Nachruf  Trauer um einen Unbequemen – Hans-Gerd Meyerholz ist tot

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 01.12.2024 15:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hans-Gerd Meyerholz prägte die Auricher Kommunalpolitik. Foto: Archiv/Banik
Hans-Gerd Meyerholz prägte die Auricher Kommunalpolitik. Foto: Archiv/Banik
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Mit 150-prozentiger Genauigkeit ging er manchem politischen Mitstreiter auf die Nerven. Dennoch legte der Auricher Ratsherr Hans-Gerd Meyerholz Wert auf das Miteinander. Nun ist er gestorben.

Aurich - Er war auf jede Sitzung top vorbereitet, kannte auch die dritte Stelle hinterm Komma und scheute sich nicht, anderen mit seinen bohrenden Fragen auf die Nerven zu gehen: Der langjährige Auricher Ratsherr, Kreistagspolitiker und Ortsbürgermeister von Sandhorst, Hans-Gerd Meyerholz, ist am Freitag, 29. November 2024, plötzlich und unerwartet im Alter von 84 Jahren gestorben. Bis zuletzt hatte er sich im Auricher Kreistag engagiert, war geistig und körperlich fit. Meyerholz hinterlässt seine Ehefrau, einen Sohn, eine Tochter und fünf Enkelinnen – seine „Enkelwichter“, wie der stolze Großvater die fünf jungen Frauen liebevoll auf Plattdeutsch bezeichnete.

Von Hause aus war Meyerholz Christdemokrat. Er fühle sich politisch noch immer der CDU verbunden, sagte der Sandhorster 2021 im Gespräch mit dieser Zeitung. 2011 hatte er sich mit seiner Partei überworfen, weil diese bei der Auricher Landratswahl den SPD-Kandidaten Harm-Uwe Weber unterstützte. Damit war Meyerholz nicht einverstanden. Er gründete die Wählergemeinschaft Gemeinsam für Aurich (GFA).

„Die drei von der Zankstelle“

Mit seinem Sohn, dem Kinderarzt Dr. Hans-Hermann Meyerholz, und der ehemaligen Auricher Bürgermeisterin Sigrid Griesel bildete er nach der Kommunalwahl 2011 eine Fraktion im Auricher Rat. Wegen ihrer harschen Kritik an der Auricher Haushaltspolitik unter Bürgermeister Heinz-Werner Windhorst (parteilos) wurden die GFA-Leute spöttisch „die drei von der Zankstelle“ genannt – wenngleich ihnen schon damals hinter vorgehaltener Hand viele recht gaben.

Vergeblich hatte die GFA vor den Folgekosten teurer Prestigeprojekte wie dem Energie-Erlebniszentrum (EEZ), dem Familienzentrum und den Stadtwerken gewarnt. Das alles – und noch viel mehr – konnte sich Aurich leisten, weil die Gewerbesteuereinnahmen dank Enercon sprudelten. Von Sparen wollte damals niemand etwas wissen.

Hart in der Sache, respektvoll im Umgang

Auch auf Kreisebene war Meyerholz stets unbequem. Er war ein scharfer Kritiker des Plans, die Ubbo-Emmius-Klinik (UEK) zu schließen und stattdessen mit der Stadt Emden eine Zentralklinik zu errichten. Den Schuldenberg der UEK nahm er nicht als Schicksal hin, sondern fragte immer wieder nach und legte den Finger in die Wunde.

Hart in der Sache, aber respektvoll im Umgang: Auch das gehörte zu Meyerholz′ Leitlinien. Selbst „noch so harte Auseinandersetzungen“ müssten „frei von persönlichen Angriffen“ bleiben, mahnte er, als er nach der Kommunalwahl 2016 als Alterspräsident die erste Sitzung des neuen Kreistags leitete. Im Rat vermisste er Geselligkeit. Früher sei es üblich gewesen, nach den Sitzungen gemeinsam ein Bier trinken zu gehen, bedauerte er kurz vor seinem Rückzug aus dem Gremium.

Beruflich in den neuen Ländern unterwegs

Seine Akribie hängt auch mit seinem beruflichen Hintergrund als Beamter zusammen: Meyerholz war Regierungsinspektor. Er arbeitete unter anderem beim Domänenamt in Norden und kurz nach der Wiedervereinigung im Landwirtschaftsministerium in Magdeburg. In dieser Zeit unterbrach er seine politische Tätigkeit in Aurich. Insgesamt gehörte er dem Rat gut 34 Jahre an, von 1972 bis 1991 und von 2006 bis 2022. Er kam als jüngstes Mitglied und ging als ältestes. Im Januar 2022 legte er sein Ratsmandat nieder, weil er mehr Zeit für andere Dinge haben wollte: für Bücher, Briefmarken, Gartenarbeit, Skat, Sport und Reisen.

Ein Bild von 2021: Damals posierte Hans-Gerd Meyerholz als ältestes Ratsmitglied mit dem jüngsten Ratsmitglied Udo Haßbargen (SPD) vor dem Auricher Rathaus. Foto: Archiv/Ortgies
Ein Bild von 2021: Damals posierte Hans-Gerd Meyerholz als ältestes Ratsmitglied mit dem jüngsten Ratsmitglied Udo Haßbargen (SPD) vor dem Auricher Rathaus. Foto: Archiv/Ortgies

Bis ins hohe Alter war Meyerholz sportlich aktiv. Trotz Arthritis in den Händen spielte er mit über 80 noch Tischtennis. Mehr als 70 Jahre lang war er Mitglied im MTV Aurich. Er trug auch im Alltag gern Turnschuhe.

Trauer bei politischen Weggefährten

Sein ehemaliger Parteifreund Arnold Gossel, CDU-Fraktionschef im Rat, bedauert noch heute Meyerholz′ Austritt aus der Partei: „Mir hat das damals unheimlich leidgetan. Ich habe sein Wissen immer bewundert.“ Meyerholz habe sich in jedes Thema eingelesen und eingearbeitet, habe jeden Haushaltsansatz auswendig gekannt. „Das war absolut sein Ding.“

Eine Mitstreiterin bis zuletzt war die Auricher Ratsfrau Hilde Ubben, die mit Meyerholz im Kreistag der Fraktion der Freien Wählergemeinschaft angehörte. „Er war mehr als nur ein politischer Weggefährte“, sagt sie über den Verstorbenen. „Er war mir ein Vorbild und Freund. Seine Ehrlichkeit, seine Gradlinigkeit und sein Fachwissen haben mich immer beeindruckt.“

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