Den Haag  Kontroversen um Suizidkapsel "Sarco" in den Niederlanden: Justiz verweigert Zulassung

Helmut Hetzel
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Von Helmut Hetzel
| 03.12.2024 09:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
„Sarco“, die von Phil Nitschke entwickelte 3-D-gedruckte Maschine zur Selbsttötung ist im Museum für Sepulkralkultur in Kassel ausgestellt. Foto: dpa/Uwe Zucchi
„Sarco“, die von Phil Nitschke entwickelte 3-D-gedruckte Maschine zur Selbsttötung ist im Museum für Sepulkralkultur in Kassel ausgestellt. Foto: dpa/Uwe Zucchi
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In den Niederlanden sorgt die Suizidkapsel "Sarco" für Diskussionen. Die Sterbehilfeorganisation CLW plant, sie trotz rechtlicher Hürden einzusetzen.

Die niederländische Sterbehilfeorganisation CLW „Laatste Wil“ (Letzter Wille) setzt sich dafür ein, dass die Suizidkapsel „Sarco“ in den Niederlanden zugelassen wird. Menschen, die Sterben wollen, sollen sich in der Suizidkapsel „Sarco“ das Leben nehmen können; so wie in der Schweiz im September bereits geschehen.

Das Procedere der Selbsttötung in der Sarco-Kapsel sei simpel, heißt es seitens der CLW. „Menschen, die sterben möchten, legen sich in die Kapsel, drücken einen Knopf, es strömt Stickstoff in die Kapsel. Der Benutzer erhält keinen Sauerstoff mehr und stirbt.“ Bei der Vorstellung des Plans, „Sarco“ in den Niederlanden anzuwenden, erklärte die CLW, man wolle die Staatsanwaltschaft fragen, ob die Bereitstellung der „Sarco“ als Beihilfe zum Suizid strafbar sei oder nicht.

Eine CLW-Sprecherin erklärte, dass die CLW selbst noch keinen Kontakt zur Justiz aufgenommen habe, dies aber tun werde. Doch die niederländische Justiz war schneller. Sie hat bereits reagiert: „Es ist strafbar, Menschen eine ‚Suizidkapsel‘ zur Verfügung zu stellen, damit sie in diesem Gerät ihr Leben beenden können. Dies fällt unter Beihilfe zum Suizid, wenn der Suizid erfolgreich ist“, teilte die Staatssekretärin für Soziales, Pflege und Fürsorge, Vicky Maeijer in Den Haag mit.

Die amtierende rechts-konservative Haager Regierung unter dem parteilosen Ministerpräsidenten Dick Schoof hatte ohnehin nicht vor, die geltende Sterbehilfe-Gesetzgebung in den Niederlanden zu verändern und die umstrittene Suizidkapsel zuzulassen. Im Koalitionsvertrag steht, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Lebensbeendigung, das sogenannte Euthanasie-Gesetz unverändert bleiben. Es sei denn, es gäbe unvorhergesehene neue Entwicklungen.

Die erste Selbsttötung in der so genannten Suizidkapsel „Sarco,“ fand im September im Kanton Schaffhausen in der Schweiz statt. Sie machte weltweit Schlagzeilen.

Der in den Niederlanden lebende australische Arzt Philip Nitschke (77) hat die Suizidkapsel „Sarco“ entworfen. Eine 64-jährige todkranke Amerikanerin hat die Selbsttötungskapsel als erster Mensch benutzt und sich selbst das Leben genommen. Die Amerikanerin, die extra in die Schweiz gereist war, um zu sterben, drückte selbst den Knopf, der die Kapsel mit Stickstoff füllte und sie tötete.

Der Sarco-Erfinder Nitschke befand sich in Deutschland und verfolgte von dort aus den Sterbeprozess in der Sarco-Kapsel über Herzfrequenz- und Sauerstoffmessgeräte sowie eine Kamera. Der Einsatz der Sarco-Selbsttötungskapsel ist auch in der Schweiz heftig umstritten.

„Der Einsatz von ‚Sarco‘ wird als „Beihilfe zum Suizid in Artikel 115 des Strafgesetzbuches (StGB) bewertet,“ berichtete die Neue Zürcher Zeitung über die Selbsttötung in Schaffhausen. „Es droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Ausgesprochen werden kann sie allerdings nur, wenn die beschuldigte Person aus ‚selbstsüchtigen‘ Beweggründen gehandelt hat. Zentral ist dabei die Bereicherungsabsicht – wenn die Beihilfe also beispielsweise mit Blick auf das Erbe oder gegen Geld geleistet wird,“ so die NZZ weiter.

Nach dem Tod der Amerikanerin in der Sarco-Kapsel in der Schweiz verhaftete die Schweizer Polizei mehrere Personen, die am Suizid der Frau beteiligt waren und ihn ermöglichten. Sie wurden inzwischen wieder freigelassen. Unter den inhaftierten Personen befanden sich nach Medienberichten in der Schweiz und den Niederlanden Florian Willet und ein Fotograf der niederländischen Zeitung „de Volkskrant,“ der die Selbsttötung der Amerikanerin mit seiner Kamera dokumentierten wollte.

Der 47-jährige Deutsche Willet gründete mit Fiona Stewart, der Partnerin des Sarco-Erfinders Philip Nitschke, den Verein „The Last Resort“ - übersetzt: „der letzte Ausweg“ –, der die Selbsttötung im „Sarco“ in Schaffhausen organisiert hatte. Der niederländische Fotograf war 48 Stunden in der Schweiz in Polizeigewahrsam, bevor er freigelassen wurde.

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