OOWV hebt Preise an  Trinkwasser wird zehn Prozent teurer

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 04.12.2024 15:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Investitionen wie zum Beispiel in die neue Betriebsstelle in Aurich machen eine Anhebung der Wassergebühren notwendig, sagt der OOWV. Grafik: Architekturbüro Diana Nierenberger
Investitionen wie zum Beispiel in die neue Betriebsstelle in Aurich machen eine Anhebung der Wassergebühren notwendig, sagt der OOWV. Grafik: Architekturbüro Diana Nierenberger
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Zum vierten Mal in Folge steigen die Wassergebühren des OOWV. Begründet wird das mit hohen Investitionen. Es gibt aber auch vier Preissenkungen.

Aurich/Brake - Abermals steigt der Preis für Trinkwasser im Gebiet des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV). Im vierten Jahr in Folge werden die Gebühren angehoben. Statt bisher 1,41 Euro müssen ab dem 1. Januar 1,56 Euro pro Kubikmeter gezahlt werden. Bei einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 125 Litern am Tag beziehungsweise rund 46 Kubikmetern pro Jahr ergibt sich laut OOWV-Sprecher Heiko Poppen dadurch eine Mehrbelastung von 6,90 Euro pro Person und Jahr. Das ist eine Steigerung um gut zehn Prozent. Erst vor einem Jahr war der Wasserpreis um 20 Prozent gestiegen. Auch der Grundpreis wird im kommenden Jahr von bisher 7,63 Euro auf 8,49 Euro monatlich steigen, was einer Mehrbelastung von 10,32 Euro pro Jahr und Haushalt entspricht.

Beschlossen wurde die Erhöhung auf der Verbandsversammlung des OOWV am Mittwoch in Oldenburg. Begründet wird die Anhebung der Gebühren mit den großen Maßnahmen, die der OOWV weiterhin vornehmen müsse, um die Wasserversorgung zukunftssicher zu gestalten. Maßnahmen in Höhe von 144 Millionen Euro seien im kommenden Jahr geplant, teilte Poppen mit.

Infrastruktur muss Klimawandel angepasst werden

Alleine im Bereich der Wasserversorgung sollen 87 Millionen Euro ausgegeben werden. Das sind fünf Millionen Euro mehr als in diesem Jahr. Laut Poppen haben sich die Ausgaben seit 2018 verdreifacht. Es müssten einerseits Netze und Anlagen saniert werden. Andererseits müsse der Wasserverband seine Infrastruktur dem Klimawandel anpassen.

Der OOWV muss in bestehende Anlagen vermehrt investieren – wie hier in einen der Tanks des Wasserwerks in Egels. Foto: Romuald Banik
Der OOWV muss in bestehende Anlagen vermehrt investieren – wie hier in einen der Tanks des Wasserwerks in Egels. Foto: Romuald Banik

Verbandsvorsteher Sven Ambrosy, zugleich Landrat im Kreis Friesland, warb während der Verbandsversammlung um Verständnis für die Erhöhung. „Wir treiben die Erneuerung und Instandhaltung unserer Anlagen und Leitungen wie in den Vorjahren kraftvoll voran. Das ist die wichtigste Grundlage für die dauerhafte Versorgungssicherheit.“ Die erforderlichen Investitionen ausschließlich über Schulden zu finanzieren und somit die Lasten auf künftige Generationen umzulegen, wäre nicht gerecht. Nach wie vor sei der OOWV einer der günstigen Wasserversorger in Deutschland. Einen Durchschnittspreis von 2,09 Euro pro Kubikmeter weist eine Übersicht des Bundesverbands der Energieabnehmer (VEA) für 2024 aus.

Steigender Verbrauch macht neue Wasserwerke nötig

Der OOWV ermögliche durch sein Handeln weiterhin Fortschritt und Wachstum in den Kommunen, unterstrich laut der Mitteilung Geschäftsführer Karsten Specht. Dazu zähle insbesondere, ausreichende Mengen an Wasser zur Verfügung zu stellen. Man sei in mehreren Gebieten des Verbandsgebiets auf der Suche nach Standorten für zusätzliche Wasserwerke, damit der steigende Bedarf gedeckt werden könne.

Ein Beispiel dafür ist Riepe. Dort soll wegen des steigenden Bedarfs des Futtermittelherstellers Landguth ein neues Wasserwerk am 1. Querweg gebaut werden. Ein Versuchsbrunnen wurde dort im Frühjahr errichtet. Pumpversuche wurden bereits durchgeführt und konnten mittlerweile abgeschlossen werden.

Abwasserentsorgung wird in vier Kommunen billiger

Zugleich lege der OOWV ein besonderes Augenmerk auf den Ressourcenschutz, so Specht weiter. „In Nordenham und Brake realisieren wir Brauchwasserwerke, die gereinigtes Abwasser aus dem Kläranlagenablauf aufbereiten und dann an Industrieunternehmen abgeben können.“ Der OOWV sei Vorreiter bei Innovationen rund ums Wasser. Dazu gehörten auch die konkreter werdenden Wasserstoffprojekte in der Region. „Wir verfügen über das Wissen, notwendige Wassermengen aus alternativen Ressourcen in der benötigten Qualität bereit- und sicherzustellen“, so Specht.

Das neue Wasserwerk in Siegelsum hat Form angenommen. Ende 2025 soll es in Betrieb gehen. Fotos: Thomas Dirks
Das neue Wasserwerk in Siegelsum hat Form angenommen. Ende 2025 soll es in Betrieb gehen. Fotos: Thomas Dirks

Nicht alles wird teurer beim OOWV. Im Landkreis Aurich hat der Verband in sechs Kommunen die Abwasserbeseitigung übernommen. In vier dieser Gemeinden wird am 1. Januar die Abwassergebühr sinken. Darunter sind auch Dornum und Großheide. Die beiden Kommunen hatten Anfang November eine Senkung der Gebühren verlangt und dafür sogar ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Betriebsabrechnungen des OOWV prüfen zu lassen. Denn in Großheide lagen die Abwasserkosten im laufenden Jahr bei 6,95 Euro und in Dornum bei 5,92 Euro pro Kubikmeter. Im Vergleich zu den umliegenden Gemeinden Hage, Krummhörn, Norden, Holtriem und Brookmerland zahlen die Großheider mehr als doppelt so viel, die Dornumer fast doppelt so viel an Gebühren.

Beim Abwasser werden 57 Millionen Euro investiert

Ab Januar sinkt in Großheide der Preis um zehn Cent auf 6,85 Euro pro Kubikmeter Abwasser. In Dornum sinken die Abwassergebühren um 31 Cent auf 5,61 Euro pro Kubikmeter. Günstiger wird es auch in Ihlow, dort müssen die Bürger ab Januar 2,66 Euro pro Kubikmeter zahlen bisher 2,89 Euro). In Hinte wird der OOWV im kommenden Jahr 4,32 Euro pro Kubikmeter berechnen – 18 Cent weniger als in diesem Jahr. Teurer wird es hingegen in Südbrookmerland. Dort steigt der Kubikmeterpreis beim Abwasser um 42 Cent auf 3,73 Euro. Ebenfalls um 42 Cent teurer wird die Abwasserbeseitigung auf Baltrum. Dort wird der Kubikmeter dann 4,93 Euro kosten.

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband

Der OOWV wurde im Jahr 1948 gegründet. Der Verband ist Wasserversorger in neun Landkreisen, 21 Städten und 57 Gemeinden.

Neues Mitglied zum 1. Januar 2025 wird die Stadt Emden. In Wybelsum, Twixlum und Logumer Vorwerk sind rund 1100 Hausanschlüsse an das OOWV-Netz angeschlossen. Zwischen den Stadtwerken Emden und dem OOWV besteht überdies Einigkeit über eine enge zukünftige Zusammenarbeit.

Seit 1999 übernimmt der OOWV auch in immer mehr Kommunen die Abwasserentsorgung. Der Verband ist derzeit für 39 Kommunen und einen Zweckverband in diesem Bereich zuständig. Zum 1. Januar kommen drei weitere Mitglieder hinzu: Die Gemeinden Bockhorn und Apen sowie die Stadt Schortens

Bei der Abwasserbeseitigung kalkuliert der OOWV im kommenden Jahr mit Ausgaben in Höhe von 57 Millionen Euro, eine Million mehr als 2024. Veraltete Anlagen würden saniert oder erneuert, Entsorgungskonzepte angepasst und Kapazitäten erweitert, heißt es in der Mitteilung. Dabei fielen steigende Material-, Bau-, und Dienstleistungskosten ebenso ins Gewicht wie ein anhaltend hohes Zinsniveau, welches die Finanzierung von Investitionen deutlich teurer mache.

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