Hamburg Dürfen Lehrer verraten, dass es Weihnachtsmann oder Christkind nicht gibt?
Wie umgehen mit Kinderfragen zum Weihnachtsmann, ohne die Magie des Festes zu zerstören? Ein Schulpsychologe erklärt, warum Zurückhaltung wichtig ist – und wie Lehrer sensibel auf den Glauben der Kinder eingehen können.
Liebevoll geschmückte Klassenzimmer, täglich wachsende Vorfreude: Gerade für Kinder gilt Weihnachten als die viel zitierte „schönste Zeit des Jahres“. Doch für Lehrer wird die Weihnachtszeit schnell zur Gratwanderung: Der richtige Umgang mit dem Glauben an den Weihnachtsmann und das Christkind verlangt Fingerspitzengefühl, um die Magie des Festes nicht zu zerstören.
Eine Studie hat gezeigt, dass Kinder durchschnittlich bis zum Alter von sieben, vereinzelt sogar von neun Jahren, an den Weihnachtsmann glauben – also genau in die Grundschulzeit hinein. Was aber, wenn dieser Glaube im Klassenzimmer infrage gestellt wird?
Der Bundeselternrat hat dazu eine klare Haltung: „Es ist hilfreicher, Fragen offenzulassen, als persönliche Überzeugungen zu äußern.“ Immer wieder berichteten Eltern, dass der Weihnachtsmann im Unterricht durch Lehrer „geoutet“ wird. Solche Situationen könnten Kinder verunsichern und Eltern verärgern, heißt es weiter. Die Eltern raten, „bei dieser Thematik besonders einfühlsam vorzugehen.“
Auch Schulpsychologe Klaus Seifried vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen mahnt zur Zurückhaltung. „Mythen wie der Weihnachtsmann geben Kindern Halt und gehören zur Entwicklung dazu. Es ist nicht Aufgabe von Lehrern, ihnen diese Illusion zu nehmen“, erklärt er. Zudem sei es auch gar nicht notwendig: Kinder würden meist von selbst erfahren, dass der Weihnachtsmann eine Geschichte ist – oft durch Gleichaltrige oder innerhalb der Familie.
Seifried rät Lehrkräften, das Thema offen anzugehen. „Statt den Mythos direkt infrage zu stellen, könnten Lehrer beispielsweise fragen, wer bei den Schülern zu Hause die Geschenke bringt. So können Lehrer den Glauben der Kinder respektieren und trotzdem neugierig auf ihre Erlebnisse eingehen.“