Protestaktion vor dem Rathaus  Opti-Standort in Rhauderfehn in immer größerer Gefahr

Henrik Zein
|
Von Henrik Zein
| 17.11.2024 13:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
An der Kundgebung von Opti nahmen unter anderem auch Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller (links) und der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Clemens Bollen (2. von links) teil. Foto: Zein
An der Kundgebung von Opti nahmen unter anderem auch Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller (links) und der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Clemens Bollen (2. von links) teil. Foto: Zein
Artikel teilen:

Vor dem Rathaus in Rhauderfehn versammelten sich Opti-Mitarbeiter, um gegen die geplante Entlassung von 25 Kollegen zu protestieren. Die gesamte Zukunft des Standortes steht unterdessen auf dem Spiel.

Rhauderfehn - Vor dem Rathaus in Rhauderfehn haben am Freitag, 15. November 2024, die Beschäftigten des Reißverschlussherstellers Opti gegen die geplante Entlassung von weiteren 25 Mitarbeitern sowie die Geschäftsgebaren des Gesellschafters Aequita protestiert. An der Demonstration nahmen neben Vertretern der IG Metall auch Betriebsräte anderer Firmen, Bürgermeister Geert Müller, Lokalpolitiker sowie der SPD-Landtagsabgeordnete Nico Bloem teil.

Thomas Gelder, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg, sagte in seiner Rede: „Was sich diese Heuschrecke Aequita leistet, das habe ich in meiner ganzen Laufbahn noch nicht erlebt.“ Der Kapitalgeber habe weder strategische noch soziale Kompetenzen. „Wir brauchen ein Zukunftskonzept für Opti, aber stattdessen will die Heuschrecke die Kolleginnen und Kollegen ohne eine angemessene Abfindung rauswerfen.“ Aequita habe allen Mitarbeiten, die einen Aufhebungsvertrag unterschreiben und somit den Betrieb verlassen, eine Abfindung von 5000 Euro angeboten. „Das ist einfach lächerlich und eine Frechheit“, schimpfte Gelder. Die Kollegen seien teilweise 40 Jahre und mehr dabei. Das Durchschnittsalter der Opti-Belegschaft betrage 53 Jahre, die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit 27 Jahre.

Dutzende Opti-Mitarbeiter versammelten sich vor dem Rathaus. Foto: Zein
Dutzende Opti-Mitarbeiter versammelten sich vor dem Rathaus. Foto: Zein

Keine Prognose, wie lange es den Standort Opti noch gibt

Gelder selbst könne aufgrund der aktuellen Situation zurzeit keine Prognose darüber abgeben, ob es den Standort in ein oder zwei Jahren noch geben wird. Die Verhandlungen zwischen IG Metall und Aequita seien zurzeit unterbrochen. „Notfalls werden wir den Druck weiter erhöhen“, so Gelder.

Der Betriebsratsvorsitzende Marcel Taubert machte in seiner Rede noch einmal die aktuell schwierige Lage deutlich: „Durch den Wegfall von Aufträgen haben wir einen Umsatzeinbruch von 26 Prozent.“ Ein Großkunde aus der Autoindustrie sei deshalb abgesprungen, weil Aequita deutlich mehr Geld von ihm haben wollte. „Das hat der Kunde nicht mitgemacht. Und Aequita hat das einfach so hingenommen, ohne noch einmal zu verhandeln“, beklagte Taubert.

Auf einem der Plakate stand: "Aequita, die Heuschrecke hat zugebissen". Foto: Zein
Auf einem der Plakate stand: "Aequita, die Heuschrecke hat zugebissen". Foto: Zein

„Das ist Erpressung“

Am vergangenen Mittwoch habe es einen erneuten Verhandlungstermin zwischen Betriebsrat, Gewerkschaft und dem Kapitalgeber gegeben. Taubert erklärte: „Doch das war eher ein Erpressungstermin. Aequita will eine Einigungsstelle, in der wir vom Betriebsrat nicht vertreten sind. Darin sehe ich keinen Sinn.“ Der Gesellschafter verfolge das Motto „Friss oder stirb“. „Entweder die Mitarbeiter nehmen die 5000 Euro als Abfindung an oder es wird ein Insolvenzantrag gestellt“, sagte Taubert. Dann gebe es gar kein Geld mehr. „Das ist für mich Erpressung“, so Taubert. Zurzeit seien noch 114 Mitarbeiter bei Opti beschäftigt. Zu den Hochzeiten waren es mal 1100.

Thomas Gelder hofft unterdessen auf weitere Unterstützung aus der Politik. „Ich habe vorhin noch mit Wirtschaftsminister Olaf Lies gesprochen. Er hat bereits einen Brief geschrieben und zu Aequita geschickt. Sollte die Heuschrecke darauf wie vermutet nicht eingehen, dann müssen wir mit ein paar Reisebussen nach München fahren, und zeigen, was wir von ihnen halten“, betonte Gelder abschließend.

Ähnliche Artikel