Wuppertal  Harald Krassnitzer: Sein dramatischster Fallschirmsprung

Joachim Schmitz
|
Von Joachim Schmitz
| 29.11.2024 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 15 Minuten
Man spürt es in jeder Sekunde des Gesprächs: Harald Krassnitzer denkt, bevor er spricht. Foto: dpa/Martin Schutt
Man spürt es in jeder Sekunde des Gesprächs: Harald Krassnitzer denkt, bevor er spricht. Foto: dpa/Martin Schutt
Artikel teilen:

Man kennt Harald Krassnitzer seit 25 Jahren als Wiener Tatort-Kommissar - jetzt spielt er einen Schutzengel. Und berichtet von Bungee-Jumps und einem missglückten Fallschirmsprung.

In einem Café seiner Wahlheimat Wuppertal erzählt der Österreicher von Situationen, in denen er selbst einen Schutzengel brauchte, und seiner Kindheit, die er in ärmlichen Verhältnissen verbrachte und ihn bis heute prägt:

Frage: Herr Krassnitzer, wann haben Sie zum letzten Mal die Dienste eines Schutzengels in Anspruch genommen?

Antwort: Wenn man das wüsste. Wahrscheinlich ist es öfter als man denkt - auch in Situationen, in denen man nicht unmittelbar meint „Das war jetzt aber knapp“. Ich bin letztens in Wien bei strömendem Regen auf der Autobahn gefahren, als plötzlich hundert Meter vor mir ein Auto quer über die Fahrbahn schoss und ein anderes so abschoss, dass es sich auch drehte. Wie viele Millisekunden wären das gewesen und es hätte mich erwischt? Da saßen dann zwei in ihrem Auto, starrten auf ihr Lenkrad, bewegten sich nicht, hatten aber nichts. Aber in so einem Moment weißt Du, was Schock ist. Im Zweifelsfall reicht eine falsche Reaktion und Du bist weg. Da braucht man nicht mal mehr über die Schuldfrage zu diskutieren, weil sie dann obsolet ist. Das sind Situationen, in denen man später denkt: Schutzengel gehabt.

Frage: In Ihrem Wikipedia-Eintrag gibt’s einen kleinen Absatz, in dem es heißt, in Ihren „wilden Jahren” seien Sie Fallschirmspringer, Autorennfahrer und Bungee-Jumper gewesen. Das klingt nach einem intensiven Verhältnis zu Schutzengeln. Wann waren denn diese „wilden Jahre“?

Antwort: Ich würde das gar nicht als wilde Jahre bezeichnen, denn das klingt immer so nach „Boah ey“ und Ah und Oh. Für mich waren das eher neugierige Jahre. Und es sind Anekdoten, von denen ich nicht viel halte, weil sie an etwas festhalten, das weg ist. Es war am Anfang meiner Karriere, ich kam vom Theater und war plötzlich beim „Bergdoktor“. Und dann machst du Dinge, von denen du gar nicht weißt, ob du sie tun willst. Du arbeitest an einem Image, suchst nach einer Identität und versuchst, etwas darzustellen.

Frage: Deshalb haben Sie das gemacht?

Antwort: Natürlich hat mir das auch Spaß gemacht. Klar, das war auch cool, aber es hatte mehr mit Neugier zu tun, ich wollte wissen, was da passiert. Und natürlich passiert da viel, allein weil in dem Augenblick, in dem man es macht, eine unglaubliche Adrenalinausschüttung stattfindet. De facto ist es jedes Mal eine erzwungene Überlebenserfahrung. Wer springt schon freiwillig von irgendwelchen Brücken, Klippen oder aus Flugzeugen in der Hoffnung, dass das Seil hält oder der Schirm aufgeht?

Frage: Wobei ist die Überwindung größer – Bungee oder Fallschirm?

Antwort: Beim Bungee. Man sieht die Höhe und spürt den Zug vom Seil an den Füßen. Dazu kommt die Scham, dass da alle stehen und sich fragen: Springt der jetzt oder springt er nicht? Dann geht man halt raus, denkt „Mach’s so wie die anderen, das scheint zu funktionieren“, macht einen Hechtsprung, liegt plötzlich in der Luft und die Sekunden des Falls werden sehr lang. In denen spürt man, was im Körper alles passiert und ausgeschüttet wird und dich im Ernstfall schützt. Bis dann dieser Moment kommt, in dem sich das Seil strafft, dich auffängt und wieder nach oben zieht. Beim zweiten Durchfallen, diesem Rebound, kommt ein intensives Glücksgefühl, eine unglaubliche Ruhe und auch eine Sicherheit. Man überschreitet einfach eine Grenze.

Frage: Also eine extrem intensive Erfahrung?

Antwort: Vor allem ein sehr intensives Glücksgefühl – da muss man aufpassen, dass es nicht zu einer Art Adrenalindroge wird, von der man sagt „Ich brauch’ das jetzt immer und muss gucken, wie es noch extremer und härter geht, damit es noch seine Wirkung hat“. Insofern habe ich keine 100, auch keine 50, sondern vielleicht acht oder zehn Sprünge gemacht. Beim Fallschirmspringen war’s ähnlich – es hat mich fasziniert, das zu lernen.

Frage: Wie haben Sie es gelernt?

Antwort: Nach einer amerikanischen Methode – man macht zwei Stunden Trockenübungen und geht direkt ins Flugzeug. Du springst dann mit zwei anderen raus, die dich draußen stabilisieren, korrigieren und für dich den Schirm ziehen. Über Sprechfunk leiten die dich runter und du machst einfach nur das, was die dir sagen. Du musst verschiedene Zeichen geben, dass du Bewusstsein hast, verstanden hast, worum es geht, und handlungsfähig bist. Dann simulierst du, dass du nach hinten greifst, um den Fallschirm zu ziehen, aber das macht dann ein anderer. Das ist spannend, weil man an dem Tag, an dem man sich entscheidet, es zu lernen, auch schon springt.

Frage: Sind Sie regelmäßig gesprungen?

Antwort: Man sollte es regelmäßig machen, denn nach jedem Sprung muss man den Schirm sehr exakt wieder zusammenlegen, um sicher zu sein, dass er beim nächsten Sprung wieder aufgeht. Bei mir hat’s oft einen Monat gedauert, in der Zeit ist der Schirm hinten im Auto ständig hin und her gerutscht, das sind natürlich keine idealen Voraussetzungen. Und dann ist tatsächlich auch mal etwas passiert, als ich mit einem anderen Schirm gesprungen bin.

Frage: Nämlich?

Antwort: Meine Frau hatte einen Tandem-Sprung geschenkt bekommen und ich wollte da auch mit. Ich hab’ denen meinen Schein gezeigt und mir dann einen Schirm ausgeborgt – es war ein Schulschirm, weil sie gerade keinen anderen hatten. Wegen starken Flugverkehrs konnten wir nicht wie normalerweise bis 4000 oder 4500 Meter Höhe aufsteigen, sondern nur auf 2000. Das ist eng, man hat nicht viel Freifall. Zudem konnte uns der Pilot nicht exakt über dem Flugfeld absetzen. Ich bin dann ein paar hundert Meter außerhalb des Flugfelds auf einem Acker gelandet und habe zu spät gebremst. Beim Aufkommen im hohen Gras hatte ich sofort das Gefühl, dass da was gebrochen ist.

Frage: War’s das?

Antwort: Es war so, dass beide Beine „im Arsch“ waren – beim einen der Knöchel und die Sehne, beim anderen nur die Sehne. Ich bin dann unter großen Schmerzen aufgestanden und mühsamst diese paar hundert Meter zum Hangar gegangen. Zum Glück kannte ich in Salzburg einen Operateur, der die ganzen Skiläufer behandelt, zu dem bin ich dann geflogen. Am Samstag hat er mich operiert, am Sonntag hatte ich meinen Spaltgips, am Montag bin ich raus und am Dienstag habe ich den „Briefbomber“ gedreht. Es war schmerzhaft, aber es hat geklappt.

Frage: Die meisten Menschen kennen Sie als Tatort-Kommissar, Sie spielen aber auch etliche andere Rollen. Und dennoch war es für mich nur schwer vorstellbar, Sie mal als Schutzengel zu sehen („Engel mit beschränkter Haftung”, ARD, 5.12., 20.15 Uhr, vorab in der Mediathek).

Antwort: Wir fanden den Ansatz gut: Was passiert eigentlich mit Schutzengeln, wenn sie mal einen Burn-out haben? Es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass wir gerade in einer Welt leben, in der Schutzengel sehr schnell einen Burn-out bekommen können. 

Frage: Kinder gelten als besonders schutzengelbedürftig. Wie war das bei Ihnen in der Kindheit? Waren Sie ein Junge, der auf jedem Baum bis in die Spitze geklettert ist?

Antwort: Ich hab öfter mal Schiss gehabt und war nicht unbedingt der Erste, der etwas ausprobiert hat, sondern hab es mir erst mal genau angeschaut und dann mit Vorsicht und Bedacht gemacht. Selbst da ist es nicht immer gelungen. Aber ich habe immer meine Zeit gebraucht, um Vertrauen in die Dinge zu kriegen – ob’s beim Fahrradfahren war oder ums Berggehen ging. In meiner Kindheit gab’s natürlich auch die wilden Hunde – einer ist mit dem Moped tödlich verunglückt, ein anderer in den Bergen abgestürzt, ein dritter ist in einem Fluss ertrunken.

Frage: Wie würden Sie Ihre Kindheit rückblickend beschreiben: Ihr Vater war Schlosser im Zementwerk, Ihre Mutter hat in einer Süßwarenfabrik gearbeitet, wohlhabend waren sie nicht.

Antwort: Natürlich kann man daraus einen Mythos machen und von einer schweren Kindheit sprechen. Ja, die war tatsächlich nicht einfach, es war die Kindheit in einer Arbeiterfamilie, die sparen musste. Manchmal war es auch pädagogisch zweifelhaft, weil die Prügelstrafe üblicher Bestandteil der Erziehungsmaßnahmen war. Man dachte damals, es hilft, was definitiv nicht der Fall war. Aber ich könnte trotzdem nicht sagen, dass ich eine schwer traumatisierte Kindheit erlebt habe. 

Frage: Warum?

Antwort: Es gab auch viele Dinge, die wichtig und gut waren. Das Lernen von kooperativem Denken, mit Schwierigkeiten umzugehen und zu sagen, es geht weiter. 

Frage: Gibt es Momente, an die Sie sich besonders gerne erinnern?

Antwort: Ja, es gibt solche Momente, die haben mit Herbst und Winter zu tun. Gerade im Winter, wenn’s draußen sehr kalt war, mein Vater lag auf der Couch und ich quasi in seiner Achselbeuge oder auf seiner Hüfte, das hatte etwas mit Geruch, Wärme und Geborgenheit zu tun – da stellte sich eine große Entspanntheit ein. Es gab Sommertage im Kinderzimmer, an denen sich das Licht durch eine Birke vor unserem Haus brach, am Spätnachmittag flatternde Schatten ins Zimmer warf und ich merkte, dass eine angenehme Kühle den Tag beruhigt. Oder manchmal in der Früh, wenn ich beim Aufwachen ein Blätterrauschen, ein Taubenpaar gurren und eine Amsel singen hörte. Das waren Momente, in denen ich wusste, heute wird’s schön, es lockt mich nach draußen. Das sind Erinnerungen, die für mich wesentlicher sind als irgendeine Modelleisenbahn oder irgendwelche Weihnachtsfeste. Mir haben die stillen, poetischen und unscheinbaren Momente immer mehr bedeutet.

Frage: Sie sind nach der Schule nicht den direkten Weg zur Schauspielerei gegangen, sondern haben eine Ausbildung zum Speditionskaufmann gemacht und kürzlich gesagt, Sie seien vermutlich einer der schlechtesten Speditionskaufleute Mitteleuropas gewesen.

Antwort: Wenn nicht sogar der schlechteste. Die Lehre war eine Ansage meines Vaters, und der war Folge zu leisten. Ich wollte den Konflikt nicht und wusste, dass ich nach der Lehre volljährig sein werde und dann selbst entscheiden kann, was ich mache. Ich hab’ das dann gemacht und im Nachhinein gemerkt, dass es gar nicht so uninteressant ist, Dinge zu tun, die einem zutiefst zuwider sind. Sie führen einen in Welten, in die man sonst nie hineingekommen wäre und in denen man viel erfährt und lernt.

Frage: Man weiß hinterher, was man nicht will.

Antwort: Genau, das ist ein ganz entscheidender Punkt.

Frage: Haben Sie in dieser Lehre trotzdem etwas fürs Leben gelernt? Sind Sie vielleicht ein guter Buchhalter oder haben Sie einen Lkw-Führerschein?

Antwort: Das Einzige, woran ich Spaß hatte, waren die geografischen Dinge, also die Grenzübergänge, die Bahnstationen, die wichtigsten Verkehrsknotenpunkte auf Autobahnen. Buchhaltung ist mir erstaunlicherweise leicht gefallen. Und dann war ich mal in einer Abteilung, die schräg und lustig war. Da gab’s ein Autotransportgeschäft, ich durfte in der Mittagspause immer mit irgendwelchen Autos rumgurken und habe so das Autofahren gelernt. Das hat noch Spaß gemacht, aber die restliche Zeit war mühsam, weil ich nicht verstanden hab’, worum es da eigentlich geht.

Frage: Wie hat denn Ihr Vater, der Handwerker, reagiert, als Sie dann volljährig waren und ihm eröffneten, dass Sie jetzt Schauspieler werden?

Antwort: Er konnte dem nichts mehr entgegensetzen, denn ich hatte ja den Gesellenbrief, den er wollte. Und er hat mir nachdrücklich klargemacht, dass er mich nicht wird unterstützen können. Er hatte einfach nicht die finanziellen Mittel, um mein Studium zu bezahlen. Er hatte selbst mal versucht, diese Laufbahn anzustreben, kam aber nicht weit. Es war kurz nach dem Krieg und als seine Ausbildung fast zu Ende war, hat seine Mutter ihm gesagt, dass sie ihm nicht mehr das Geld für die Stadt und sein Leben schicken kann. Er musste also abbrechen, zurückkommen und hat dann in seinem ursprünglichen Beruf als Schlosser weitergemacht. Das war sicherlich eine harte Zäsur in seinem Leben.

Frage: Von Ihrem Vater haben Sie auch die Verbundenheit zur Sozialdemokratie und sind seit über 45 Jahren Mitglied der SPÖ. In Deutschland braucht man als SPD-Mitglied vor allem eins – Leidensfähigkeit.

Antwort: Bei der Sozialdemokratie ist es ja ähnlich wie bei der katholischen Kirche. Mich interessiert das Dogma nicht, sondern einzig und allein der Glaube daran, dass es eine gerechtere Welt gibt. Dass wir nicht menschliche Ressourcen verschwenden, sondern den Zugang zu Bildung, Gesundheit und Arbeitsplätzen nicht nur wenigen zugutekommen lassen, sondern versuchen, sie für alle zu öffnen. Wenn man Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens geboren sind, es nicht leicht und mit ihren Problemen zu kämpfen haben, Möglichkeiten eröffnet, war ich immer baff erstaunt, was dabei herauskam und in welch kurzer Zeit sie sich selbst aus dem Sumpf ziehen können. Plötzlich merkt man, wie viele Rohdiamanten man auf der Straße liegen lässt. Das halte ich für eine sinnlose und widerwärtige Verschwendung. Und das ist der eigentliche Kernpunkt, warum ich bei der Sozialdemokratie bin. Dass die Sozialdemokratie an denselben kaputten Symptomen erkrankt, wie wir sie bei anderen auch sehen, ist eine ganz andere Sache. Mir geht es einzig und allein um diesen Wertekodex und den halte ich sehr hoch.

Frage: Wird dieser Wertekodex hier in Wuppertal, das mittlerweile Ihr Lebensmittelpunkt ist, gelebt?

Antwort: Wuppertal ist eine arme Stadt, in der vieles ohne bürgerschaftliches Engagement nicht möglich wäre. Die Leute hier in der Peripherie denken oft viel spannender als in den Zentren, weil sie viel näher an den Problemen und Sorgen sind und dadurch viel pragmatischer Dinge umsetzen. Ich habe es noch nie in einer anderen Stadt so erlebt, wie engagiert hier die Bürgerschaft ist. Man kann sagen, 80 Prozent der Kulturinitiativen und ein sehr hoher Anteil der sozialen Initiativen, die hier stattfinden, wären ohne diese Bürgerschaft nicht möglich, die mit beträchtlichen finanziellen Mitteln zur Stelle ist. Hier wird praktiziert, was im Grundgesetz steht: Eigentum verpflichtet. Hier sind Leute sehr unprätentiös engagiert, ohne dabei auf den Eigennutz und Marketingvorteile zu achten. Es wird als stille Verpflichtung angesehen, und das finde ich toll. Das reicht von großen Industrieunternehmen bis zu kleinen Handwerksbetrieben. Das finde ich außergewöhnlich und fasziniert mich.

Frage: Nach Wuppertal sind Sie ja durch Ihre Frau gekommen, die hier geboren wurde. Was hat die gesagt, als sie Sie zum ersten Mal mit der Frisur von Oskar Manker gesehen hat? Sie sehen im Schutzengel-Film ja aus, als würden Sie morgens nach dem Aufwachen erst mal zwei Finger in eine Steckdose stecken.

Antwort: Nicht nur, sondern auch so, als hätte sich bei diesem Versuch ein Teil dieser Frisur aufgelöst. Aber sie kennt das von mir, da kann sie wohl nichts mehr schocken. Wir hatten beim Dreh einen Heidenspaß, weil unser Regisseur Dirk Kummer eine so feine, lustige und manchmal ins Anarchische gehende Handschrift, aber auch so eine bunte, an Monty Python erinnernde, lebendige Szenerie im Kopf hat, dass ich mir wünschen würde, er bekäme mehr Möglichkeiten, so etwas zu machen. Der Tag, an dem wir diesen Oskar zusammengestellt haben, war wirklich ein besonderer. Da lagen Haarteile rum, die viel zu klein, weil für einen ganz anderen Kopf gedacht waren. Bei mir reichten sie nur für Dreiviertel des Kopfes, und das war’s dann.

Frage: Allein die Frisur ist schon das Einschalten wert.

Antwort: Das finde ich auch.

Frage: „Engel mit beschränkter Haftung“ läuft unter dem Etikett „Weihnachtskomödie“, obwohl kein einziger Weihnachtsmann auftaucht. Mögen Sie solche Filme? Gucken Sie die auch, wenn Sie nicht beteiligt sind? 

Antwort: Ja. Mir tun wirklich gelungene Komödien gut, weil ich merke, welchen Entspannungswert sie haben und dass dieses Genre Film dich immer noch für einen Moment entführen und beseelen kann. Wenn’s wirklich gut ist, geht man danach noch ein paar Tage damit spazieren und sagt sich: wie schön das war. Außerdem entledigen uns solche Komödien des sonst um diese Jahreszeit üblichen Stresses. Insofern schaue ich das zwar nicht so oft, aber dann sehr bewusst und sehr gerne.

Frage: Sind Sie ein Weihnachtstyp? Haben Sie Rituale für die Feiertage?

Antwort: Es gibt zwei Feste im Jahr, die für mich immer eine gewisse Not bedeuten. Das eine ist mein Geburtstag und das andere Weihnachten. Da gibt es so viele Vorgaben für Gefühle und Situationen, dass es keinen Raum mehr für eigene Entscheidungen gibt. Man ist an diesen Tagen immer genötigt, bestimmte Dinge einzuhalten, dass man den eigentlichen Anlass völlig aus den Augen verliert. Dann schafft man am Abend vor lauter Erschöpfung gerade noch ein Glas Wein und denkt: Wie absurd, die stillste Zeit im Jahr und du bist völlig streichfähig. Und dann geht’s nach diesen drei Tagen schon aufs nächste Ziel Silvester zu. Wir haben wirklich Jahre gebraucht, bis wir Weihnachten so reduziert hatten, dass wir es mögen. Wir treffen uns mit Menschen, die wir mögen, kochen gemeinsam, sitzen da, quatschen und machen kein großes Brimborium. Wir machen keine Geschenke mehr außer an Leute, von denen wir wissen, dass sie es wirklich brauchen. Und manchmal leisten wir uns den Luxus, dass wir sagen: Komm, wir fahren jetzt ein paar Tage weg.

Ähnliche Artikel