Osnabrück Keiner mag Wichteltüren? Warum ich den Weihnachtswichtel dieses Jahr reinlasse
Am Trend zur Wichteltür kommen Eltern derzeit nicht vorbei. Egal ob in Kitas, bei Bekannten oder Vorzeige-Erziehungsberechtigten auf Instagram: Überall ziehen Weihnachtswichtel ein. Viele Eltern sehen das kritisch. Ich sehe das anders und mache dieses Jahr mit.
Alle Jahre wieder stehen wir Eltern vor der Frage, wie wir die Adventszeit für unsere Kinder besonders machen. Der klassische Adventskalender, mit seinen 24 Türchen voller Schokolade, kleiner Spielsachen oder gar teuren Überraschungen, gehört für viele zum Standardprogramm.
Doch inzwischen drängt sich eine Alternative auf: der Weihnachtswichtel. Statt Krimskrams und Süßigkeiten bringt er Kreativität, kleine Streiche und zauberhafte Geschichten in die Vorweihnachtszeit. Dieses Jahr kommt er auch zu uns.
Die Wichteltür ist ein skandinavischer Brauch, der aus Dänemark zu uns rübergeschwappt sein soll. Dort zieht während der Adventszeit der „Nisse“ ein. Nisse bedeutet so viel wie Wichtel und leitet sich vom dänischen Wort für Nikolaus ab. In Finnland nennt man ihn „Tonttu“ und in Schweden „Tomte“.
Traditionell treibt der Weihnachtswichtel ab dem 1. Advent oder pünktlich zum 1. Dezember sein Unwesen. Manche Familien lassen ihn aber auch schon früher einziehen; eine Mini-Baustelle kündigt sein Kommen an. Der Wichtel ist zwar nie zu sehen, aber er hinterlässt nachts kleine Geschenke oder Aufgaben für die Familie. Freche Wichtel spielen auch Streiche oder stiften Unordnung in der Wohnung.
In meinem Umfeld begegnen mir Weihnachtswichtel überall: vor allem in Sozialen Netzwerken wie Instagram und Pinterest präsentieren Vorzeige-Eltern derzeit ihre Wichteltür-Kreationen. Auch in der Kita hören die Kids, bei wem schon alles ein Wichtel sein Lager aufgeschlagen hat. Natürlich fragen unsere Kinder, ob der Wichtel auch zu uns kommt. Das baut ganz schön Druck auf. Oder wie meine Frau neulich meinte: Hast Du nicht das Gefühl, da mitmachen zu müssen?
Nein, diesen Druck verspüre ich nicht. Der Wichtelbrauch gefällt mir, und es ärgert mich ein wenig, erst dieses Jahr einzusteigen. Ich glaube, dass der Wichtel eine Gelegenheit sein kann, als Familie kreative Erlebnisse zu schaffen, die jenseits von Konsum und Süßigkeiten liegen. Es geht nicht darum, jeden Tag eine perfekte Szene zu inszenieren, sondern um den kleinen Zauber, den kleine Kinder in dieser besonderen Jahreszeit erleben können.
Kreatives – seien es kleine Wichtel-Geschichten, -Streiche oder -Briefe – bleibt meiner Überzeugung nach länger bei Kindern hängen als das bloße Überhäufen mit Konsumgütern oder Süßigkeiten. Ich erinnere mich zum Beispiel noch gut an den selbstgemachten Adventskalender, den mir meine Eltern alljährlich gebastelt haben. An den Inhalt der Türchen habe ich keine Erinnerung.
Bewusst sein sollte man sich allerdings, dass hinter jeder süßen Wichtel-Aktion eine Menge Arbeit steckt. Ein paar Requisiten hier, ein Streich dort – und ehe man sich versieht, stapeln sich Klebepistole, Glitzer und Miniatur-Wichtelhäuser in der Abstellkammer. Mit zwei Kindern, Job, Weihnachtsvorbereitungen und Co. wird aus der besinnlichen dann vor allem eine stressige Zeit.
Das Leben mit Kindern ist aber stressig genug. Es ist okay, wenn da kein Wichtel mehr reinpasst. Ich will es dieses Jahr ausprobieren – und zwar in einer abgespeckten Variante. Ein simples Wichtel-Set ist unterwegs, ein paar Ideen notiert, ein ungefährer Plan gemacht.
Weil der Abend kommen wird, an dem man zu erschöpft ist, um den nächsten Wichtel-Streich vorzubereiten, sollte man sich ein paar Wichtel-Hintertürchen offenhalten: Der Wichtel hat eine Erkältung und muss das Bett hüten oder er hat sein Werkzeug verlegt – die Kinder müssen es suchen. An einem Tag könnte der Wichtel backen (nämlich Kekse aus dem Supermarkt) oder er hat verschlafen und ist morgens noch nicht wach. So bleibt der Spaß hoffentlich erhalten, ohne dass der Wichtelbrauch für uns Eltern zur Last wird.