Magdeburg  Die Toten von Magdeburg: Elon Musk sollte mit seinem Wutgeschrei aufhören

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 21.12.2024 13:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Entsetzen nach der Todesfahrt: Während in Magdeburg noch nicht mal die Opfer gezählt sind, pöbelt Elon Musk auf Twitter rum. Foto: Jan Woitas/dpa
Entsetzen nach der Todesfahrt: Während in Magdeburg noch nicht mal die Opfer gezählt sind, pöbelt Elon Musk auf Twitter rum. Foto: Jan Woitas/dpa
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Die Todesfahrt von Magdeburg gibt Rätsel auf. Elon Musk glaubt, sie gelöst zu haben – und fordert, warum auch immer, den Rücktritt von Olaf Scholz. Ein Kommentar zur Debattenkultur in Momenten der Trauer.

Zwei Tote? Elf? Oder fünf? Als noch nicht einmal bekannt ist, wie viele Menschen auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt getötet wurden, kennt ein Mensch sogar schon den Verantwortlichen. „Scholz should resign immediateley. Incompetent fool“, schreibt Elon Musk auf seinem Netzwerk X. Der Kanzler sei ein unfähiger Idiot, heißt das, der sofort zurücktreten soll.

Musk verbreitet auch die Idee, wonach die Weihnachtsmarkt-Attacke eine Folge von Massenimmigration sei. Und er macht sich über Medien lustig, die sich mit solchen Interpretationen zurückhalten und nur das berichten, was man weiß: Ein Auto ist in eine Menschenmenge gefahren.

Ein Tag später ist bekannt: Der mutmaßliche Todesfahrer ist ein Immigrant aus Saudi-Arabien, aber offenbar kein Islamist. Er hat dem Islam sogar abgeschworen, war als Arzt wohl gut integriert und hat sich – so wie übrigens auch Elon Musk – für die AfD starkgemacht. In Deutschland lebt er schon seit 2006. Und dafür soll also Olaf Scholz die Verantwortung tragen? In dem Tempo, in dem Elon Musk das in die Welt gesetzt hat, findet man kaum raus, welches Amt der Kanzler damals hatte.

Einen Tag nach dem Gedenken an den Terror vom Berliner Breitscheidplatz werden wieder Menschen auf einem Weihnachtsmarkt zu Tode gefahren. 2016 konnte man die Morde des Islamisten Anis Amri zumindest einordnen, als terroristischen Angriff auf den Westen. Was den Todesfahrer in Magdeburg getrieben hat, scheint dagegen völlig unbegreiflich.

Todesfahrt in Magdeburg: Die Ereignisse im Video:

Zitate aus seinen Social-Media-Accounts legen nahe: Der Mann hat sich auf eine verstörende Weise radikalisiert und nun Gewalt für eine Lösung seiner Probleme gehalten. Gegen die tödlichen Folgen einer solchen Entwicklung ist die Gesellschaft machtlos. Selbst die seit acht Jahren doppelt und dreifach gesicherten Weihnachtsmärkte bleiben verwundbar.

Die Radikalisierung, in der ein Arzt jetzt zum Täter wurde, ist allerdings nicht nur ein individuelles Problem. Auch im Alltag wird der Tonfall unversöhnlicher. Und ob es nun die neuen Medien sind oder die klassischen: Die größte Aufmerksamkeit liegt bei Tabubruch und Grenzüberschreitung. Und gegen ein Klima, das Gewalttäter ermutigt, kann man sehr wohl etwas tun.

Zum Beispiel, indem man – gerade wenn die Stimmung so wie jetzt emotional ist – ruhig miteinander spricht, statt all seine Wut und Vorurteile in die Welt zu brüllen. Das ist immer eine schlechte Idee. Besonders, wenn man der reichste Mann der Welt ist und mit dem Netzwerk X über das denkbar größte Megafon verfügt.

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