Das Jahr nach der Bundesliga Erfolgreich gegen Mädchen und Jungs
Die Bundesliga der B-Juniorinnen ist Geschichte, die SpVg-Juniorinnen bewegen sich in unterschiedlichen Fußballwelten. Fünf Spielerinnen haben es in das DFB-Team geschafft.
Aurich - Auf dem Auricher Kunstrasen sind soeben die ersten Flocken des Winters gefallen. Es ist ungemütlich und auf dem Ellernfeld herrscht Herbst-Tristesse. Frauen und Juniorinnen-Trainer Stefan Wilts ist in der Geschäftsstelle schwer beschäftigt. Der letzte Schliff für die Arbeit der DFB-Trainerausbildung und nebenbei noch die Hektik rund um den anstehenden Aurich-Cup. Das Jahr war anstrengend, aber auch sehr erfolgreich. Die U-17-Juniorinnen und die Frauen eilen von Sieg zu Sieg, die Talentförderung der Auricher trägt fette Früchte. Gleich fünf Nachwuchsspielerinnen haben es in die DFB-Juniorinnen-Nationalmannschaft geschafft. „Das ist schon heftig“, ist auch Wilts ein wenig überrascht.
Nach der Abschaffung der B-Juniorinnen-Bundesliga im Sommer bewegen sich die SpVg-Mädchen in unterschiedlichen Fußballwelten. Sie spielen mit ihren Altersgenossinnen in der Niedersachsenliga, helfen oft bei den Frauen in der Oberliga aus – und spielen in der C-Junioren-Bezirksliga gegen Jungs. In der Niedersachsenliga sind eine Auricher Mädchen eine Klasse für sich. Zehn Spiele, zehn Siege und ein Torverhältnis von 92:4. Wilts ist es schon ein wenig unangenehm, mit einem Bundesliga-Kader die Liga zu dominieren. „Wir vermissen die Bundesliga alle hier. Für uns ist das nicht immer zufriedenstellend, wir können uns nicht vergleichen“, sagt Wilts.
Trostpflaster DFB-Pokal
Die unvergleichliche Reise in der Bundesliga mit einer Vizemeisterschaft, zwei Halbfinalteilnahmen und Spielen auf dem Ellernfeld vor mehr als 3000 Zuschauern ist vorbei. Wilts war nicht begeistert, die SpVg hat die neue Realität aber angenommen. Dafür dürfen die SpVg-Mädchen erstmals im DFB-Pokal ran. Dieser Wettbewerb ist im Zuge der Reform eingeführt worden, als kleines Trostpflaster. Das bringt nicht nur Prestige und große Gegner, sondern spült auch Geld in die Kassen. Ein Drittel der Fördersummen des DFB erhält man durch die Teilnahme am DFB-Pokal. Die Gesamtförderung zu Bundesliga-Zeiten betrug mehr als 25 000 Euro. Nach einem Freilos in der ersten Runde, schossen die Auricher Fußballtalente Werder Bremen mit 6:1 vom Platz. Am Sonnabend, 7. Dezember, geht es im Achtelfinale gegen Bayer Leverkusen. „Da haben wir dieses Mal ganz gute Chancen gegen sie“, sagt Wilts. Um sich für den Wettbewerb im kommenden Jahr zu qualifizieren, müssen die Auricherinnen Meister in der Niedersachsenliga werden.
SpVg-Mädchen mögen Spiele gegen Jungs
Viel spannender als den sportlich wenig herausfordernden Liga-Alltag finden die SpVg-Mädchen den Vergleich mit den Jungs. Mit den Mädchen der Jahrgänge 2008 und 2009 tritt die Sportvereinigung in der C-Jugend-Bezirksliga an. Dort sind die Gegner zwei Jahre jünger. „Die Spiele gegen Jungs gefallen ihnen besser“, sagt Wilts. Und die Mädchen sind erfolgreich. Nach elf Spielen stehen sie auf Platz drei und haben neun davon gewonnen. Nur gegen die Jungs von Kickers Emden und Ohmstede kassierten die Auricherinnen eine Niederlage. „Das hätten wir so nicht unbedingt erwartet. Ich hatte eher mit einem Platz im Mittelfeld gerechnet. Die Jungs würden die Mädchen akzeptieren, die Mädchen lieben den Vergleich mit den robusteren Jungen.
Der Tanz auf drei Hochzeiten scheint die Auricher Nachwuchsfußballerinnen zu beflügeln. Tomke Brandes, Lucy Minne und Janne Buck wurden unlängst in die DFB-Juniorinnenteams berufen. Wie Wilts erzählt, flatterten in den vergangenen Tagen noch zwei weitere Einladungen für Frida Hanssen und Cielo Lochte herein. Nicht per Post, sondern am Telefon. „Die Mädchen werden dann vom Bundestrainer oder der Bundestrainerin angerufen“, sagt Wilts. Für ihn die Bestätigung einer jahrelangen, erfolgreichen Arbeit. „Lange haben sie uns ignoriert, seit dieser Saison geht es richtig los“, so Wilts.
Und wie steht es um die Realisierung des geplanten Leistungszentrums? Diesen Status kann Aurich erst erhalten, wenn die Frauenmannschaft in die Regionalliga aufsteigt. Die Chancen stehen gut. Die SpVg-Frauen führen die Tabelle ohne Niederlage mit sieben Punkten Vorsprung an.