Osnabrück  Gewalt gegen Frauen: Warum Frauen-Taxis für mich Tabu sind

Louisa Riepe
|
Von Louisa Riepe
| 02.12.2024 10:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Angebot von Frauen-Taxis gab es zwischen 1990 und 2009 schonmal. Offenbar hat sich der Bedarf seitdem nicht verändert. Foto: IMAGO/Westend61
Das Angebot von Frauen-Taxis gab es zwischen 1990 und 2009 schonmal. Offenbar hat sich der Bedarf seitdem nicht verändert. Foto: IMAGO/Westend61
Artikel teilen:

Täglich werden Frauen in Deutschland aufgrund ihres Geschlechts Opfer von tödlicher Gewalt. Frauen-Taxis sollen für mehr Sicherheit sorgen, aber sorgen sie auch für mehr Emanzipation? Nein, findet Louisa Riepe. Was wir stattdessen brauchen.

Es sind erschütternde Zahlen, die das Bundeskriminalamt vor wenigen Tagen veröffentlicht hat: Fast jeden Tag wird in Deutschland eine Frau getötet, weil sie eine Frau ist. Die Zahl der politisch motivierten frauenfeindlichen Straftaten stieg im Jahr 2023 um rund 56 Prozent. Digitale Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist gegenüber dem Vorjahr um ein Viertel gestiegen. Das geht aus dem ersten Lagebericht zu geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichteten Straftaten hervor.

Besonders erschütternd finde ich, mit welchen Maßnahmen wir diesem offensichtlichen Missstand in unserer Gesellschaft begegnen. So machen die Vereinten Nationen seit 1991 unter dem Titel „Orange the World“ auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam – jedes Jahr vom internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte. Und doch ändert sich an den Gegebenheiten wenig.

Ein weiteres Beispiel: In meiner Heimatstadt gibt es seit einigen Monaten (wieder) ein Frauen-Nacht-Taxi, das Frauen, Mädchen ab 14 Jahren und Personen, die den Geschlechtseintrag divers haben, für einen festen Preis von sieben Euro sicher nach Hause bringen soll. Die Differenz zu den normalen Fahrkosten bezahlt die Stadt. Das Angebot gab es interessanterweise zwischen 1990 und 2009 schonmal. Offenbar hat sich der Bedarf seitdem nicht verändert.

„Solange Frauen, queere Menschen und Mädchen nach wie vor deutlich häufiger von gerade auch sexualisierter Gewalt betroffen sind, müssen wir Angebote zur Verfügung stellen, um diese Personen davor zu schützen“, wurde die Osnabrücker Gleichstellungsbeauftragte Patricia Heller zum Start des Angebots in einer Pressemitteilung zitiert. Sicher: Viele Eltern sind froh, wenn sie ihre 15-jährige Tochter sicher in einem Taxi wissen, statt im öffentlichen Bus. Trotzdem finde ich das Angebot aus mehreren Gründen problematisch:

Die selben Argumente treffen übrigens auch auf den jüngsten Vorschlag der Berliner Grünen-Politikerin Antje Kapek zu, spezielle Frauenabteile in den U-Bahnen der Hauptstadt einzuführen. Und sie lassen sich aus meiner Sicht auch anwenden auf viele andere Angebote speziell für Frauen – von der Damen-Sauna über das Frauen-Klo bis zum Kurs für Heimwerkerinnen.

Ich kann gut verstehen, dass viele Männer und auch einige Frauen keine Lust auf diesen vermeintlichen Feminismus haben, der vor allem das Auseinanderhalten der Geschlechter zur Strategie macht. Zumal sie am Kern der Emanzipation vorbeigeht: der Befreiung aus Abhängigkeit und Unmündigkeit sowie der Verwirklichung der Selbstbestimmung. All das erreicht man nicht, indem man sich versteckt.

Ich möchte keinen besonderen Schutz und kein besonderes Angebot für Frauen. Deshalb verzichte ich bewusst darauf. Ich möchte, dass alle Menschen feiern oder saunieren, die Toilette benutzen und anschließend mit dem Taxi oder dem Bus nach Hause fahren können, ohne Gewalt oder Diskriminierung befürchten zu müssen. Denn unsere Gesellschaft braucht aus meiner Sicht viel grundsätzlichere Veränderungen.

Ähnliche Artikel