Magdeburg Nach tödlichem Anschlag: Klinikum Magdeburg setzt Zeichen gegen Hass und Hetze
Ein Mann aus Saudi-Arabien verübt einen Anschlag in Magdeburg. Er gibt sich öffentlich als Islamkritiker und tätigt entsprechende radikale Aussagen. Die andere Seite der Medaille zeigt: Ohne die Hilfe von ausländischen Kräften hätte es womöglich noch mehr Opfer gegeben. Deshalb spricht das Klinikum in Magdeburg jetzt Klartext.
Auch Tage nach dem Anschlag versuchen die Magdeburger sowie zuständige Behörden und Institutionen, die Geschehnisse vom 20. Dezember zu verarbeiten. Neben der großen Trauer und den vielen Fragen, die diese Tat ausgelöst hat, wird sie aber auch erneut von Hasstiraden gegen Ausländer im Netz geprägt, die bereits begannen, kurz nachdem sich die ersten Informationen zur tödlichen Fahrt über den Weihnachtsmarkt im Internet verbreiteten.
Das Klinikum Magdeburg, das sich am Tag des Anschlags um viele Opfer kümmerte, will dagegen jetzt ein Zeichen setzen. Auf Facebook blickt es auf den Moment zurück, als die ersten Notrufe eingingen: „Als wir vor knapp 72 Stunden den ‚Massenanfall von Verletzten‘ bei uns im Klinikum ausrufen mussten, waren sie alle da: Mitarbeitende aus über 20 Nationen. Sie warteten auf den ersten Krankenwagen. Und als dieser da war, auf den zweiten. Und dritten. Und vierten. Und … es spielte keine Rolle, aus welchem Land jemand kam. Oder welcher Religion er angehörte. Menschen halfen Menschen, weil sie Menschen waren.“
Das Klinikum erklärt weiter, dass ohne die ausländischen Hilfskräfte die Versorgung nicht so gut funktioniert hätte – und womöglich noch mehr Menschen ihr Leben hätten lassen müssen. „Unser Krankenhaus wäre ohne die Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern von heute auf morgen dicht. Wir hätten also nicht helfen können, als es darauf ankam. Wir hätten die Erwachsenen und Kinder nicht retten können.“
Bei dem Anschlag wurden fünf Menschen getötet, es gab bis zu 235 Verletzte. 81 davon wurden im Klinikum Magdeburg behandelt, alle elf Schwerverletzten seien mittlerweile außer Lebensgefahr. Allein über 120 Pflegekräfte, zwei Dutzend Ärzte und viele Mitarbeiter aus nahezu jedem Bereich des Klinikums seien nach eigenen Informationen zur Stelle gewesen.
Das Klinikum verbleibt mit dem Dank an alle Helfer und einem Appell: „Respekt ist nicht nur ein Wort für Sonntagsreden. Respekt muss gelebt werden. Wir tun dies. Jeden Tag. Danke noch mal an alle im Haus!“