Plattdeutsch Auricher Gymnasium ist Modellschule
An vielen Grundschulen gibt es bereits Plattdeutsch-AGs. Nun hat sich auch das Auricher Ulricianum auf den Weg gemacht.
Aurich - Ostfriesland ist die größte plattdeutsche Sprachinsel in Deutschland. Die Regionalsprache wird nirgendwo sonst noch von so vielen Menschen aktiv gesprochen. Damit das so bleibt, sollen die Schulen mehr noch als in den vergangenen Jahren die Sprache vermitteln. Im Landkreis Aurich gibt es bereits einige Grundschulen sowie mit der IGS Ihlow sowie der KGS Hage-Norden zwei weiterführende Schulen, die als „Modellschulen Niederdeutsch/Saterfriesisch“ zertifiziert sind. Mit dem Auricher Ulricianum ist nun das erste Gymnasium in Ostfriesland mit dabei.
Seit dem Sommer gibt es zwei Plattdeutsch-AGs an der Schule, eine an der Hauptstelle und eine an der Außenstelle, der Waldschule in Egels. Gefördert werde das vom Land Niedersachsen, erläuterte Schulleiter Rüdiger Musolf in einem Pressegespräch. Mit an Bord sei auch die Ostfriesische Landschaft, die über das Plattdüütskbüro Unterstützung gebe. Mit Anna Kubik, Dr. Wiebke Kuske-Janßen und Heike Lüder-Ackermann kümmern sich drei Lehrerinnen, darum, dass die niederdeutsche Sprache auch von der jungen Generation wieder gesprochen wird.
Backen auf Plattdeutsch
Und das scheint zu gelingen, wie Anna Kubik im Pressegespräch sagt. Denn viele der Schülerinnen und Schüler hätten überhaupt keine Plattdeutsch-Vorkenntnisse, kämen aus Familien, die von außerhalb nach Ostfriesland gezogen seien. In der AG an der Außenstelle Egels würde keines der Kinder, die alle aus den Jahrgängen fünf bis sieben stammten, Plattdeutsch sprechen. „In den Familien machen das höchstens noch die Großeltern.“
Bislang sei noch wenig Grammatik unterrichtet worden, sagt Heike Lüder-Ackermann. Es sei vielmehr darum gegangen, ins Sprechen zu kommen, die Sprache kennenzulernen. Daher seien die hiesigen Feste und Veranstaltungen aufgegriffen worden. Verknobelungen, Martinilauf oder das Backen von Stutenkerlen – alles wurde auf Plattdeutsch besprochen und durchgeführt. Hinzu komme der Besuch einer Sondervorstellung des Theaters Lazarett. Dort wird „Der Schimmelreiter“, aufgeführt. In dem Stück gibt es sowieso plattdeutsche Anteile. Für die Teilnehmer der Plattdeutsch-AGs werden diese noch einmal ausgeweitet.
Fremdsprache ist vor Ort anwendbar
Imke Schöneboom und Anja Enninga sind Fachberaterinnen für Niederdeutsch am Regionalen Landesamt für Schule und Bildung. Sie begleiten die bislang 25 Modellschulen in Ostfriesland bei der Ausweitung des plattdeutschen Angebots. Denn dieses ist zwar schon ein Unterrichtsfach, es soll aber professionalisiert werden. Ein entsprechendes Lehramtsstudium habe nun der zweite Durchgang aufgenommen, sagt Enninga. Die ersten Referendare würden im Jahr 2030 an die Schulen kommen.
Im Gegensatz zu anderen Sprachen wie Englisch oder Französisch habe Niederdeutsch einen großen Vorteil. „Wer das erlernt, kann es auch sofort im Alltag vor Ort anwenden“, sagt Enninga. Ihr ist es wichtig, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler plattdeutsch lernen. „Wenn wir das nicht über die Schule hinkriegen, haben wir keine Chance, die Sprache zu erhalten.“