Spektakel in den höchsten Boßel-Ligen So besiegte Leegmoor den Meister
Partystimmung herrschte nach dem Derbysieg in der Boßel-Landesliga gegen Pfalzdorf. Sogar der Streckenrekord purzelte. In der Bezirksliga ging es zwischen Sandhorst und Dietrichsfeld dramatisch zu.
Aurich - Partystimmung auf den Straßen in Schirumer Leegmoor: Die Landesliga-Boßler schlugen im absoluten Spitzenwettkampf Meister und Tabellenführer Pfalzdorf nach einer sagenhaften Leistung mit zehn Würfen. Für die Mannschaft um Teamkapitän Mathias Cremer war es die erste Saisonniederlage. In der Tabelle sind die ersten vier Mannschaften nun enger zusammengerückt. Der Titelverteidiger Pfalzdorf führt noch mit einem Zähler vor den punktgleichen Teams aus Schirumer Leegmoor, Reepsholt und Leerhafe.
Schirumer Leegmoor - Pfalzdorf 10:0
1,111/1,052/0,080/6,113
Leegmoors Mannschaftsführer Jannes Koch blickte nach dem letzten Wurf von Sascha Saathoff in ungläubige Gesichter. Nicht nur, dass der Leegmoorer im Zielbereich einen sagenhaften Wurf auf die Straße legte: Die gesamte Teamleistung im Spitzenwettkampf gegen Spitzenreiter Pfalzdorf sorgte für Stauen. „Wir haben den Streckenrekord um acht Wurf verbessert, das war echt heftig“, sagte Koch am Tag nach dem Ausnahmewettkampf. 175 Würfe – das hatte es auf den Leegmoorer Straßen noch nie gegeben.
Da konnte Mathias Cremer, der Mannschaftsführer der Pfalzdorfer, nur noch gratulieren. „Hut ab. Sie haben den Tag ihres Boßel-Lebens gehabt. Wir waren noch nicht einmal schlecht, aber sie waren einfach unglaublich“, sagte Cremer.
Von Beginn an legten die Leegmoorer in allen Gruppen ein gewaltiges Tempo vor, schon bei der ersten Wende hatten sich die Gastgeber insgesamt eine leichte Führung herausgeworfen. „Danach haben wir sie immer weiter ausgebaut. Drei Gruppen haben Elferrunden geworfen, die zweite Gummigruppe hat sogar eine 10/0-Runde hingelegt“, freute sich Koch. Diese Leegmoorer Formation steuerte schließlich auch sechs Würfe zum Erfolg bei.
Pfalzdorf schaute mit 185 Würfen, die in Leegmoor auch schon mal zum Sieg reichen können, in die Röhre. „Es war einfach nichts möglich für uns. Das kann passieren, wir hatten die Punkte nicht eingeplant. Hauptsache, wir bleiben in der Tabelle vorne“, sagte Cremer.
Drei Wochen haben die Pfalzdorfer Friesensportler nun Zeit, um sich zu sammeln. Dann steht der nächste wichtige Wettkampf gegen den Vierten Leerhafe auf dem Programm. „Da sind wir echt gespannt. Sie haben sich bislang gut geschlagen“, so Mannschaftsführer Cremer.
Schirumer Leegmoor darf sich in den kommenden drei Wochen über den Sprung auf Platz zwei freuen. Dann geht es für Jannes Koch und die Leegmoorer nach Burhafe. Dort habe man in der Vergangenheit eigentlich immer ganz gut ausgesehen, sagt Koch. Doch Vorsicht ist geboten: Die vier Punkte hat Burhafe auf eigener Strecke geholt.
Von der ersten Frauenmannschaft gab es schon nach dem Wettkampf eine kleine Überraschung. Sie kamen zu Martini in Verkleidung und feierten mit den siegreichen Männern. „Das war ein lustiger Abend“, schwärmte der Leegmoorer Mannschaftsführer.
Dramatik pur auch in der Boßel-Bezirksliga der Männer. Die Friesensportler aus Dietrichsfeld haben das Bezirksliga-Derby in Sandhorst knapp gewonnen und sind nach der Heimniederlage von Ostfrisia Rahe gegen Theener nun neuer Tabellenführer. Ludwigsdorf verlor den Auswärtswettkampf in Uttel.
Sandhorst - Dietrichsfeld 3:5
-1,005/-3,019/-0,130/3,137
Diesen Wettkampf hatte es Jahrzehnte nicht mehr gegeben. Deshalb versammelten sich viele Käkler und Mäkler an der Strecke. Und beide Mannschaften lieferten: Selbst herausragende 182 Würfe reichten Sandhorst nicht zum Sieg, da auch Dietrichsfeld sehr guten Boßelsport zeigte. „Wir haben unser Herz auf der Straße gelassen. Diesen Wettkampf hatten wir uns in den vergangenen Jahren erarbeitet. Mit 182 Würfen gewinnen wir eigentlich jeden Wettkampf“, sagte Sandhorts Mannschaftsführer Dirk-Christian Saathoff.
Die Sandhorster legten los wie die Feuerwehr und erarbeiteten sich eine leichte Führung, bis kurz vor das Ziel drehte Dietrichsfeld den Wettkampf und führte nach drei Gruppen mit fünf Würfen. Die zweiten Gummigruppen beider Teams waren noch auf der Strecke – und für Sandhorst gab es eine gute Nachricht: „Wir führten mit knapp fünf Würfen“, sagte Saathoff. Bei den Schlusswürfen wurde es dramatisch. Der Dietrichsfelder Gummiwerfer schleuderte die Kugel viel weiter als gedacht, der Sandhorster Werfer warf die Kugel bis kurz über die Ziellinie – so blieben am Ende drei übrig.
Das reichte für den knappen Dietrichsfelder Sieg. „Da mussten wir uns ganz schön lang machen. Sie haben vom ersten bis zum letzten Wurf alles reingelegt“, sagte Dietrichsfelds Mannschaftsführer Matthias Niendieker.
Nach dem Triumph der Auswärtsmannschaft hallte durch das Mannschaftsheim das Liedchen „Spitzenreiter, Spitzenreiter“. Dietrichsfeld ist nun Erster, sehr zur Freude von Niendieker. „Auswärts haben wir bereits neun Punkte geholt.“
Rahe - Theener 2:3
-2,120/-0,117/2,011/-0,012
Das war eine dicke Überraschung. Selbst die Saisonbestleistung mit 186 Würfen reichten den Boßlern vom Kukelorum nicht für einen Sieg. Damit hätten die Rahester in der vergangenen Saison in der Landesliga sieben von neun Heimwettkämpfen gewonnen. Die Freunde aus Theener legten einen starken Wettkampf hin und entführten knapp beide Punkte aus Rahe.
Uttel - Ludwigsdorf 3:0
0,144/1,036 /1,007/0,084
Ludwigsdorfs Mannschaftsführer Stefan Gerdes hatte sich im Vorfeld schon etwas ausgerechnet, doch nach dem Wettkampf freute sich das Tabellenschlusslicht über drei Heimpunkte. „Sie haben einen ausgesprochen guten Tag gehabt, und wir sind einfach zu spät aus den Startlöchern gekommen“, so Gerdes. Nach zwei Runden waren die Utteler in allen Gruppen enteilt, danach entwickelte sich ein Wettkampf auf Augenhöhe. „Gegen Sandhorst müssen wir die beiden Punkte holen“, blickte Stefan Gerdes voraus.