Bahnlinie Aurich-Abelitz  Entscheidung über Reaktivierung verzögert sich weiter

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 05.12.2024 13:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auf den Schienen entlang der Emder Straße bewegt sich seit langer Zeit nicht viel. Ob hier jemals wieder Personenzüge fahren, bleibt weiter offen. Foto: Romuald Banik
Auf den Schienen entlang der Emder Straße bewegt sich seit langer Zeit nicht viel. Ob hier jemals wieder Personenzüge fahren, bleibt weiter offen. Foto: Romuald Banik
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In dieser Woche hätte die Entscheidung über die Reaktivierung der Bahnlinie Aurich-Abelitz für den Personenverkehr fallen sollen. Warum das nicht passiert ist.

Aurich/Hannover - Ins Stocken geraten ist der Zeitplan für eine mögliche Reaktivierung der Bahnstrecke Aurich-Abelitz. Das Bahngutachten des Landkreises Aurich lässt weiter auf sich warten. Statt 2023 soll es nun erst im kommenden Frühjahr veröffentlicht werden. Und auch der Lenkungskreis Bahnreaktivierung im niedersächsischen Landtag ist in Verzug geraten. Eigentlich hätte am Mittwoch dieser Woche entschieden werden sollen, welche Strecken weiter im Rennen sind für eine Reaktivierung. Die Sitzung des Lenkungskreises wurde jedoch abgesagt. Auch in Hannover geht es erst im März kommenden Jahres weiter. Das bestätigt Christoph Ricking, Sprecher des Wirtschaftsministeriums, auf Anfrage unserer Redaktion.

Vier Stufen sind für den Reaktivierungsprozess vorgesehen. Begonnen wurde im April 2023 mit der ersten Sitzung des Lenkungskreises. Zu Beginn waren noch 54 Strecken im Topf, die für eine Reaktivierung in Betracht kamen. Mittlerweile werden in der zweiten Stufe des Verfahrens noch 21 Strecken begutachtet. Dafür führt laut Ricking die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) für diese 21 Strecken, zu denen Aurich-Abelitz gehört, eine sogenannte Nutzen-Kosten-Analyse durch. „Da diese unter Einbeziehung von intensiven Einzelgesprächen noch etwas Zeit in Anspruch nimmt, wurde die Verlegung des Lenkungskreistermins auf das kommende Frühjahr entschieden.“ Am 20. März soll bekannt gegeben werden, ob Aurich-Abelitz eine Runde weitergekommen ist.

Reaktivierung in vier Stufen

Einen gewissen Einfluss auf die Entscheidung habe auch das Bahngutachten, das der Landkreis Aurich in Auftrag gegeben hat. „Die genannte Studie für die Strecke Aurich-Abelitz wird mit großem Interesse erwartet und so weit möglich in den weiteren Ablauf der Untersuchung einbezogen“, sagt Ricking. Allerdings schaffe nur die neue Reaktivierungsuntersuchung des Landes einen standardisierten Ablauf mit dem Ziel einer landesweiten Vergleichbarkeit, die zudem zusätzlich fachwissenschaftlich unterstützt sei. Das Gutachten des Kreises werde in Hannover aber als ein positives Signal der Unterstützung für das Reaktivierungsprojekt gewertet. „Allerdings hat die Erfahrung gezeigt, dass die Vorgehensweise von vor Ort in Auftrag gegebenen Gutachten stark variiert, sodass die Ergebnisse nicht immer übertragbar sind.“

Stillstand: Seit vielen Monaten stehen drei Waggons an der Emder Straße. Verrostete Räder auf rostenden Schienen. Foto: Romuald Banik
Stillstand: Seit vielen Monaten stehen drei Waggons an der Emder Straße. Verrostete Räder auf rostenden Schienen. Foto: Romuald Banik

Derzeit läuft die zweite von vier Stufen der aktuellen Reaktivierungsuntersuchung des Landes Niedersachsen. Der Prozess ist laut Ricking auf drei bis vier Jahre angelegt und wird daher voraussichtlich bis 2026/27 dauern. In der dritten Stufe, die ab März kommenden Jahres erfolgt, soll dann für die verbliebenen Strecken der Finanzbedarf bei den Betriebskosten ermittelt werden.

Eisenbahngesellschaft macht jährlich Verlust

Schon einmal, im Jahr 2015, stand die Strecke Aurich-Abelitz kurz vor der Reaktivierung. Damals plante der Windradhersteller Enercon die Ertüchtigung der Gleisanlagen für größere, breitere Ladungen. Im Zuge dessen hätte eine Reaktivierung für den Personenverkehr funktionieren können. Als Enercon die Pläne aufgab, wurde auch die Idee für einen neuen Schienenpersonennahverkehr (SPNV) nicht weiter verfolgt.

Seitdem werden nur noch wenig Güter über die Schiene von und nach Aurich transportiert. Regelmäßig wird das Unternehmen Kerker mit Kies beliefert. Demnächst will auch die Firma Wendeling die Gleise zwischen Aurich und Abelitz für den Transport von Schlacke und Kies nutzen. Die Eisenbahninfrastrukturgesellschaft Aurich-Emden (EAE) betreibt die Bahnstrecke. An dem Unternehmen sind die Stadt Aurich, Enercon sowie mit einem kleinen Teil die Kerker Firmengruppe beteiligt. Die Stadt Aurich muss laut Haushaltsplan jährlich rund 150.000 Euro an Verlustabdeckung zuschießen, hält aber trotz aller Sparzwänge an der EAE fest.

Ob es aber weiter die Chance auf eine Straßenbahn, eine Stadtbahn oder eine Eisenbahnverbindung zwischen Aurich und Emden gibt, wird sich erst im Frühjahr kommenden Jahres entscheiden.

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