Wohnungsnot in Ihlow  Wie diese Familie verzweifelt eine neue Bleibe sucht

| | 09.12.2024 13:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Ihlower Marco Clausen sucht für sich und seine Familie dringend eine neue Wohnung. Foto: Christin Wetzel
Der Ihlower Marco Clausen sucht für sich und seine Familie dringend eine neue Wohnung. Foto: Christin Wetzel
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In Simonswolde sucht eine fünfköpfige Familie seit mehr als einem Jahr eine neue Wohnung. Nun droht ihnen sogar eine Räumung. Wie es dazu kommen konnte.

Ihlow - Marco Clausen ist verzweifelt. Der Blick des Simonswoldmers geht ins Leere, wenn er erzählt, was er und seine Familie in den vergangenen Tagen und auch schon Monaten durchmachen mussten. Dem 49-Jährigen, seiner Lebensgefährtin Bettina Poppen und drei Kindern droht in dieser Woche die Obdachlosigkeit. Und das, obwohl sie seit über einem Jahr nach einer neuen Wohnung suchen. Wie konnte das passieren?

Seit etwa zehn Jahren wohnt Clausen mit seiner Familie in Simonswolde zur Miete. Der Familie ging es gut. Clausen ist kein Unbekannter. Mit seiner Firma sorgte er dafür, dass an den Badeseen und auch Schwimmbädern in der Region Rettungsschwimmer vor Ort waren. Die Ihlower dürften ihn vor allem vom Naturbad Riepe kennen, wo er im vergangenen Sommer als Rettungsschwimmer vor Ort war. Privat engagierte er sich auch sein Leben lang, organisierte Spendenaktionen, bildete junge Leute ehrenamtlich aus, war bei mittelalterlichen Heerlagern dabei. Doch nun sitzt er auf dem Sofa zwischen gepackten Sachen und weiß nicht mehr weiter. Eine Zwangsräumung droht der Familie am Donnerstag.

Vermieter will Haus verkaufen

Alles fing vor einem Jahr an, als sein Vermieter die Familie ansprach. Er wolle verkaufen, aber kein Stress machen. So, sagt Clausen, sei der 84-jährige Vermieter auf sie zugekommen. Schon früh habe Clausen angefangen nach Wohnungen zu suchen. Seit November 2023 schaltete er Anzeigen bei „Kleinanzeigen“ im Internet. Zunächst suchte er noch im näheren Umkreis. Denn die drei Kinder, zwölf, 18 und fast zwei Jahre, sollten nicht aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen werden. Doch schnell weiteten sie ihre Suche aus. Denn es gab einfach nichts Passendes zur Miete für fünf Personen mit drei Hunden. 1000 Euro Kaltmiete könnten sie aufbringen. Die Wohnungsnot bekam die Familie deutlich zu spüren. Für die Familie wurde es noch ernster, als plötzlich die Räumungsklage drohte.

„Vor anderthalb Wochen stand der Gerichtsvollzieher vor der Tür“, sagt Clausen. Da sei eine Welt für ihn zusammengebrochen. Angeblich, so berichtet es der 49-Jährige, hätte er bereits im Oktober entsprechende Post vom Gericht erhalten sollen. Doch die sei, so Clausen, bei der Familie nicht angekommen. Die Räumungsklage erschwert nun nicht nur wegen des zeitlichen Drucks die Wohnungssuche. Überall vermuten die Anbieter nun, sie hätten Mietschulden, sagt Clausen. Doch die haben sie nicht, sagt Clausen. Er zeigt auf die modernen Fenster in dem Altbau. Die hätten sie auf eigene Kosten installiert. Auch die Auffahrt hätten sie damals beim Einzug vor knapp zehn Jahren saniert und selbst bezahlt. Laut Clausen sei einzig und allein der Wunsch des Vermieters, das Haus zu verkaufen, der Grund für den Rausschmiss.

Schimmelbude als Sozialwohnung angeboten

Bei der Gemeinde Ihlow fragte der 49-Jährige deswegen auch nach Unterstützung. Ihm sei eine Sozialwohnung in Simonswolde von der Gemeinde angeboten worden. Diese sei jedoch komplett verschimmelt und stark renovierungsbedürftig gewesen. Unzumutbar, wie Clausen sie beschreibt. „Man versucht schon alles“, sagt Clausen. Freunde und Verwandte haben er und seine Lebensgefährtin kontaktiert. Alles ohne Erfolg.

Er verliere den Glauben an die Menschheit, sagt der 49-Jährige. Er habe sich jahrelang engagiert und jetzt ließe ihn das Schicksal, „Karma“, wie er selbst sagt, im Stich. Wegen mangelnder Auftragslage habe er seine Selbstständigkeit als Rettungsschwimmer in diesem Jahr aufgegeben. Er habe einen neuen Job, den er bald anfangen könne. Auch andere familiäre Schicksalsschläge steckte die Familie in den vergangenen Monaten weg. Und nun die drohende Obdachlosigkeit. Die Familie hat einen Anwalt. Doch das einzige, was ihnen nun zeitnah helfen könnte, nicht zum Ende der Woche auf der Straße zu stehen, sei ein Mietvertrag für eine Wohnung. Das wäre der Aufschub, um in Ruhe auszuziehen und andernorts ein neues Leben anzufangen.

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