Warschau  Im zweiten Versuch soll‘s klappen: Trump will Grönland zum 51. Staat der USA machen

Jens Mattern
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Von Jens Mattern
| 21.11.2024 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bereits während seiner ersten Amtszeit verkündete Donald Trump seine Absichten, Grönland zu kaufen, bekam allerdings eine Abfuhr von der dänischen Regierungschefin. Foto: dap/Alex Brandon
Bereits während seiner ersten Amtszeit verkündete Donald Trump seine Absichten, Grönland zu kaufen, bekam allerdings eine Abfuhr von der dänischen Regierungschefin. Foto: dap/Alex Brandon
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Trumps Absichten, Grönland zu kaufen, flammen mit seinem Wahlsieg wieder auf. Auf X kursiert bereits eine Karte, die die Insel als neuen US-Bundesstaat auszeichnet. In Dänemark läuten die Alarmglocken – denn Grönland wird strategisch immer wichtiger.

Auf X (ehemals Twitter) zeigt der republikanische Kongressabgeordnete Mike Collins eine Karte der amerikanischen Bundesstaaten, inklusive Grönland. Der Titel lautet: „Project 2029“ und bedeutet: Nach den nächsten US-Präsidentschaftswahlen wird die arktische Insel Teil der USA sein – sie ist in Rot gehalten, die Republikaner würden dort die meisten Stimmen erhalten.

Dieses Szenario, welches kurz nach dem Donald Trumps Wahlsieg veröffentlicht wurde, erscheint absurd, wurde jedoch über vier Millionen mal geklickt. Und der Trump-Anhänger Peter Thiel, einer der Gründer des Online-Bezahldienst Paypal, verkündete, dass er Grönlands Zukunft bereits bei einem geheimen Treffen mit der grönländischen Landesregierung verhandelt habe. Die größte Insel der Welt ist halbautonom – sie ist der dänischen Krone in einer sogenannten „Reichsgefolgschaft“ unterstellt, was bedeutet, dass Kopenhagen die Außen- und Sicherheitspolitik der 56.000 Bewohner bestimmt.

Vor fünf Jahren, während seiner ersten Amtszeit als Staatspräsident, verkündigte Donald Trump bereits seine Absichten, Grönland zu kaufen. Nach einer klaren Abfuhr von Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen, sagte der Republikaner dann beleidigt einen Besuch bei dem sonst so amerikafreundlichen NATO-Staat ab. Die Ambitionen von Trump und seinem Umfeld sind ernst zu nehmen: In Grönlands Hauptstadt Nuuk wurde 2020 ein US-Konsulat eröffnet – was eigentlich dem grönländisch-dänischen Abkommen über Außenpolitik zuwider läuft.

Auch das Biden-Amerika zeigt sich interessiert, so war am Dienstag Jose W. Fernandez, leitender Diplomat des Wirtschaftsministeriums in Grönland zu Besuch, um US-Investitionen rund um „Kritische Rohstoffe“ (CRM) abzusichern. Die Bodenschätze der Insel, die aufgrund der rapiden Eisschmelze immer zugänglicher werden, sind ein wichtiger Grund für das große amerikanische Interesse. „Seltene Erden“ etwa gelten für moderne Technologien wie Bildschirme und Akkumulatoren als unverzichtbar.

Auch die Chinesen bemühen sich in Grönland um Abbaurechte, ebenso wie in anderen Regionen des Polarmeers. Und somit wächst auch die militärische Bedeutung der Region, auch weil sich das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen seit Putins Angriff auf die Ukraine drastisch abgekühlt hat. Der US-Militärflughafen Thule im Norden Grönland wird derzeit massiv ausgebaut und heißt seit 2023 Pituffik Space Base. Durch die wachsende geostrategische Bedeutung der Region verliert das kleine Dänemark seit Jahren an Einfluss auf Grönland sowie den Färöer Inseln, mit denen ein ähnliches Abkommen besteht. Vor allem auf der arktischen Insel vertreten fast alle Parteien das Ziel der vollkommenen Unabhängigkeit. Die populistische Partei „Naleraq“ will dies mithilfe der USA erreichen.

Als Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen nach Trumps Sieg auf ein solches Szenario angesprochen wurde, überspielte sie dies mit ruppiger Gelassenheit: „Diese Diskussion haben wir seit Jahren hinter uns“. Kommentatoren in dänischen Medien reagieren derzeit allerdings weniger entspannt. Das skandinavische Land, dessen internationale Bedeutung durch die arktische Insel grundsätzlich stark aufgewertet wird, muss sich wohl diplomatisch auf Offerten und Druck aus den USA vorbereiten, wenn Donald Trump im Januar vereidigt wird.

Dann könnte auch Alexander Gray, Trumps ehemaliger Sicherheitsberater, wieder eine Rolle spielen, der seinen Plan für Grönland bereits dem dänischen Newsportal „Altinget“ unterbreitete: Die Regierung von Nuuk soll einem „freien Staatenbund“ beitreten, eine Verbindung, die die USA auch mit den pazifischen Marschall-Inseln pflegen. Aus Dänemark erhält die Insel über umgerechnet 500 Millionen Euro jährlich, damit sie unter der Krone bleibt. Eine Summe, die Washington locker stemmen könnte, wenn Trump es mit seinen Grönlandfantasien ernst meint.

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