Hamburg  Fußball-Weltmeisterschaft 2034 bei den Saudis: Augen zu und durch!

Alexander Barklage
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Von Alexander Barklage
| 11.12.2024 14:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zugpferd: Fußball-Superstar Cristiano Ronaldo wechselte 2023 zum saudischen Club Al-Nassr und kassierte dafür königlich ab. Foto: dpa/AP
Zugpferd: Fußball-Superstar Cristiano Ronaldo wechselte 2023 zum saudischen Club Al-Nassr und kassierte dafür königlich ab. Foto: dpa/AP
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Nach 2022 wird 2034 wieder eine Fußball-WM in einem arabischen Land stattfinden, das autoritär regiert wird und wo Menschenrechte oftmals mit Füßen getreten werden. Ist eine weitere Empörung nötig oder sollte man der Realität ins Auge schauen?

Bei der vergangenen WM 2022 in Katar gab es vor allem in Deutschland eine große Debatte, ob das DFB-Team nicht das ganze Turnier boykottieren solle, wegen der großen Menschenrechtsverletzungen in Katar und den vielen verstorbenen Gastarbeitern, die die mondänen Stadien im Land aus dem Boden stampften. Am Ende reichte es nur für eine „Hand vor dem Mund“-Geste, denn selbst für das Tragen der sogenannten „Regenbogen-Binde“, die eigentlich Kapitän Manuel Neuer überstreifen sollte, fehlte dem DFB letztlich der Mut.

Zwölf Jahre später findet das – nach den Olympischen Spielen – größte Sportspektakel der Welt in Saudi-Arabien statt. Das Königreich, das von Kronprinz Mohammed bin Salman mit absoluter Macht regiert wird, ist noch autoritärer als Katar. Menschenrechtsverletzungen, unfaire Gerichtsverfahren, Todesurteile gegen regierungskritische Menschen, Unterdrückung von Frauenrechte. Die Liste ist lang.

Dennoch ist die Entscheidung der FIFA in diesem Fall viel geräuschloser vonstattengegangen als damals bei Katar als Gastgeber. Zähneknirschend hatte auch der DFB bereits vor der Verkündigung erklärt, keinen Widerstand gegen eine WM 2034 in Saudi-Arabien zu leisten. Mit einer Ablehnung oder gar einem Boykott hätte man nicht das erreicht, was man erreichen will, so DFB-Präsident Bernd Neuendorf. „Ich glaube, wir können den Einfluss nur geltend machen dann, wenn wir sagen: Ja, wir stimmen zu, aber wir wissen, es gibt Defizite.“

Die Vergabe der WM nach Saudi-Arabien ist damit ein voller Erfolg für den aktuell allmächtig wirkenden FIFA-Präsident Gianni Infantino, der gute Kontakte zum saudischen Kronprinzen pflegt und schon 2023 eigenmächtig erklärte, dass die WM 2034 in Saudi-Arabien stattfinden würde, obwohl sich die FIFA klar zum Schutz der Menschenrechte verpflichtet hat.

Für die Saudis ist es der vorläufige Höhepunkt, nachdem der staatliche Public Investment Fund seit 2021 über fünf Milliarden Euro in die Sportbranche investiert. Ziel der saudischen „Vision 2030“ ist es, das Land langfristig von seiner Abhängigkeit vom Öl zu befreien und neue Wirtschaftszweige zu stärken. In den vergangenen Jahren fanden internationale Boxkämpfe, Tennisturniere und ein Formel 1-Grand Prix in Saudi-Arabien statt. 2023 wechselte Fußballstar Cristiano Ronaldo in die saudische Liga. 2029 ist das Land Gastgeber der Asien-Winterspiele. Fünf Jahre später ist dann Fußball-WM.

Noch sind es zehn Jahre bis zur WM 2034. So lange können sich die weltweit Millionen Fußballfans überlegen, ob sie die WM boykottieren wollen oder doch mit ihrem eigenen Land mitfiebern. Das Endspiel 2022 zwischen Argentinien und Frankreich gilt als eines der dramatischsten aller Zeiten und geschaut wurde es trotz aller Unkenrufe auf der Welt millionenfach. 2034 wird es vermutlich ähnlich sein – es heißt also Augen zu, und durch. Für die Liebe zum Spiel.

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