Hamburg Nach Rettung der Meyer Werft: Bund will wieder für viele Millionen Euro in der Ems baggern
Die Meyer Werft hat der Staat gerade erst mit Steuermillionen gerettet. Die Ems aber, der Fluss, auf dem die Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft Richtung Nordsee überführt werden, bleibt ein kostspieliger Sanierungsfall. Wie viel die Baggerarbeiten den Steuerzahler kosten.
Die Ems ist ein ziemlicher Sanierungsfall: Der Fluss, der in Nordrhein-Westfalen entspringt und in Niedersachsen in den Dollart mündet, hat mit einem massiven Schlick-Problem zu kämpfen. Regelmäßig muss die Fahrrinne von Sedimenten befreit werden, sonst würden die Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft auf dem Weg zur Nordsee im Schlick stecken bleiben und die Anrainer-Häfen versanden. Doch diese Baggerarbeiten kosten viel Geld!
Gerade erst hat der Bund einen entsprechenden Auftrag für die Jahre 2025 und 2026 an ein Firmenkonsortium vergeben, Kostenpunkt: voraussichtlich mehr als 20 Millionen Euro. So steht es in der Vergabemitteilung.
Die Firmen sollen demnach in der sogenannten Unterems zwischen Emden und Papenburg sowie dem Nebenfluss Leda baggern. 1,86 Millionen Kubikmeter sollen voraussichtlich aus dem Fluss abgesaugt und abtransportiert werden. „Die Konsistenz des Schlicks ist überwiegend ,breiig’ bis ,weich’“, heißt es.
Solche Arbeiten sind regelmäßig notwendig, der Bund zahlt, denn die Ems ist eine Bundeswasserstraße. Auf Anfrage unserer Redaktion teilt das zuständige Bundesverkehrsministerium mit, dass seit dem Jahr 2000 insgesamt gut 750 Millionen Euro für Unterhaltungsarbeiten in die Ems geflossen sind. 2024 ist dabei noch nicht eingerechnet, die Ausgaben liegen noch nicht vor. Auch die aktuell vergebene Baggerkampagne könnte noch einmal teurer ausfallen, als die bislang bezifferten mehr als 20 Millionen Euro.
Das Problem mit der Ems: Die Flut spült mehr Sedimente den Fluss hinauf, als bei Ebbe wieder hinausgespült werden. Das hängt auch mit Flussvertiefungen in der Vergangenheit zusammen. Weil der Mensch damals eingegriffen hat, muss er das nun fortlaufend tun, damit der Fluss nicht versandet und die großen Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft in Richtung Nordsee nicht stecken bleiben.
Aber war da nicht etwas? Das Emssperrwerk bei Gandersum sollte doch eigentlich als Schlicksperre eingesetzt werden! Das mächtige Bauwerk wird immer dann geschlossen, wenn die Meyer Werft Kreuzfahrtschiffe überführt und entsprechenden Tiefgang benötigt. Oder wenn Sturmfluten drohen.
Testläufe hatten ergeben, dass das Sperrwerk auch als Schlickbremse genutzt werden kann. Um aus dem Test Praxis werden zu lassen, braucht es aber eine Genehmigung. Die könnte 2026 vorliegen. „2027 würde dann die Tidesteuerung in Kraft gesetzt werden und die Wasserqualität der Ems nachhaltig verbessern“, heißt es aus dem Umweltministerium in Niedersachsen.
War’s das dann mit der kostspieligen Baggerei? Die Antwort dazu aus dem Bundesverkehrsministerium: Es „werden in der Ems oberhalb Emden auch weiterhin Unterhaltungsarbeiten erforderlich“. Und nicht nur hier.
Auch Weser und Elbe haben mit Schlickproblemen zu kämpfen. Mehr als eine Milliarde sind laut Bundesregierung seit dem Jahr 2000 in die Unterhaltungsarbeiten entlang der Elbe geflossen. Bei der Weser waren es 415 Millionen Euro. Ein kürzlich vergebener Auftrag für Baggerkampagnen von Mitte 2025 bis Mitte 2027 „zur Erhaltung und Wiederherstellung der erforderlichen Solltiefen und -breiten in der Fahrrinne und im Fahrwasser der Unter- und Außenelbe“ wird in der Vergabeinformation mit einem Wert von fast 137 Millionen Euro veranschlagt.