Doornkaat-Gelände  Stadt Norden kauft Popken-Gelände

| | 20.11.2024 15:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Seit 1858 ist Popken Eisenwaren am Glückauf in Norden zu finden. Zum Ende des Jahres ist Schluss. Der Betrieb rechnet sich laut Inhaber Dirk Bünting nicht mehr. Foto: Rebecca Kresse
Seit 1858 ist Popken Eisenwaren am Glückauf in Norden zu finden. Zum Ende des Jahres ist Schluss. Der Betrieb rechnet sich laut Inhaber Dirk Bünting nicht mehr. Foto: Rebecca Kresse
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Die Stadt Norden hat das Gelände von Popken Eisenwaren gekauft – für deutlich mehr Geld, als es laut Gutachten wert ist. Es gibt auch schon konkrete Pläne, was dort gebaut werden soll.

Norden - Die Stadt Norden wird das Gelände inklusive der Hallen von C.E. Popken Eisenwaren kaufen. Die Verwaltung bestätigte eine entsprechende Anfrage dieser Zeitung. Wie berichtet, wird das Geschäft von 1858 am ehemaligen Doornkaat-Gelände zum Ende des Jahres für immer seine Türen schließen. Auf dem Gelände will die Stadt eine Parkpalette errichten, um Parkraum für das Doornkaat-Gelände und die Innenstadt zu schaffen. Dafür müssen die mit Asbest belasteten Hallen aber zunächst aufwendig abgebaut und entsorgt werden. Trotzdem hat die Stadt einen Kaufpreis für das Gelände bezahlt, der deutlich über dem von Experten geschätzten Verkehrswert liegt.

Nach Informationen unserer Zeitung gibt es ein offizielles Gutachten, das das Gelände mit 1,1 Millionen Euro bewertet. Schon das sei aber eigentlich zu hoch. Der tatsächliche Wert für das Gelände soll Experten zufolge bei 800.000 bis 900.000 Euro liegen. Die Stadt soll dafür mindestens 1,3 Millionen Euro auf den Tisch gelegt haben. Gemunkelt wird noch von einer höheren Summe. Von der Politik soll es aber nur eine Freigabe für die 1,3 Millionen Euro gegeben haben. Das wollte die Verwaltung zunächst nicht kommentieren.

Auf dem Gelände soll eine Parkpalette entstehen

Die Kosten werden aber noch weiter steigen. Denn die Halle ist nach Informationen dieser Zeitung mit Asbest belastet. Das heißt, sie kann nicht einfach abgebaut werden. Asbest wird nach der Gefahrstoffverordnung grundsätzlich als stark krebserzeugender Gefahrstoff eingestuft. Gesundheitsgefährdend ist dabei das Einatmen von Asbestfasern. Der mit Asbest belastete Abfall muss gesondert gesichert und entsorgt werden.

Auf dem dann freien Areal soll nach Wunsch der Verwaltung eine Parkpalette entstehen, um Parkraum für die Innenstadt und das neue Doornkaat-Gelände zu schaffen. Ursprünglich sollte eine solche Parkpalette im Zuge des Edeka-Umbaus am ehemaligen Real-Markt entstehen. Der sollte eigentlich auch schon im Jahr 2024 eröffnet werden – doch davon ist schon lange keine Rede mehr. Weder am Gebäude noch am Gelände haben die Arbeiten bisher überhaupt angefangen. Eigentümer des gesamten ehemaligen Real-Markts ist seit 2020 die Unternehmensgruppe van Mark aus Westerstede, die sich auf die Revitalisierung von Gewerbeobjekten und stationären Handel spezialisieren. Auf dem nördlichen Ende des Areals, direkt neben der Fläche des Sonderpostenmarktes Zimmermann war ein Parkhaus mit 237 Plätzen angedacht. Nun also eine Parkpalette auf dem ehemaligen Popken-Gelände.

Stadt einig über den Kaufpreis

Von der Verwaltung heißt es auf Anfrage dieser Zeitung: „Der Kauf des Popken-Areals ist noch nicht vollzogen, jedoch gibt es eine Einigung mit der Stadt Norden über den Kaufpreis. Über dessen Höhe und den angeblichen Verkehrswert werden wir zu diesem Zeitpunkt keine Aussage treffen oder Mutmaßungen bestätigen.“ Die Übergabe soll bis zum 31. März 2025 vollzogen sein. Ein Abriss erfolgt laut Stadtverwaltung zunächst nicht.

Im Hinblick auf den Gebäudebestand und dessen Schadstoffbelastungen gebe es angesichts des Baujahres nichts Ungewöhnliches zu erwarten, das betreffe auch die Dacheindeckungen aus Asbest – für belastbare Berechnungen der zu erwartenden Kosten sei es aber noch zu früh.

Entscheidung über Parkpalette folgt laut Verwaltung später

Erst mit der Vermarktung der Flächen an Investoren wird die Stadt detaillierte Informationen bekannt geben, jedoch sei eine der Überlegungen tatsächlich, eine zum Parkplatz der Kreisvolkshochschule alternative Parkmöglichkeit anzubieten. „Selbstverständlich kann heute noch nicht klar sein, wer ein mögliches Parkhaus betreibt“, teilte Stadtbaurat Christian Pohl mit und sagte weiter: „Wir möchten betonen, dass dies nur eine Möglichkeit darstellt und weitere Möglichkeiten in Form von Wohnen oder Gewerbe geprüft werden.“ Diese Entscheidung werde in einem Prozess zwischen den Vorstellungen der Stadt und potenziellen Investoren erarbeitet.

Wie berichtet, hatte Dirk Bünting, der das Geschäft Popken in fünfter Generation führt, im Sommer angekündigt, sich ins Privatleben zurückzuziehen. Vor allem wirtschaftliche Gründe hätten ihn zu diesem Schritt bewogen, sagte Bünting. Außerdem wollen seine Kinder das Geschäft nicht übernehmen, was ihn persönlich sogar ein bisschen erleichtere. „Mit Tradition kann man heute kein Geld mehr verdienen“, machte Bünting deutlich. Kleine, einfache Familienunternehmen, wie er eines führe, könnten mit den großen Konkurrenten am Markt nicht mehr mithalten.

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