Kundenbefragung So denken Touristen über Norddeich
Eine Befragung von mehr als 1000 Besuchern von Norddeich hat zum Teil überraschende Ergebnisse hervorgebracht. Klar ist allerdings noch immer: Norddeich ist fest in der Hand von Nordrhein-Westfalen.
Norden - Norddeich gilt bei Touristen als gastfreundlich, gepflegt und familienfreundlich. Zudem noch herzlich, lebendig und modern. Im Vergleich zu den Inseln gilt Norddeich bei den Besuchern als deutlich weniger teuer. Das ergab eine Befragung im Rahmen des „Vergleichenden Gäste Monitoring“ (VMG), bei dem mehr als 1000 Gäste befragt wurden. Das VMG wird von mehr als 30 Destinationen zur Einschätzung ihres Tourismus-Standortes genutzt. Norddeichs Kurdirektorin Eva Krüger-Linzer hat jetzt die Ergebnisse vorgestellt.
Demnach sind die Gäste in Norddeich deutlich zufriedener mit den Angeboten als bei den Mitbewerbern. Einzige Ausnahme: bei der medizinischen Kompetenz liegt Norddeich abgeschlagen hinter den Inseln und den Küstenorten. Das gilt auch für Kulturangebote, Nachhaltigkeit der Tourismusangebote und Aktivangebote, denn diese werden von den Besuchern ebenfalls deutlich schlechter bewertet als an den anderen Küstenorten und auf den Inseln. Hier gilt es laut Krüger-Linzer sowohl das Angebot zu verbessern als auch die Kommunikation darüber.
Viele Besucher werden als Belastung wahrgenommen
Grundsätzlich wird Norddeich von den Gästen als erholsam gesehen und im Vergleich zu den anderen Küstenorten und Inseln als besonders gastfreundlich, gepflegt und familienfreundlich. In den Bereichen Angebot für Familien, Schlechtwetterangebot und Barrierefreiheit hebt sich Norddeich von den Mitbewerbern an der Küste und den Inseln ab.
Selbst viele Touristen nehmen allerdings wahr, dass die vielen Besucher auch eine Belastung für die Region sein können – immerhin 45 Prozent der Befragten haben Belastungen durch den Tourismus wahrgenommen. Das ist etwas mehr als bei den anderen. 38 Prozent der Befragte haben das Gefühl einer Überfüllung in Norddeich aufgrund des hohen Gästeaufkommens. Dieses Gefühl ist bei Touristen auf den Inseln oder in anderen Küstenorten aber noch etwas höher (40 Prozent).
Deutlich schlechter steht Norddeich da, wenn es um das Thema Umweltverschmutzung und Müll geht. 14 Prozent der Befragten sehen das in Norddeich als Problem an – bei den anderen sind es nur acht Prozent. Was das Thema Verkehrsbelastung/Stau angeht, schneidet Norddeich hingegen besser ab als die anderen. Zwölf Prozent der Befragten halten das in Norddeich für ein Problem, im Vergleich zu 16 Prozent bei den anderen.
Mehr Familien besuchen Norddeich
Auf den Inseln sind insgesamt mehr Alleinreisende unterwegs als an der Küste. Dafür ist der Anteil an Familien in Norddeich höher als sonst an der Küste. Als Gründe werden dafür die leichte und schnelle Anreise und die hohe Familienfreundlichkeit genannt. Wenig überraschend: Das Haupteinzugsgebiet für Norddeich bleibt Nordrein-Westfalen. Deutlich weniger Gäste reisen aus Niedersachsen, Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und Berlin/Brandenburg an.
Die Übernachtungszahlen sind im Vergleich zum Vorjahr von Januar bis September leicht zurückgegangen – von 1,578 Millionen auf 1,543 Millionen. Das ist ein Minus von 2,22 Prozent. Einen Grund dafür sieht die Kurdirektorin auch in der Tatsache, dass die Zahl der Auslandsreisen mittlerweile wieder auf Vor-Corona-Niveau liegen. Im Erlebnisbad und Sauna „Ocean Wave“ sind im gleichen Zeitraum hingegen die Besucherzahlen um 1,41 Prozent gestiegen auf insgesamt 156.586 Besucher.
75 Prozent sind Stammgäste
Gründe, warum die Touristen nach Norddeich fahren, sind laut Befragung neben Ruhe und Erholung die Natur und die Landschaft und insbesondere das (Nordsee-)Klima und die Erreichbarkeit. Vor allem Letztere sei ein besonderer Vorteil gegenüber vielen anderen Küstenorten. Der Anteil der Gäste mit Hund liegt in Norddeich etwas über dem Durchschnitt anderer Orte.
Norddeich wird vor allem von Stammgästen besucht. 43 Prozent der Gäste kommen mehrfach pro Jahr, 32 Prozent der Gäste kommen alle ein bis zwei Jahre. Bis zu 75 Prozent Stammgäste zu verzeichnen, sei außergewöhnlich, betonte Eva Krüger-Linzer. Eine Quote von 20 bis 40 Prozent sei eher normal. Trotzdem gibt es auch immer wieder neue Gäste und Erstbesucher – die Quote liegt bei acht Prozent.
Strandkörbe werden wieder vergittert
Gastfreundschaft und gastronomische Angebote sind unseren Besuchern besonders wichtig, außerdem Angebote für Familien, die Verfügbarkeit von Internet und die Preise“, sagte die Kurdirektorin. Vor allem die Preise seien wichtig, denn die Norddeicher Gäste sind „preissensibel“, wie sie sagte. Trotzdem halten immerhin 67 Prozent der Gäste in Norddeich den Gästebeitrag für notwendig und etwa 57 Prozent in Norddeich für angemessen. Angesichts der Diskussionen vor Ort ist eine Antwort der Gäste in der Befragung überraschend: Die Befragten sind demnach zufrieden mit der medizinischen Versorgung in Norddeich.
Das neue touristische Jahr startet mit Klassikern wie dem Anbaden in der Nordsee am 1. Januar und dem Gastgeberforum am 15. Februar aber auch mit Neuem: So wird Kurdirektorin Eva Krüger-Linzer ab Januar ein bis zwei Mal im Monat eine Sprechstunde der Kurdirektorin anbieten. Dort wolle sie sowohl mit den Einheimischen und Gastgebern als auch mit den Touristen ins Gespräch kommen.
Erstmals wird das „Ocean Wave“ auch am zweiten Weihnachtsfeiertag geschlossen bleiben. Bad und Sauna öffnen am 27. Dezember. Und auch für die Strandbesucher wird sich im kommenden Jahr wieder etwas ändern: Die Strandkörbe werden wieder mit Gittern und Schlössern versehen, kündigte Krüger-Linzer an. Die Schlösser sollen aber mit GPS ausgestattet werden, damit sie digital zu öffnen sind. Hintergrund dieser Entscheidung sei die hohe Zahl an Beschwerden gewesen, sagte sie. Außerdem seien von den 723 Strandkörben mehr als 290 Körbe ernsthaft beschädigt worden. Nicht nur durch Vandalismus, wie Krüger-Linzer betonte – die Körbe seien ohne Gitter windanfälliger. Die Folge: ein höherer Investitionsbedarf für das kommende Jahr.