Deutliche Heimniederlage  Mieses Kickers-Spiel vor Minuskulisse

Matthias Herzog
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Von Matthias Herzog
| 10.11.2024 16:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nach der Partie waren David Schiller (Mitte), Pascal Steinwender (links) und Torwarttrainer Christian Meyer (rechts) ratlos. Fotos: Doden/Emden
Nach der Partie waren David Schiller (Mitte), Pascal Steinwender (links) und Torwarttrainer Christian Meyer (rechts) ratlos. Fotos: Doden/Emden
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Da lief zum Start der Rückrunde beim Fußball-Regionalligisten Kickers Emden nicht viel zusammen. Bei der 0:3-Schlappe gegen Phönix Lübeck kamen erstmals weniger als 2000 Zuschauer.

Emden - Trainer Stefan Emmerling tauschte sich nach der Pressekonferenz im VIP-Raum noch mit Rießelmann-Freund und Kickers-Sympathisant Ansgar Brinkmann angeregt aus. Die beiden Ex-Profis werden es schon mehrfach in ihrer langen Karriere gesehen und erfahren haben. Nach einem großen Saisonhöhepunkt geht nichts, absolut nichts. Am Ende stand für die Ostfriesen an diesem nasskalten Novembersamstag eine völlig verdiente 0:3-Niederlage gegen Phönix Lübeck.

Es war schon erschreckend, was die Saisonminuskulisse von 1700 Zuschauern vor allem in der ersten Halbzeit in der Fußball-Regionalliga Partie von Kickers Emden zu sehen bekam. Erstmals kamen weniger als 2000 Zuschauer zu seinem Meisterschaftsspiel in dieser Saison ins Stadion. „Dafür ist das Wort zerfahren erfunden worden“, meinte ein Kollege auf der Pressetribüne zum Gekicke in der ersten Halbzeit. Damit hat er das Gebotene noch schön umschrieben. Was neben spielerischen Elementen vor allem auch fehlte waren Tugenden, die Kickers in Heimspielen im Ostfrieslandstadion eigentlich immer präsentiert, nämlich Leidenschaft und Kampfgeist.

Tido Steffens zunächst auf der Bank

Um der Mannschaft nach dem kräftezehrenden Pokalauftritt am Mittwochabend gegen den VfL Osnabrück etwas Frische einzuhauchen, nahmen die Emder drei Änderungen in der Startformation vor. Dauerbrenner und Kapitän Tido Steffens, der zuletzt auch große Ladehemmung hatte, wurde durch David Schiller ersetzt. Für Pascal Steinwender und Marten Schmitt durften Kai Kaissis und Said Abbey von Beginn an ran. Die Auswirkungen waren gleich null, Kickers wirkte völlig kraft- und ideenlos.

Dazu kam dann noch ein denkbar ungünstiger Start. In der dritten Minute mähte Kai Kaissis Jonathan Stöver im Strafraum um, den fälligen Elfmeter verwandelte Kapitän Johann Berger ganz sicher.

Phönix Lübeck stand jetzt hinten sicher, spielte aber keineswegs wie eine Übermannschaft. Farbe brachte in den ersten 45 Minuten nur noch Schiedsrichter Julian Meckfessel ins Spiel, der teilweise auch bei harmlosen Fouls die Gelbe Karte zeigte, auch Kickers-Co-Trainer Markus Unger wurde nach einem Wortgefecht mit dem Unparteiischen verwarnt. Insgesamt sechsmal griff sich der Unparteiische in die Hosentasche.

„Bei uns lief heute leider nichts zusammen. Das Spiel am Mittwoch hat natürlich Spuren hinterlassen, das hat man dann auch heute auf dem Spielfeld gesehen. Wir haben versucht, die Mannschaft zu motivieren, aber wir konnten wenig dagegenhalten. In der zweiten Halbzeit haben wir uns noch mal aufgebäumt“, meinte Trainer Stefan Emmerling nach der Partie.

Dritter Gegentreffer war Slapstick pur

Das stimmt mit der zweiten Halbzeit, durch vier Wechsel ging noch einmal ein Ruck durch die Mannschaft. Für Tido Steffens, Tobias Steffen, Niklas von Aschwege und Pascal Steinwender gab es ein gesondertes Aufwärmprogramm. Die Mannschaft kam auch sehr schnell wieder aus der Kabine und wollte nach einem frühen Motivationskreis das Spiel noch umbiegen. Es war jetzt mehr Pfeffer drin, vor allem Steinwender und Steffens sorgten zunächst für mehr Tempo. Nach dem Tiefschlaf vor dem zweiten Treffer war es dann aber endgültig vorbei. Johann Berger konnte völlig ungehindert flanken, Keeper Marcel Bergmann klebte auf der Linie fest und wurde dann mit einem Kopfball in die kurze Ecke von Jonathan Stöver (60.) überwunden.

Der dritte Treffer war dann noch Slapstick pur. Torhüter Marcel Bergmann wollte sich ins Mittelfeld dribbeln und blieb an einem Lübecker hängen, Julius Kliti (88.) schob den Ball dann zum 3:0-Endstand ins leere Tor. „Wir müssen der Mannschaft nach der tollen Hinrunde auch mal ein nicht so gutes Spiel zugestehen. Jetzt heißt es regenerieren, Freitag steht ja dann in Mepen das nächste Highlightspiel an“, sagte Emmerling.

Apropos Leistung nach einem Pokalspiel unter der Woche: Der VfL Osnabrück verlor sein Heimspiel in der 3. Lige am Samstag vor ausverkaufter Bremer Brücke gegen Dynamo Dresden sang- und klanglos mit 0:3.

Kickers Emden: Bergmann, Herbst, Dietrich, Engel (46. Steinwender), N‘Diaye (57. Stöhr), Kaissis (46. von Aschwege), Siderkiewicz, Igwe (46. Steffen), Abbey (46. Steffens), Eickhoff, Schiller.

Tore: 0:1 Berger (4./Foulelfmeter), 0:2 Stöver (60.), 0:3 Kliti (88.).

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