Regenmengen im Kreis Aurich Warum es 2024 häufig zu nass war
Gummistiefel, Frust und viele Einsätze: Dauerregen und Starkregen prägten dieses Jahr. Wieso es zu nass war und wieso Ihlow und Südbrookmerland besonders betroffen waren.
Aurich/Emden/Ihlow - Zu nass: Mit diesem Stichwort lässt sich das Jahr 2024 betiteln. Das belegen die aktuellen Durchschnittswerte des I. Entwässerungsverbands Emden, der große Teile des Landkreises Aurich mitversorgt. Das Thema Wasser bewegte nicht nur den Entwässerungsverband, sondern auch die Kommunen im Kreisgebiet. Besonders Ihlow und Südbrookmerland bekamen die Probleme durch Stark- und Dauerregen zu spüren. Aktuelle Zahlen und Rückblick auf ein nasses Jahr.
Kurz vor Weihnachten ist bereits der Durchschnittswert bei den Niederschlägen deutlich überschritten. 1200 Millimeter Niederschlag Gesamtmenge verzeichnete der Entwässerungsverband Emden am Morgen des 23. Dezember für das Verbandsgebiet. Damit war der Jahresdurchschnitt von 800 Millimetern schon längst überschritten. „Die Gesamtmengen sind verhältnismäßig hoch“, sagt Jan van Dyk, Ingenieur des I. Entwässerungsverbands Emden. Besonders viel Niederschlag kam dabei in diesem Jahr in Südbrookmerland herunter. „Da kriegen wir immer als erstes Alarmmeldungen, wenn es viel regnet“, sagt van Dyk. Warum gerade in Südbrookmerland besonders viel Niederschlag herunterkommt, kann er nicht erklären. Aber die geografische Lage könnte eine Rolle spielen. Eine besondere Rolle spielen in Südbrookmerland auf jeden Fall einige Problemstellen. Diese waren 2024 immer wieder Thema. Zuletzt gab es Mitte Dezember eine Begehung von der Bürgerinitiative Entwässerung zusammen mit Vertretern aus der Gemeindeverwaltung, dem Landkreis und mit dem Landtagsabgeordneten Wiard Siebels (SPD) am Moordorfer Ringkanal. In Südbrookmerland hatte es zum Thema Hochwasser immer wieder Frust und Schuldzuweisungen gegeben. Mittlerweile gibt es einen „guten Austausch“, wie auch der Verbandsingenieur ein paar Tage nach der Begehung bestätigt. Der I. Entwässerungsverband Emden war in diesem Jahr in vielen Gesprächen zugegen. Denn nicht nur in Südbrookmerland gab es mehrfach nasse Füße. In Aurich sorgte der Starkregen Mitte August für vollgelaufene Keller und Bäche in den Straßen. Unter anderem standen Bereiche der Ubbo-Emmius-Klinik unter Wasser. Mehr als hundert Einsatzkräfte waren vor Ort. Auch in Ihlow beherrschte das Thema Niederschlag und die daraus folgenden Probleme die Gespräche.
„Anstrengendes Jahr“
Der Ihlower Bürgermeister schreibt nicht nur in der Weihnachtsgrußkarte von den „schwierigen Wetterlagen im Juli und August“. Dort war Ihlow vielerorts von Starkregen betroffen. Aber auch im Winter gingen die Probleme mit dem Dauerregen los. Der anhaltende Niederschlag im Winter offenbarte etwa die jahrzehntelang vernachlässigten Entwässerungsgräben in Riepe und Ochtelbur. Auch im Jahrespressegespräch im Rathaus war das Thema eines der wichtigsten für den Ihlower Bürgermeister. Die Gemeindeverwaltung sei das Thema systematisch angegangen. Es seien bereits Gräben erweitert worden. Es wurde eine Task-Force gebildet. Im Rathaus wurde Technik angeschafft, um in Notsituationen eine Art Kontrollzentrum einzurichten für künftige Katastrophen.
In Südbrookmerland, Ihlow und Emden haben immer wieder Gespräche zum Thema Extremwetter stattgefunden, sagt auch der Verbandsingenieur. Für den Verband war es ein anstrengendes Jahr, sagt der Ingenieur. „Man ist des Hochwassers müde“, sagt van Dyk. Immerhin gebe es an vielen Orten ein Weiterkommen bei dem Thema. Viele Ortskundige hätten geholfen, die Problemstellen beim Wasserablauf zu ermitteln. Längerfristig werde dafür gesorgt, dass die Schöpfwerkskapazitäten erhöht werden. Denn das Problem werde sich womöglich noch verschärfen. Die Niederschlagsmengen würden voraussichtlich in den kommenden Wintern hoch bleiben oder steigen. Genau zu der Zeit, wo das Wasser am wenigsten benötigt werde. Dann hilft nur Pumpen. Oder Hoffen auf ein „normales Jahr“. Für den Ingenieur ist es ein Wunsch, nach etwa anderthalb Jahren überdurchschnittlichen Regenmengen.