Prozess in Aurich Großefehntjer soll Achtjährigen mehrfach missbraucht haben
Wegen sexuellen Missbrauchs muss sich ein 48 Jahre alter Großefehntjer vor dem Landgericht Aurich verantworten. Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Mann an Kindern vergangen hat.
Aurich - Ein 48-jähriger Großefehntjer soll einen Jungen mehrfach sexuell missbraucht haben. Einschlägig vorbestraft, sitzt er wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft. Von dort wurde er am Montag, 11. November 2024, zum Prozessauftakt vor dem Auricher Landgericht vorgeführt. Er schweigt zu den Vorwürfen.
Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, sich zwischen 2010 und 2012 sowie im ersten Halbjahr 2017 an einem zu Tatbeginn acht Jahre alten Jungen vergangen zu haben. Dabei handelt es sich um den Sohn von Bekannten aus Firrel. In der Wohnung des Angeklagten soll es die Übergriffe gegeben haben. Zu weiteren Vorfällen soll es bei einem gemeinsamen Computerspiel, und während einer Abholfahrt von Hesel nach Firrel gekommen sein.
Bereits wegen Missbrauch dreier Mädchen verurteilt
Die Zeit bis zur ersten Zeugin überbrückte der Vorsitzende Richter Jan-Patrick Klein mit der Verlesung der Vorverurteilung. Zwischen März 2005 und 2013 hat der Angeklagte drei Mädchen im Alter von anfangs elf und acht Jahren in dreizehn Fällen missbraucht sowie davon Video- und Bildaufzeichnungen gemacht. Er wurde im Berufungsurteil vom Landgericht Aurich im Juni 2018 zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und zwei Monaten verurteilt, die er verbüßt hat.
Im Jahr 2016 führte die Polizei bei dem Angeklagten in Großefehn eine Durchsuchung durch. „Ein zehnjähriges Kind erzählte von sexuellen Handlungen“, berichtete eine Beamtin im Zeugenstand. „Auf dem Flur standen diverse Computer und Datenträger. In seinem Zimmer im ersten Stock fanden wir Massagegeräte und so.“ Es habe ausgesehen, wie Kinderzimmer früher ausgesehen hätten. „In einer Schublade fanden wir Essensreste, dreckige und saubere Kondome sowie Sexspielzeug, etwas glibberig aussehendes Rosafarbenes“, erzählte die Zeugin.
„Wir kannten ihn durch unseren Sohn“
Der Geschädigte wohnte nach dem Brand seines Elternhauses 2019 und 2020, im Alter von 17 und 18 Jahren, im Haushalt einer Bekannten aus Neermoor. „Wir kannten ihn durch unseren Sohn“, sagte die 37-Jährige. Inzwischen wohne er wieder bei seinen Eltern. „Ich hatte intensive Gespräche mit ihm. Er hat mir erzählt, dass er von dem Herrn – sie meinte den Angeklagten – sexuell missbraucht wurde“, so die Zeugin. Über Details sei nicht gesprochen worden. Die Freundin des Angeklagten wisse auch von dem Missbrauch. Zudem soll der Geschädigte später deren Tochter missbraucht haben.
Die 52-jährige Mutter des Geschädigten aus Firrel erging sich in wortkargen Andeutungen. Sie berichtete, der Angeklagte habe ihren Sohn vom Sportplatz abgeholt, dann sei es passiert: „Ich habe häufiger nachgefragt, aber es kam nichts.“ Sie bestätigte, dass ihr Sohn damals bei dem Angeklagten übernachtet habe. Wie häufig, erinnere sie nicht. Man habe nicht weiter über den Missbrauch gesprochen, „weil ihm das schwergefallen ist“.
Opfer war kurzfristig in Behandlung
Verteidiger Folkert Adler wollte wissen, ob sie bei ihrem Kind damals eine Verhaltensveränderung festgestellt habe. „Ja“, antwortete die Zeugin, „dass er nicht reden wollte und verändert war.“ Ihr Sohn habe mit 20 Jahren einen eigenen Missbrauchsprozess wegen des Mädchens gehabt. Er sei kurzfristig in psychologischer Behandlung gewesen. Inzwischen gehe es ihm „bestens“.
Der Prozess wird am 14. November um 10 Uhr in Saal 116 fortgesetzt. Zwei weitere Termine bis 9. Dezember sind angesetzt.