Prozess in Aurich Als Kind missbraucht – mutmaßliches Opfer sagt aus
Im Missbrauchsprozess gegen einen vorbestraften Mann aus Großefehn sagt das mutmaßliche Opfer aus. 22-Jähriger schildert Details und warum er später selbst zum Täter wurde.
Aurich - Ein 48-jähriger Mann aus Großefehn steht im Verdacht, den Sohn von Bekannten sexuell missbraucht zu haben. Die Vorfälle sollen sich zwischen 2010 und 2012 sowie im ersten Halbjahr 2017 ereignet haben, wobei das Opfer zu Beginn der Taten erst acht Jahre alt war.
Der Großefehntjer ist wegen Pädophilie vorbestraft und hat eine über dreijährige Strafe abgesessen. Seit Juni 2024 sitzt er in dieser Sache in Untersuchungshaft. Zu den Tatvorwürfen schweigt er. Bei der Fortsetzung des Prozesses vor dem Auricher Landgericht am Donnerstag, 14. November 2024, wurde das Opfer vernommen.
Angeklagter soll Jungen angefasst haben
Der mittlerweile 22-jährige Zeuge fühlte sich sichtlich unwohl und saß zusammengesunken am Zeugentisch. Ein Sichtschutz trennte ihn vom Angeklagten. Der Zeuge sprach leise und schien in sich gekehrt. Der Vorsitzende Richter, Jan-Patrick Klein, bemühte sich behutsam, die Vorfälle zu erfragen. Dabei kamen zahlreiche Details zutage.
Den Angeklagten habe er mit acht Jahren über Freunde kennengelernt, sagte der Geschädigte. Zu dem Zeitpunkt hätten sie häufig Kontakt gehabt: „Ich wollte beim ihm übernachten, wegen eines Computerspiels.“ Im Bett habe ihn der Angeklagte angefasst, obwohl dort auch dessen Freundin geschlafen habe. „Ich habe gesagt, er soll’s lassen“, sagte der Geschädigte. „Am Morgen danach hat er zu mir gesagt: ,Das darf keiner wissenʻ.“
Zeuge schildert mehrere Vorfälle
Das zweite Mal habe ihn der Angeklagte „übern Tag“ missbraucht. Er habe erst spielen dürfen, nachdem ihn der Großefehntjer angefasst habe. Beim dritten Mal habe er nachts draußen die Wärmebildkamera des Angeklagten ausprobieren wollen. „Ich habe ein Reh gesehen als roter Punkt, der Rest war grün“, erzählte er und fügte hinzu: „Und er hat mir die Hose heruntergezogen.“
Der vierte Vorfall hat sich nach seinen Schilderungen im Haus des Angeklagten zugetragen. Der letzte Missbrauch soll sich im Auto ereignet haben, als er von dem Großefehntjer von Hesel abgeholt wurde.
Zeuge missbrauchte Tochter des Angeklagten
Der 22-Jährige konnte die Vorfälle zeitlich nicht genau einordnen. Er berichtete jedoch, dass der Angeklagte ihm einmal gedroht habe, er habe nichts zu verlieren und würde seine Mutter abstechen, falls er etwas verrate.
Der Geschädigte selbst hatte einen Prozess, weil er die kleine Tochter des Angeklagten missbraucht hatte. „Ich habe ihr gesagt, dass sie mich anfassen soll“, murmelte er. Auf die Frage, warum er das getan habe, antwortete er bei seiner polizeilichen Vernehmung: „Weil ich nicht verstanden habe, warum er das bei mir gemacht hat.“ Er habe es nachvollziehen wollen.
Verteidiger kritisiert Aussagen des Zeugen
Der Leeraner Verteidiger Folkert Adler kritisierte die Aussage des 22-Jährigen. Ihm genügten die Details nicht. Weiter bemängelte er die Aussagekonstanz und die fehlende zeitliche Einordnung. Er beantragte die Einholung eines Glaubhaftigkeitsgutachtens. Das lehnten die Kammer und die Staatsanwaltschaft ab.
Der Prozess wird am 28. November um 9 Uhr in Saal 116 fortgesetzt.