Freiburg  Prostatakrebs: Schluss mit Abtasten bei Untersuchung? Ärzte setzen auf anderes Verfahren

Patrick Kern
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Von Patrick Kern
| 27.11.2024 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die rektale Abtastuntersuchung ist umstritten und wird von vielen Ärzten als überholt angesehen. Foto: IMAGO/Zoonar II/Robert Kneschke
Die rektale Abtastuntersuchung ist umstritten und wird von vielen Ärzten als überholt angesehen. Foto: IMAGO/Zoonar II/Robert Kneschke
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Für einen Prostata-Check haben Ärzte bislang auf die rektale Tastuntersuchung gesetzt. Diese gilt aber als umstritten und ist für viele Männer unangenehm. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie will nun auf ein anderes Verfahren setzen. Bei diesem gibt es jedoch einen Haken.

Ab einem Alter von 45 Jahren können Männer, die gesetzlich versichert sind, einmal pro Jahr eine Tastuntersuchung zur Vorbeugung von Prostatakrebs in Anspruch nehmen. Doch obwohl die Vorsorge wichtig ist, gehen viele Männer nicht hin: Laut einer Umfrage der HKK-Krankenkasse aus diesem Jahr haben nur 66 Prozent der Befragten ab 45 Jahren eine Früherkennungsuntersuchung in Anspruch genommen. Das könnte unter anderem auch darin begründet sein, weil die Rektaluntersuchung nicht gerade angenehm ist.

Aber auch Ärzte sehen immer mehr von der Tastuntersuchung ab. Für die Deutsche Gesellschaft für Urologie ist der Stellenwert der Abtast-Methode noch weiter gesunken. Das geht aus einer neuen Leitlinie hervor, die das Universitätsklinikum Freiburg kürzlich vorgestellt hat. Ein Schwerpunkt soll künftig auf einem speziellen Bluttest, dem PSA-Test, liegen.

„Für die Vorsorge spielt nun die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut und die Bildgebung eine wesentliche Rolle. Die Tastuntersuchung verliert zunehmend an Bedeutung“, sagt Christian Gratzke, ärztlicher Direktor der Klinik und einer der Autoren der neuen Leitlinie.

Wie Gratzke weiter erklärt, bedeutet ein erhöhter PSA-Wert zwar nicht zwangsläufig, dass ein bösartiger Tumor vorliegt. Es könnte auch auf eine Entzündung der Prostata oder eine gutartige Vergrößerung hinweisen. Doch er sei ein wichtiges Warnsignal für weitere Untersuchungen.

Und so läuft die Untersuchung ab: Bei einem PSA-Test wird dem Patienten Blut abgenommen. Der Arzt schickt die Probe dann ins Labor, das Ergebnis liegt meist einige Tage später vor. Bei einem erhöhten PSA-Wert würde man im zweiten Schritt auf eine Magnetresonanztomografie (MRT) setzen, mit der die Ärzte dann die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Tumors einschätzen können.

Der Vorteil des PSA-Tests: Wenn ein Tumor vorliegt, würde dieser früher und zuverlässiger erkannt werden als bei einer Tastuntersuchung. Laut Krebsinformationsdienst lassen sich nur Tumoren ertasten, die dem Darm benachbart und größer als ein Zentimeter sind. Demzufolge würde nur ein Drittel der Prostatakrebs-Fälle erkannt werden.

Die Nachteile des PSA-Tests: Es besteht das Risiko eines sogenannten falsch positiven Befundes. Das bedeutet: Das Testergebnis ist auffällig, obwohl der untersuchte Mann keinen Krebs hat. Der Betroffene wird dann durch einen falschen Krebsverdacht beunruhigt, was auf die Psyche schlagen kann. Zudem wird der PSA-Test nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Nach Angaben der Prostata-Hilfe Deutschland kostet ein PSA-Test meist zwischen 25 und 35 Euro.

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