Wiesbaden  Grüne wählen Robert Habeck zum Kanzlerkandidat – soll das ein Scherz sein?

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 17.11.2024 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Begeisterte die Grünen beim Parteitag in Wiesbaden: Robert Habeck wurde mit 96 Prozent zum Kanzlerkandidaten gewählt. Foto: IMAGO/onemorepicture / Thorsten Wagner
Begeisterte die Grünen beim Parteitag in Wiesbaden: Robert Habeck wurde mit 96 Prozent zum Kanzlerkandidaten gewählt. Foto: IMAGO/onemorepicture / Thorsten Wagner
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Derzeit liegen die Grünen bei etwa zehn Prozent, trotzdem schicken sie Robert Habeck als Kanzlerkandidat ins Rennen. Sie scheinen an Wunder zu glauben.

Seit dem Heizungsgesetz ist Robert Habeck in großen Teilen der Bevölkerung unten durch. Während er im letzten Wahlkampf noch als das Gesicht der Grünen galt, das sogar CDU-Wähler begeistern konnte, ist die Lage heute eine andere.

Als Wirtschaftsminister wollte er erst eine Gasumlage einführen, dann kamen Preisbremsen. Er stemmte sich für seine Partei gegen längere Laufzeiten für die verbliebenen Kernkraftwerke und brachte ein Heizungsgesetz auf den Weg, das das Land an den Rand der Verzweiflung trieb. Zuletzt hat der Wirtschaftsminister es nach einem Jahr der Gipfel und der Vorschläge nicht vermocht, die Stimmungslage zu drehen. In einem Wahlkampf, in dem Wirtschaft und Arbeitsplätze voraussichtlich das bestimmende Thema sein werden, bietet Habeck einfach zu viel Angriffsfläche. 

Die Risiken sind ihm offenbar bewusst. Völlig zurecht stellte er selbst in seiner – auch selbstkritischen – Bewerbungsrede beim Parteitag fest, dass das Heizungsgesetz wie ein „Damoklesschwert“ über seinem Wahlkampf schweben wird. Die Konkurrenz, so viel steht fest, wird ihm das Thema bei jeder Gelegenheit unter die Nase reiben.

Habeck ließ schon anklingen, wie er kontern will. Als einer, der Fehler eingesteht, lernt und es dann besser macht. Als einer, der nach Putins Angriffskrieg entschlossen Gasmangellage, hohe Energiepreise und Inflation bekämpfte – und nun, um viele Erfahrungen reicher, zu Ende bringen will, was er begonnen hat. Vor allem aber als einer, der den Konsens sucht und die Polarisierung im Land überwinden will. Ausgerechnet er? Habeck ist kein Ideologe. Aber dass die Ampel zur unbeliebtesten Regierung aller Zeiten wurde, hat eben nicht nur mit Olaf Scholz und Christian Lindner zu tun. 

Andererseits: Seit dem Tag des Ampel-Bruchs scheint so gut wie nichts mehr unmöglich. Die Karten werden in den nächsten Wochen neu gemischt. Vielleicht erscheint Habeck im Aufeinandertreffen mit Friedrich Merz, Olaf Scholz und Alice Weidel doch noch als Alternative. Er hat keine Chance – aber er will sie nutzen. 

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