2. Auricher Museumsnacht  Teamgeist zwischen Lampenfieber, Kostümen und Eierlikör

Mieke Matthes
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Von Mieke Matthes
| 17.11.2024 09:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ob Raumpflegerin oder Direktor - bei der 2. Auricher Museumsnacht packte das gesamte Team des Historischen Museums mit an. Foto: Romuald Bank
Ob Raumpflegerin oder Direktor - bei der 2. Auricher Museumsnacht packte das gesamte Team des Historischen Museums mit an. Foto: Romuald Bank
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Im historischen Museum nahmen die Macher die Besucher mit auf eine Zeitreise in die ostfriesische Vergangenheit. Ein Blick hinter die Kulissen.

Aurich - Die nackten Füße von Gräfin Theda huschen die knarzenden Holztreppen des Historischen Museums hinunter. Der türkisfarbene Haarreif auf dem blonden Haar sitzt noch etwas schief, der Mund der Gräfin ist bereits perfekt in dunkles Rot getaucht. Herma Cornelia Peters ist schon fast in ihrer Rolle, fehlen nur noch die Schuhe.

Es ist Freitagnachmittag, 17.30 Uhr, und die finalen Vorbereitungen für die zweite Auricher Museumsnacht laufen. Während der „Türsteher“ in Anzug und Zylinder noch den Staubsauger schwingt, werden am Stehtisch die kleinen Willkommensdrinks für die Besucher bereitgestellt. Es gibt Eierlikör.

Letzte Vorbereitungen zwischen Maske und Gastronomie

Wo man auch hinschaut, es herrscht geschäftiges Treiben. Windlichter werden aufgestellt, elektrische Kerzen entzündet, Blumen arrangiert. Der sonst recht kühle pädagogische Raum des Museums hat sich mit Hilfe von Tischdecken, liebevoll gesteckten Blumenarrangements und Kerzenlicht in eine kleine Gastronomie verwandelt. Hier gibt es später Wein und kleine Knabbereien.

Hinter den Kulissen wurden noch bis kurz vor Eröffnung fieberhaft an den Kostümen gearbeitet. Foto: Romuald Banik
Hinter den Kulissen wurden noch bis kurz vor Eröffnung fieberhaft an den Kostümen gearbeitet. Foto: Romuald Banik

Reenste Cornelis und Katja Druivenga flitzen durch den Raum Richtung Maske. In ihrem kleinen Büro am Ende des Gangs haben die beiden „Kulturgesichter“ ihr Büro, das gleichzeitig als Garderobe dient. Hier eine barocke Perücke, dort ein Reifrock, da eine Bluse, dort eine Jacke mit Pelzbesatz. Der Fundus von Druivenga und Cornelis, die seit Jahren mit ihren kostümierten Stadtführungen zum Auricher Stadtbild gehören, ist groß – und er wächst stetig.

„Wir haben die Kostüme für das ganze Team genäht“, erzählt Reenste Cornelis. Viel Arbeit, die sich gelohnt hat. Denn kein Mitarbeiter des Museums ist an diesem Tag in zivil unterwegs. Ob Kassenmitarbeiterin, Raumpflegerin oder Museumsleiter – jeder schlüpft heute in eine andere Rolle und nimmt den Besucher mit auf eine Zeitreise.

Schneewittchen trifft Baumeister

„Ich würde mein Kleid am liebsten viel öfter tragen“, sagt Fenja Röben, die an diesem Abend die Rolle der Margaretha von Waldeck spielt, deren Schicksal Historikern zufolge die Grundlage für das Märchen „Schneewittchen“ gewesen sein soll. Röben trägt ein tiefschwarzes Kleid zu ebenso schwarzem Haar, blassem Teint und rotem Lippenstift. Die Potsdamer Studentin und gebürtige Auricherin hat vor zwei Jahren ihren Freiwilligendienst im Museum geleistet und ist dem Ort und vor allem Team immer noch eng verbunden.

Eine von Fenjas Nachfolgerinnen ist Anna-Laureen Macke. Sie macht derzeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Museum und gibt unter anderem die Tochter von Conrad Bernhard Meyer, gespielt von Museumsleiter Christopher M. Galler. „Anna ist sehr kreativ und hat ihre Texte selbst geschrieben“, erzählt Reenste Cornelis, bevor sie in der Garderobe verschwindet. Zeit zum Umziehen.

Katja Druivenga (links) und Reenste Cornelis, bekannt als Auricher Kulturgesichter, haben die Auricher Museumsnacht ins Leben gerufen. Foto: Romuald Banik
Katja Druivenga (links) und Reenste Cornelis, bekannt als Auricher Kulturgesichter, haben die Auricher Museumsnacht ins Leben gerufen. Foto: Romuald Banik

Nur Minuten später steht sie gemeinsam mit Katja Druivenga vor dem Spiegel. Die ausladenden Kleider sitzen wie angegossen, fehlt noch der obligatorische Kopfschmuck. Mit gekonntem Handgriff setzt Cornelis die hohe silbergraue Perücke mit den Pfauenfedern auf den Kopf, zupft sie kurz zurecht und plötzlich steht Elisabeth von Ungnad im Raum – mit grünem Kleid und Schleppe. Neben ihr erscheint Gräfin Juliane alias Katja Druivenga, die Nase erhoben, der Blick gnädig. „Ab jetzt haben wir Personal“, sagt Druivenga mit näselnder Stimme und schreitet, ganz in ihrer Rolle, aus dem Raum Richtung Treppe.

Lampenfieber auch nach 35 Jahren auf der Bühne

Dort rückt Gräfin Theda Conrad Bernhard Meyer noch kurz den Hut zurecht und dann kann es endlich losgehen. Die Türen des Museums öffnen sich zur zweiten Auricher Museumsnacht. Kurze Zeit später knarzen die Holzdielen unter den Füßen der Gäste. Ein dunkler Gong ertönt. Die Nacht beginnt. Gräfin Theda trägt nun Schuhe zum türkisfarbenen Kleid und ihr Lampenfieber, dass sie auch nach 35 Jahren Bühnenerfahrung jedes Mal überfällt, scheint wie weggeblasen. Mit offenem Blick und einem plattdeutschen Spruch auf den roten Lippen reist sie mit den Besuchern in die ostfriesische Vergangenheit.

Museumsleiter Dr. Christopher Galler schlüpfte an diesem Abend in die Rolle des Auricher Baumeisters Conrad Bernhard Meyer. FSJlerin Anna-Laureen Macke spielte seine Tochter. Foto: Romuald Banik
Museumsleiter Dr. Christopher Galler schlüpfte an diesem Abend in die Rolle des Auricher Baumeisters Conrad Bernhard Meyer. FSJlerin Anna-Laureen Macke spielte seine Tochter. Foto: Romuald Banik

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