Hamburg  Drama um Block-Kinder: Erste Festnahme – Ermittlungen auch gegen Christina Block

Michael Clasen
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Von Michael Clasen
| 22.11.2024 11:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Christina Block, die „Block-House-Erbin“ beim „Blauen Ball“ in Hamburg. Foto: dpa
Christina Block, die „Block-House-Erbin“ beim „Blauen Ball“ in Hamburg. Foto: dpa
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Erste Festnahme im Drama um die Block-Kinder! Mehr als zehn Monate nach der mutmaßlichen Kindesentführung wurde ein Verdächtiger verhaftet. Nach Informationen unserer Redaktion laufen Ermittlungen gegen rund 20 Personen, darunter auch gegen Christina Block.

Wie die Staatsanwaltschaft Hamburg mitteilte, wurde ein internationaler Haftbefehl gegen einen 35-jährigen Beschuldigten vollstreckt, als er nach Zypern einreisen wollte. Er wird dringend verdächtigt, an einer gewaltsamen Verbringung der beiden Block-Kinder von Dänemark nach Deutschland in der Silvesternacht 2023/2024 beteiligt gewesen zu sein. Der Mann, der die portugiesische und israelische Staatsangehörigkeit besitzt, soll dem Vater der Kinder, Stephan Hensel, „zusammen mit weiteren Personen in Dänemark aufgelauert, ihn angegriffen und ihm die in seiner Obhut befindlichen Kinder mit Gewalt entzogen haben“.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Hamburg wurde gegen den Beschuldigten ein internationaler Haftbefehl erlassen und am 27. September 2024 in Zypern vollstreckt. Daran anschließend brachten Zielfahnder des Landeskriminalamtes (LKA 23) den Beschuldigten nach Hamburg, wo er sich seit November 2024 in Untersuchungshaft befindet. „Weitere Auskünfte können vor dem Hintergrund laufender Ermittlungen nach wie vor nicht erteilt werden“, so die Staatsanwaltschaft.

Rückblende: Seit 2022 macht das Sorgerechtsdrama zwischen Christina Block und ihrem Ex-Mann Stephan Hensel bundesweit Schlagzeilen. Drei der vier gemeinsamen Kinder lebten beim Vater, eine Tochter bei der Mutter. Beide Seiten machten sich schwere Vorwürfe.

Zunächst hatte in 2021 ein Amtsgericht in Hamburg Hensel Recht gegeben, der der Mutter vorwarf, körperliche und psychische Gewalt gegenüber den Kindern ausgeübt zu haben. Die beiden Kinder hätten sich geweigert, zur Mutter zurückzukehren, so Hensel.

Christina Block wies die Vorwürfe vehement zurück. Sie warf Hensel vor, die Kinder manipuliert zu haben, sie von ihr entfremden zu wollen und sie schließlich nach Dänemark „entführt“ zu haben. In zweiter Instanz erhielt Christina Block Recht. Das hanseatische Oberlandesgericht hatte ihr das Aufenthaltsbestimmungsrecht zugesprochen und die Rückgabe der Kinder gefordert. Hensel kam dem nicht nach, um seine „Kinder zu schützen“, wie er sagte. In der Silvesternacht 2023/2024 kam es zu einer dramatischen Wende: Mehrere vermummte Männer überfielen Hensel in Dänemark brutal und entführten die Kinder Klara und Theo. Nach Informationen unserer Redaktion stammen die Verdächtigen aus Israel und haben teilweise Verbindungen zu israelischen Geheimdienstkreisen.

Der Tathergang ist weitgehend ermittelt. Auch die Frage ist geklärt, wo die Kinder festgehalten wurden, bis sie bei der Mutter Christina Block wieder auftauchten. Offen ist: Wer hat die Täter beauftragt? Was wussten Christina Block, ihr Lebensgefährte, Ex-ARD-Sportmoderator Gerhard Delling, und Steak-House-Gründer Eugen Block? Es gab in der Zwischenzeit etliche Hausdurchsuchungen, auch im Grand Elysée Hamburg.

In einem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, hatte Christina Block im Januar bestritten, die Entführung in Auftrag gegeben zu haben. Ihr Anwalt erklärte, seine Mandantin habe „zu keinem Zeitpunkt dritten Personen einen Auftrag erteilt, ihre geliebten Kinder mit Gewalt aus Dänemark nach Hamburg zu bringen“. Weiter hieß es, Block sei eine „absolut rechtstreue Persönlichkeit“, die „entsetzlich“ unter der Situation leide und „psychisch angegriffen“ sei.

Laut unseren Recherchen laufen derzeit mindestens vier Verfahren, unter anderem wegen der Silvester-Entführung vor gut elf Monaten. Dann wegen eines mutmaßlichen Entführungsversuchs im November 2022 sowie wegen falscher Verdächtigung und Verleumdung, ein besonders unappetitlicher Fall. Wann die Ermittlungen abgeschlossen sind, wollte die Staatsanwaltschaft Hamburg nicht sagen.

Nach Informationen unserer Redaktion leben die beiden Kinder bei ihrem Vater in Dänemark gemeinsam mit ihrer mittlerweile volljährigen Schwester und ihren Halbgeschwistern an einem geheimen Ort unter Polizeischutz. Die dänischen Behörden gehen davon aus, dass sie weiterhin stark gefährdet sind.

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