Hamburg Es ist still um die Klimaaktivisten: Was ist aus der Letzten Generation geworden?
Von der Letzten Generation ist nicht mehr viel zu hören. Nach dem Ende des Klebens und den Großaktionen, wie den sommerlichen Flughafenblockaden, ist es nun ruhiger. So aktiv sind die Klimaaktivisten der Letzten Generation aktuell noch.
Es ist still geworden um die Klimaaktivisten der Letzten Generation. Zumindest was die mediale Aufmerksamkeit angeht. Blockierten die Mitglieder zur Sommerurlaubszeit noch die Flughäfen, gibt es jetzt eher kleinere Aktionen. Und die sorgen für weniger Aufmerksamkeit in der breiten Öffentlichkeit. Wie steht es also am Jahresende um die Organisation, die sich „friedlichem zivilem Widerstand“ verschreiben hat?
Aktuell müssen sich viele Mitglieder der Letzten Generation für verschiedene Protestaktionen vor Gericht verantworten. Den Aktivisten, die im Juni 2023 einen Privatjet auf Sylt besprüht haben sollen, drohen bis zu acht Monate Haftstrafe. Die Aktion hat einen der höchsten Sachschäden verursacht, der jemals bei einer Farbaktion der Organisation entstanden ist. Laut Anklage beläuft sich der Schaden auf eine Million Euro.
Das übertrifft sogar die Farbaktion am Brandenburger Tor im September 2023. Dort betrug der Schaden circa 110.000 Euro. Die Beteiligten wurden zu Bewährungsstrafen von bis zu acht Monaten verurteilt.
Allein in der Hauptstadt wurden nach Angaben der Polizei Berlin, seit dem Beginn der Proteste 2022 bis Oktober 2024, insgesamt 6529 Strafanzeigen gegen Mitglieder der Letzten Generation gestellt. Den Teilnehmern der deutschlandweiten Sitzblockaden drohen Geld- und Haftstrafen. Ein 65-jähriges Mitglied wurde zu knapp zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt.
Die Justiz befasst sich derzeit aber nicht nur mit einzelnen Teilnehmern, sondern nimmt auch die ganze Organisation in den Blick: Teilgruppen in Brandenburg und München wurden bereits richterlich als „kriminellen Vereinigung“ eingestuft. 2023 gab es mehrere bundesweite Razzias.
Die Aktivisten werden nun sichtlich vorsichtiger. Bei einer Protestaktion auf dem Kassler Flughafen achteten die Mitglieder nach eigenen Angaben darauf, Start- und Landebahn während des Protests nicht zu betreten – und wählen einen deutlich kleineren Flughafen als noch im Sommer. Haben sie aus früheren, heftig kritisierten Aktionen gelernt?
Im Januar bereits entschied sich die Organisation für das Ende der Straßenblockaden. Lars Werner, Mitglied im Strategieteam der Letzten Generation, sagte im Spiegel-Interview, dass es nicht genügend neue Mitglieder gäbe, um diese intensiven Aktionen weiterzuführen.
Das neue Ziel der deutschen Gruppe: Aufmerksamkeit durch die „ungehorsame Versammlung an Orten der fossilen Zerstörung“ und direkte Konfrontation von Politikern, so heißt es in der Jahresstrategie der Letzten Generation.
Mittlerweile setzen die Aktivisten auf kleinere Aktionen: So besprühten sie die Deutschlandzentrale des Energieunternehmens TotalEnergies, veröffentlichten ein Buch über die „strategischen Grundlagen“ ihres Protestes, führten Gespräche mit Politikern und organisierten Protestzüge. Für Dezember kündigten die Klimaaktivisten Demonstrationen gegen den „World LNG Summit“ in Berlin an.
Auch in der Politik versucht die Gruppe nun mitzumischen: Bei der Wahl des Europäischen Parlaments sind die Klimaaktivisten allerdings gescheitert. Erklärtes Ziel sei es gewesen, einen Sitz ergattern, um das „Parlament aufzumischen“. Statt der benötigten 0,5 Prozent für einen Sitz, erhielten sie nach offizieller Auszählung nur 0,3 Prozent der Stimmen und zogen nicht ins Parlament ein.
Die Stille könnte aber auch eine Konsequenz auf der zunehmenden Kritik aus der Bevölkerung sein – denn die Proteste hatten auch Auswirkungen auf den Alltag der Bürger. Diese reagierten teilweise genervt oder gar erbost. Besonders bei Klebe- und Sitzprotesten wurden die Aktivisten häufig von wütenden Autofahrern oder Passanten attackiert.
Auch in der Politik mehrte sich 2023 die Kritik. Der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck betonte, dass die Aktionen der Letzten Generation dem Klimaschutz eher abträglich seien. Kanzler Olaf Scholz (SPD) bezeichnete die Klebeaktionen sogar als „völlig bekloppt“. Es gibt jedoch keine Erklärung, aus der hervorgeht, dass sich der öffentliche Druck in irgendeiner Weise auf die Aktivitäten der Letzten Generation ausgewirkt hätte.