Neues System in Norden Trotz zentraler Anmeldung – das letzte Wort haben die Kitas
Ab sofort müssen Norder Eltern ihre Wünsche für Kita-Plätze über das zentrale Anmeldesystem der Stadt melden. Das soll die Mehrfachmeldungen verhindern. Das letzte Wort haben dennoch die Kitas.
Norden - Schon kurz nach der Geburt sind Norder Eltern bisher losgerannt und haben ihr Kind bei der Wunschkita auf eine Warteliste setzen lassen, um Jahre später dort auch einen Platz zu bekommen. Zur Sicherheit, dass die Familie auch sicher einen Kitaplatz bekommt, landete das Kind gleich auf mehreren Listen und unterschiedlichen Einrichtungen. Dadurch entstand ein für die Verwaltung undurchsichtiger Wust von Listen, Mehrfachmeldungen und Unsicherheiten, wie viele Kitaplätze tatsächlich benötigt werden. Seit Oktober gibt es ein zentrales Anmeldesystem der Stadt. Das soll die Suche nach einem Betreuungsplatz vereinfachen – für alle Seiten.
Über das neue Elternportal „Little Bird“ können Eltern ab sofort viel einfacher und transparenter einen Betreuungsplatz für ihre Kinder finden, sagte Bürgermeister Florian Eiben zur Einführung. Durch das neue System fallen handgeschriebene Listen in den einzelnen Kitas weg. Die Anmeldung wird digitalisiert, was den ganzen Prozess „erheblich erleichtert und fairer gestaltet“, so Eiben. Ein automatischer Sperrmechanismus stelle zudem sicher, dass alle Eltern die gleiche Chance auf einen Platz haben. Auch freie Träger sind in das System eingebunden, sodass eine umfassende Auswahl an Betreuungsplätzen zur Verfügung stehe.
Nicht alle Eltern geben mehrere Wünsche an
Über die Webseite von Little Bird können Eltern in Norden von zu Hause aus nach passenden Kitaplätzen suchen. Dabei stehen verschiedene Filteroptionen zur Verfügung, mit denen nach Betreuungsart, Öffnungszeiten oder auch nach dem pädagogischen Konzept der Einrichtungen gefiltert werden kann. Die Suchergebnisse werden sowohl als Liste als auch auf einer Karte dargestellt, sodass die Nähe der Kitas zum Wohnort sofort erkennbar ist. Jede Kita hat zudem eine Profilseite, die umfassende Informationen über die Einrichtung liefert. Mit dem Portal können Eltern bis zu drei Anfragen gleichzeitig für ihre favorisierten Einrichtungen stellen und diese verwalten. Der Anmeldeprozess ist bis zu 18 Monate vor dem gewünschten Betreuungsbeginn möglich.
Schon in den ersten vier Wochen sind auf dem Portal 119 Anmeldungen eingegangen. Dabei können die Eltern jeweils drei Wunsch-Kitas angeben. Laut Verwaltung waren es 62 Anmeldungen für die Krippe, 57 Anmeldungen für den Kindergarten, davon 32 Krippenanmeldungen für einen Ganztagsplatz und 29 Kindergartenanmeldungen für einen Ganztagsplatz. Nicht alle Eltern haben dabei die Möglichkeit genutzt, drei Kitas für ihre Kinder anzugeben. 75 Mal gaben Eltern nur einen Erstwunsch ab. 31 Mal gaben Eltern eine alternative Kita als Zweitwunsch an. Nur 13 Mal gaben Eltern auch einen Drittwunsch an. Ob Eltern unter den Norder Kitas einen Favoriten für den Erst- oder Zweitwunsch haben, konnte die Verwaltung noch nicht verlässlich beantworten, da noch nicht alle Eltern, die bereits auf den Wartelisten der Kitas standen, sich schon im Portal angemeldet haben, heißt es.
850 Betreuungsplätze stehen zur Verfügung
In der Regel suchen die Eltern, die sich jetzt angemeldet haben, einen Kitaplatz ab August 2025, teilweise durch Zuzug aber auch sofort oder aber deutlich später, weil das Kind gerade erst geboren wurde, teilte die Verwaltung mit. Sie fordert Eltern, die sich noch nicht bei Little Bird registriert haben, auf, dies zu tun und dort ein Profil und die Betreuungswünsche anzulegen, sodass die Abwicklung per E-Mail, Post oder Telefon über Zu- oder Absagen sowie die Kontaktaufnahme mit den Eltern vereinfacht wird. Das gelte auch für diejenigen Eltern, die sich bereits früher bei einer Kita direkt auf eine Warteliste haben setzen lassen. Bei dringenden Platzanfragen (innerhalb der nächsten drei Monate) empfiehlt die Stadtverwaltung, sich an die jeweiligen Einrichtungen/Tagespflegestelle beziehungsweise an die Stadtverwaltung direkt persönlich zu wenden, um eine schnelle Vermittlung zu gewährleisten.
In Norden stehen ab August 2025 insgesamt 850 Krippen- und Kindergartenplätze zur Verfügung. Davon sind 104 Krippenplätze mit einer Betreuung bis zu sechs Stunden, 496 Kindergartenplätze mit einer Betreuung bis zu sechs Stunden, 73 Krippenplätze im Ganztag und 177 Kindergartenplätze im Ganztag. Zudem gibt es laut Verwaltung noch einige altersübergreifende Kindergartengruppen, in denen eine bestimmte Anzahl von Kindern im Alter von unter drei Jahren aufgenommen werden dürfen. Außerdem gibt es 20 Hortplätze im Stadtgebiet. Eine weitere Krippengruppe wird derzeit mit dem Neubau der Kita „Donaustraße“ geschaffen.
Vergeben werden die Kitaplätze für das kommende Kitajahr im Frühjahr 2025. Einige Eltern werden aber noch bis Ende Mai warten müssen, um zu erfahren, ob sie einen Kitaplatz in der Wunschkita bekommen können oder auf den Zweit- oder Drittwunsch ausweichen müssen. Grund hierfür ist die Flexikind-Regelung. Bis zum Mai eines Jahres müssen Eltern der sogenannten Flexi-Kinder entscheiden, ob sie ihr Kind noch im laufenden oder erst im nächsten Jahr in die Schule schicken. Erst dann steht endgültig fest, ob noch Kitaplätze frei werden.
Kita hat das letzte Wort
Die Entscheidung darüber, welches Kind in welcher Kita aufgenommen wird, übernimmt aber nicht das neue Anmeldesystem. Wie die Sprecherin der Stadt Norden Ahlam Gandura-Kourich betonte, werden die Anmeldungen erstens von einem Verwaltungsmitarbeiter geprüft, außerdem entscheiden die Kitas in Zusammenarbeit mit der Verwaltung über die Vergabe der Plätze. Für viele Eltern ist es zum Beispiel wichtig, dass Geschwisterkinder in die gleiche Einrichtung kommen. Das sei auch künftig möglich, so Gandura-Kourich. Auch die Vergabe im Norder Kinderhaus – eine von einem Elternverein geführte Einrichtung – das Vorstands- und Mitarbeiterkindern, sowie Geschwisterkindern Plätze vergibt, bevor die letzten freiwerdenden Plätze unter allen anderen Kindern verlost werden, könne trotz zentraler Anmeldung fortgeführt werden.
Das neue Portal entlastet nicht nur die Eltern, sondern auch die städtische Verwaltung und die Kitas, betonte die Verwaltung. Alle relevanten Informationen werden dort zentral und in Echtzeit erfasst. Das bedeute weniger Verwaltungsaufwand und eine direkte Verfügbarkeit von aktuellen Daten. Auch Änderungen, wie zum Beispiel bei der Belegung, seien sofort im System sichtbar, was den organisatorischen Ablauf erheblich vereinfacht. Ein Plausibilitätscheck sorgt zudem dafür, dass fehlerhafte Anmeldungen vermieden werden, was den gesamten Prozess weiter optimiert.