Kaufverhandlungen gescheitert Standortfrage für Feuerwehr-Neubau in Aurich wieder offen
Im August wurde beschlossen, an der Egelser Straße einen Neubau für die Feuerwehr Aurich zu errichten. Doch die Eigentümer wollten zu viel Geld. Es gibt nur eine Alternative.
Aurich - Wieder offen ist, an welcher Stelle für die Ortsfeuerwehr Aurich ein neues Feuerwehrhaus gebaut werden wird. Denn die Kaufverhandlungen über das Grundstück an der Egelser Straße sind gescheitert. Das geht aus einer Beschlussvorlage der Verwaltung hervor. Erst Ende August hatte der Rat auf Wunsch der Feuerwehr beschlossen, das neue Gebäude an der Egelser Straße zu errichten. Denn der von der Verwaltung vorgesehene Standort „In der Diere“, direkt an der Leerer Landstraße, war von der Feuerwehr abgelehnt worden.
Direkt danach habe man die Kaufverhandlungen geführt, sagt Bürgermeister Horst Feddermann auf Anfrage unserer Redaktion. Dabei sei deutlich geworden, dass die Verkäufer sich nicht mehr an den vorab vereinbarten Kaufpreis halten wollten. Sie wollten einen höheren Preis erzielen, der allerdings in Aurich allenfalls für erschlossene Baugrundstücke erzielt werden könne, die für eine Wohnbebauung vorgesehen seien. Das ist bei einem Feuerwehrneubau nicht der Fall.
1,5 Millionen Euro für einen Hektar
Daher sei der Preis für das Grundstück an der Egelser Straße vom Gutachterausschuss des Katasteramtes ermittelt worden. Laut Beschlussvorlage hatte die Stadtverwaltung für das Grundstück an der Egelser Straße 55 Euro pro Quadratmeter geboten. Der Gutachterausschuss habe das Gebiet als Bauerwartungsland eingestuft und einen Wert von 48 Euro pro Quadratmeter ermittelt. Das sei den Eigentümern mitgeteilt worden, woraufhin diese die Kaufverhandlungen abgebrochen hätten, so Feddermann. Deswegen soll nun doch der Standort „In der Diere“ für die Feuerwehr genommen werden.
Billig wird es auch dort nicht. Veranschlagt werden 150 Euro pro Quadratmeter. Insgesamt sollen 10.000 Quadratmeter erworben werden, das sind 1,5 Millionen Euro plus Nebenkosten. Dafür aber, so Horst Feddermann, sei das Grundstück bereits voll erschlossen. Und es gebe einen weiteren Vorteil: Von der Leerer Landstraße aus könne der Brandschutz für Schirum besser übernommen werden.
Neubau am alten Standort nicht möglich
Laut Feddermann gebe es Strömungen innerhalb der Ortswehr Aurich, die wegen der neuen Situation nun lieber am alten Standort an der Fockenbollwerkstraße bauen würden. Das würde vielleicht gerade so gehen, meint der Bürgermeister. Aber spätestens in fünf Jahren sei das Grundstück zu klein, wenn vielleicht neue Fahrzeuge beschafft würden. Auch die Lagerflächen, die das neue Gebäude erhalten solle, müssten dann in den ersten oder zweiten Stock wandern. „Das Grundstück hat nur knapp 4000 Quadratmeter Fläche.“ Die Feuerwehr selbst habe immer zwischen 7000 und 10.000 Quadratmeter haben wollen. An der Fockenbollwerkstraße gebe es bei einem Neubau keine Rangierflächen und keine Möglichkeiten zur Erweiterung mehr. Das kann nicht zukunftsfähig sein.“
Das sieht auch Stadtbrandmeister Heinz Hollwedel so. Am alten Standort gebe es nicht genug Platz für ein modernes Feuerwehrgebäude. Er sei maßlos enttäuscht von den Verkäufern. „Damit hätten wir nicht gerechnet.“ Denn die Eigentümer hätten immer gesagt, dass sie nur an die Feuerwehr verkaufen wollten. Warum dann diese Preisvorstellungen gekommen seien, könne er nicht verstehen.
Wunsch nach Grundstück in der Innenstadt bleibt
Hollwedel bleibt dabei, dass das Grundstück an der Egelser Straße die beste Wahl gewesen wäre für die Ortswehr Aurich. Nur dort hin würden die Einsatzkräfte im Notfall schnell hinkommen können, um dann die Fahrzeuge zu besetzen. Er gibt ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit. Im Oktober waren zwei Fahrzeuge auf einem Parkplatz am Georgswall in Brand geraten. Wäre die Feuerwehr nur zwei Minuten später gekommen, so Hollwedel, wäre auch das benachbarte Kulturamt der Stadt in Flammen aufgegangen. Zwei Minuten, die man beim Standort „In der Diere“ wegen der längeren Anfahrtswege für die Einsatzkräfte benötigt hätte. „Dort bemannen wir die Fahrzeuge nicht mehr in drei bis fünf Minuten wie bisher.“
Er würde sich wünschen, ein besseres Grundstück als das „In der Diere“ zu finden. Ein Blick auf die Karte der Auricher Innenstadt zeigt aber, dass das eher unwahrscheinlich ist. Nur das Kasernengelände am Hoheberger Weg wäre noch groß genug für die Feuerwehr. Aber dort, so Hollwedel, hätte man dieselben Anfahrtsprobleme wie „In der Diere“.
Erschüttert von der Nachricht ist der Auricher Ortsbrandmeister Bernd Saathoff. „Wir sind am Boden zerstört, die Kameraden sind in Schockstarre“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Er könne nicht verstehen, dass die Verkäufer des Grundstücks an der Egelser Straße sich nicht an die Absprache halten wollten. „Das macht man in Ostfriesland eigentlich nicht.“ Ohne diese Zusage für den Kaufpreis hätte man im Sommer nicht den Aufwand betrieben und sei mit Fahrzeugen und Kameraden zu den Sitzungen der Politik gekommen. „Die Luft ist raus, die Motivation ist ganz unten.“
Politik soll nun schnell entscheiden
Einen Neubau am alten Standort hält auch Bernd Saathoff für nicht möglich. Dort sei es viel zu eng, es gebe keine Entwicklungsmöglichkeiten. Zwar würde es jetzt vielleicht grade so passen. Aber der Standort sei nicht zukunftsfähig. „Der Brandschutz wird nun erst einmal für alle schlechter“, ist er überzeugt. Denn es werde einige Jahre dauern, bis es wieder Feuerwehrleute in der Nähe des Feuerwehrhauses gebe. Gerne würde er neue Mitglieder aus Kirchdorf oder Schirum aufnehmen. „Aber die müssten zunächst ausgebildet werden. Das dauert ein paar Jahre.“
Die Politik soll nun schnell entscheiden, ob an der Leerer Landstraße das Feuerwehrhaus gebaut werden soll. Auch, wenn der Standort nicht beliebt sei, so Feddermann, brauche die Feuerwehr endlich Sicherheit. Er wünscht sich eine endgültige Entscheidung noch in diesem Jahr. Eine Ansicht, die Bernd Saathoff teilt. Denn andere mögliche Standorte sieht auch er nicht im Auricher Stadtgebiet.
Beraten werden muss die Vorlage in den Ortsräten Kernstadt und Extum/Haxtum/Kirchdorf/Rahe, im Feuerwehrausschuss, im Verwaltungsausschuss sowie abschließend im Rat. Der tagt in diesem Jahr nur noch einmal, am 12. Dezember, ab 16.30 Uhr im Ratssaal des Rathauses.