Osnabrück  Auf den Rausch wird Ernüchterung folgen: Syrien steht am Scheideweg

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 08.12.2024 14:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Das Ende der Assad-Diktatur herbeigesehnt: Syrer haben sich im Berliner Bezirk Neukölln vor der Bäckerei Damaskus versammelt. Foto: dpa/Julius-Christian Schreiner
Das Ende der Assad-Diktatur herbeigesehnt: Syrer haben sich im Berliner Bezirk Neukölln vor der Bäckerei Damaskus versammelt. Foto: dpa/Julius-Christian Schreiner
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Auch nach Deutschland geflüchtete Syrer schöpfen Hoffnung: Können sie nach dem Ende der Assad-Diktatur bald in ihre Heimat zurück? Noch ist völlig offen, ob es Frieden in Syrien gibt oder das Land im Chaos versinkt.

Ein halbes Jahrhundert hat der Familienclan der Assads Syrien beherrscht, skrupellos zum eigenen Wohl und mit brachialer Gewalt. Mit dem Sturz des Diktators Baschar al-Assad beginnt nun eine neue Zeitrechnung für die Menschen im Land. Ob sie sich dereinst im Guten an diesen historischen Tag erinnern werden, steht auf einem anderen Blatt.

Auch die Hoffnungen der vor Krieg und Folter aus Syrien nach Deutschland und in andere Länder geflohenen Menschen, bald in die Heimat zurückkehren zu können, dürfte sich deshalb vorerst in engen Grenzen halten. Noch ist unklar, wer das Machtvakuum im Land wie ausfüllen wird – oder ob die staatliche Ordnung vollends zerfällt. Denn Syrien gleicht einem Flickteppich an Einflüssen.

Die unterschiedlichen Milizen und Rebellengruppen hat nur der Kampf gegen das Assad-Regime geeint; darüber hinaus sind ihre Interessen sehr unterschiedlich; als Anhänger demokratischer Ideale ist bisher niemand aufgefallen.

Darüber kann auch die Ansage des Rebellenführers al-Dschulani kaum hinwegtäuschen, die Macht friedlich übernehmen und Syrien zu einem geeinten Land für alle Volksgruppen und Glaubensrichtungen machen zu wollen. Jenseits von Damaskus kämpfen etwa auch die religiösen IS-Fanatiker um die Ausweitung ihres Einflussgebiets. Und nach Jahren des Krieges kursieren unzählige Waffen nicht unbedingt in den richtigen Händen.

Die Befürchtung, Syrien werde vom Regen in die Traufe kommen, liegt nahe. Sowohl Irak als auch Libyen sind nach dem Sturz der Herrscher Saddam Hussein und Muammar al-Gadaffi im Chaos versunken und bis heute nicht zu Ruhe gekommen – zumal auch ausländische Mächte im Hintergrund ihre Fäden ziehen.

Nach anderthalb Jahrzehnten des Krieges hat der Zusammenbruch des Systems in Syrien nun kaum mehr als zwei Wochen gedauert. Das zeigt, dass hinter der Fassade des Assad-Regimes ohne Russland und Iran als militärische Helfer nicht mehr viel los war. Moskau aber ist mit dem Krieg gegen die Ukraine derart in Anspruch genommen, dass es sich nicht noch um die Rettung Assads hätte kümmern können. Auch Iran schwächelt. Das regionale Machtgefüge dürfte sich nach dem Ende der Assad-Diktatur verschieben – ob zum Wohl der Menschen, bleibt abzuwarten.

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