Fußball-Regionalliga Kickers Emden verliert vor 9346 Fans – Meppen bleibt Heimmacht
Mit mehr Spielglück hätte die Regionalliga-Partie für Emden auch anders laufen können. Ein ärgerlicher Elfmeter und ein spätes 0:2 sorgten für Frust. Sorgen macht sich der BSV um Mika Eickhoff.
Meppen - Die ersten vier Heimresultate des SV Meppen in dieser Saison 1:1, 0:1, 0:0 und 1:7. Darunter waren allerdings zwei Pokalniederlagen gegen den VfL Osnabrück (0:1) und den Hamburger SV (1:7). Nach tristen Heimwochen von Ende Juli bis Mitte August wird die Hänsch-Arena seither zur uneinnehmbaren Festung. Das musste am Freitagabend auch die zweitbeste Auswärtsmannschaft der Fußball-Regionalliga Nord feststellen. Der BSV Kickers Emden verlor vor der Saisonrekordkulisse von 9346 Fans im Emsland mit 0:2. Für Kickers war es erst die zweite Niederlage im achten Auswärtsspiel, für den SV Meppen der siebte Heimsieg in Serie.
„Das ist nicht normal, was gerade passiert“, sagte Meppens Trainer Lucas Beniermann zur Siegesserie seiner jungen Mannschaft. Der Coach lobte sein Team, aber vor allem auch die Zuschauer und beide Fanlager. Auch der Gästeblock war gut gefüllt. „9346 Zuschauer – das war ein Fußballfest.“
Für Kickers war es insofern eine ärgerliche Niederlage, als das es auch torlos hätte in die Halbzeit gehen können. Doch statt über ein 0:0 sprach das Team in der Halbzeitpause über ein 0:2, weil die Emder bei den beiden Gegentoren auch ein „Wörtchen“ mitredeten.
Nackenschlag Nummer eins: Nach einer starken Meppener Anfangsphase mit viel Elan bediente der Ostfriese im Meppen-Trikot, Luca Prasse, Mitspieler Christopher Schepp im Strafraum mit einem schönen Pass mustergültig. Der herauseilende Kickers-Keeper Marcel Bergmann legte dann Schepp seitlich vor dem Tor fast auf Höhe der Grundlinie. Es wirkte, als hätte Bergmann den Zweikampf in dieser intensiven Form nicht führen müssen. Schepp nahm die „Einladung“ an, ging zu Boden – Foulelfmeter. Willi Evseev verwandelte sicher zum 1:0 (11.). „Den muss man nicht geben“, meine der Kickers-Keeper nach der Partie. So sah er die Szene: „Er legt sich den Ball ein Tick zu weit vor, ich bin ein Tick davor, rutsche hinein. Am Ende will er nur den Elfer und macht es natürlich clever“, sagte Bergmann.
Der zweite Nackenschlag ereignete sich in der fünften Minute der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Nach einem herrlichen Ball in den Strafraum von Evseev verschaffte sich Jonathan Wensing mit Körpereinsatz und einem kleinen Rempler einen Vorteil gegenüber Verteidiger Niklas von Aschwege, der dann am Fünfmeterraum auch noch ausgetanzt wurde. Wensing krönte seine Einzelleistung mit einem trockenen Abschluss zum 2:0 – das war in Summe zu einfach für den Meppener Spieler.
Pressschlag mit Folgen
Nackenschlag Nummer drei war für die längere Nachspielzeit verantwortlich. Nach einem heftigen Pressschlag zwischen Meppens Tim Möller und Mika Eickhoff – beide gingen zum Ball –, musste Eickhoff verletzt ausgewechselt werden. Er musste gestützt vom Feld getragen werden, verließ das Stadion nachher auf Krücken. Er zog sich mindestens eine schwere Prellung zu. Für ihn kam David Schiller (38.).
Ansonsten zeigte Kickers Emden nach dem 0:1 und bis zum 0:2 eine gute Leistung in der ersten Halbzeit, hatte teilweise auch viel mehr vom Spiel. Dabei sprang die größte Chance heraus, als Niklas von Aschwege den Ball nach einem Steffen-Freistoß fast über die Linie stocherte (21.). Tobias Steffen (22.) und Tido Steffens (41.) besaßen zwei weitere Möglichkeiten.
„Wir mussten uns kurz schütteln. Ich fand dann aber, dass wir gut ins Spiel gekommen sind. Wir haben den Druck erhöht, durch Standardsituationen halbgefährliche Situationen gehabt“, meinte Kickers-Trainer Stefan Emmerling.
Richtig in Gefahr geriet der Meppen-Sieg nach dem Wechsel nicht mehr. Kickers war bemüht, mehr aber auch nicht. Auch die Wechsel sorgten nicht für große neue Energie, die Durchschlagskraft fehlte. So erlebten die mehr als 9300 Zuschauer eine ereignisarme zweite Hälfte, in der Meppen in der Schlussphase die beiden größten Chancen der zweiten 45 Minuten besaß. Bergmann rettetet im Eins-gegen-Eins gegen Wensing (81.), Adrian Lenz schoss den Ball nach einem schönen Angriff knapp über das Emder Tor (89.).
So blieb es beim 2:0, einem der „kleinsten Heimsiege“ der vergangenen Festspielwochen mit einem 5:0 gegen Bremen, 4:0 gegen Spitzenreiter Havelse und 4:0 gegen Ottensen. Für Kickers war das nur ein schwacher Trost. Dennoch sei es ein „fantastischer Fußballabend“ gewesen, ein „tolles Fußballspiel“, so der 58-jährige Emmerling, der dem 34-jährigen Trainerkollegen Lucas Beniermann dann auch ehrlich zum Sieg gratulierte: „Der war dann auch verdient, weil der SV Meppen im Strafraum einfach auch konsequenter war.“
Kickers Emden: Bergmann, von Aschwege, Herbst, Dietrich, Engel, Kaissis (78. Schmidt), Siderkiewicz, Steinwender (58. Abbey), Steffen (78. Steffen), Eickhoff (37. Schiller), Steffens (68. Dudock).
Tore: 1:0 Evseev (Foulelfmeter, 11.), 2:0 Wensing (45. + 5).