größeren Unternehmung gewandelt.

Auch die dortigen Anlagen sollen ausgebaut werden, bis Ende 2025 soll unter anderem ein neues Missionsplanungs- und Operationszentrum für die US-Luftwaffe entstehen. „Hier geht es darum, einen Konflikt abzuschrecken, und der beste Weg, dies zu erreichen, ist die kollektive militärische Macht“, sagte Michael Shoebridge, Direktor des ASPI, bereits im vergangenen Jahr dem australischen Sender – Worte, die Australiens Verteidigungsminister Richard Marles auch im Interview mit der US-amerikanischen „Washington Post“ wiederholte: „Wir arbeiten zusammen, um künftige Konflikte abzuwenden und für die kollektive Sicherheit der Region, in der wir leben, zu sorgen.“

Dies ist einer der Punkte, in dem sich die großen Parteien Australiens einig sind. Der von den Konservativen einst 2021 gestartete AUKUS-Sicherheitspakt zwischen Australien, Großbritannien und den USA, im Rahmen dessen Australien nuklear betriebene U-Boote erhalten soll, wurde deswegen auch von der derzeit regierenden Labor Party weiter unterstützt und ausgebaut. Neben den bisherigen Partnern sollen Japan und künftig wohl auch Südkorea, Kanada und Neuseeland in bestimmte Elemente des Deals eingebunden werden. So sollen die Länder bei der zweiten Säule der Allianz mitwirken, die sich um fortschrittliche Technologieprojekte dreht.

Auch die eigene Aufrüstung haben die Sozialdemokraten weiter vorangetrieben. Erst im September wurde bekannt, dass Australien vermutlich 100 präzisionsgelenkte Raketen („Advanced Anti-Radiation Guided Missiles-Extended Range“) im Rahmen eines vom US-Außenministerium genehmigten Militärverkaufs im Wert von 405 Millionen US-Dollar erwerben wird.

Dass Australien wie auch die USA die Gefahr ernstnehmen, die die stete Aufrüstung Chinas für die Region mit sich bringt, zeigt sich auch darin, dass nicht nur im Norden, sondern in ganz Australien militärische Anlagen wieder in Betrieb genommen oder modernisiert werden, wie die „Washington Post“ erfahren haben will. Viele davon seien von den Vereinigten Staaten einst während des Zweiten Weltkrieges gebaut worden, hieß es. Auch auf den winzigen, zu Australien gehörenden Kokosinseln, die südlich von Indonesien im Indischen Ozean liegen, will Canberra bis 2026 die Landebahn modernisieren, damit schwerere Militärflugzeuge starten und landen können, darunter die P-8A Poseidon, ein „U-Boot-Jäger“, der die zunehmenden Aktivitäten der chinesischen Marine in der Region überwachen könnte.

Ähnliche Artikel