Clan-Großeinsatz in Ostfriesland  So gefährlich ist das illegale Glücksspiel

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Von der Redaktion
| 09.11.2024 14:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
An solchen Geräten konnte im illegalen Casino in Emden gespielt werden. Foto: Polizei
An solchen Geräten konnte im illegalen Casino in Emden gespielt werden. Foto: Polizei
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Ein Großeinsatz der Polizei in Ostfriesland hatte das illegale Glücksspiel im ostfriesischen Clan-Milieu als Ziel. Warum entscheiden sich Spieler, statt in die Spielothek ins Hinterzimmer zu gehen?

Ostfriesland - Mehr als 400 Einsatzkräfte haben in der Nacht zu Samstag, 9. November 2024, an 22 Orten in den Landkreisen Aurich, Leer, Wittmund und Friesland sowie in Emden zugeschlagen. Ihr Ziel: Orte, an denen illegales Glücksspiel angeboten wird. Die Beamten haben bei dem Einsatz unter anderem rund 30 Spielautomaten sichergestellt und noch in der Nacht mit Polizei-Lastwagen abtransportiert. Wo liegt die Gefahr beim illegalen Glücksspiel? Was hat es damit auf sich? Und: Warum spielen die Nutzer solcher Einrichtungen nicht einfach legal in Spielhallen und Casinos? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was genau ist illegales Glücksspiel?

In Deutschland dürfen öffentliche Glücksspiele – zum Beispiel Poker um Geldeinsätze oder der Betrieb von Spielautomaten – nur mit einer behördlichen Erlaubnis stattfinden. Außerdem gelten spezielle Vorschriften für Spielautomaten, die dem Spielerschutz dienen sollen. Beispielsweise sind Spielpausen und Höchsteinsätze vorgeschrieben, außerdem dürfen die Geräte pro Stunde nur einen bestimmten Geldverlust des Spielers zulassen. Bei illegal aufgestellten und betriebenen Automaten gibt es diese Schutzmechanismen nicht. Im Gegenteil: Sie sind für hohe Einsätze in kurzer Zeit ausgelegt. In der Regel werden Gewinne nicht über die Automaten ausgezahlt – sondern beispielsweise bar durch den Betreiber des Hinterzimmer-Casinos.

Wo liegt die Gefahr beim illegalen Glücksspiel?

Der Betrieb von Hinterzimmer-Casinos gefährdet einerseits die Spieler selbst, aber auch die Gesellschaft als Ganzes. Die Spieler sind ohne den Schutz der staatlichen Regelungen und Beschränkungen dem Automaten beziehungsweise dessen Betreiber ausgeliefert. Theoretisch kann in kurzer Zeit das gesamte Vermögen verzockt werden. Oftmals nehmen die Spieler dann Schulden beim Betreiber auf, hinter dem oftmals eine kriminelle Vereinigung beziehungsweise ein Clan steckt. Die Überschuldung beziehungsweise die Spielsucht treibt einige Spieler in die sogenannte Beschaffungskriminalität, um die Sucht zu finanzieren oder sich von den Schulden bei Kriminellen frei zu machen. Dazu kommt der Steuerschaden für die Gesellschaft: Die Einnahmen aus dem illegalen Glücksspiel werden nicht versteuert und gehen so am Fiskus vorbei. So finanziert illegales Glücksspiel auch andere kriminelle Machenschaften.

Warum entscheiden sich Spieler für illegale statt legale Spielhallen?

Die genannten Gefahren sind für Spielsüchtige zugleich Anreiz, die illegalen Automaten zu nutzen. Durch den Suchtdruck und die Gewinnerwartung finden viele von ihnen die Beschränkungen wie Spielpausen und Maximaleinsätze legaler Spielotheken lästig. Sie wollen beziehungsweise müssen immer weiterspielen. Illegale Hinterzimmer-Casinos bieten diese Möglichkeit. Die deutlich höheren Gewinnversprechungen lassen das verbotene Spiel lukrativer erscheinen – obwohl im Ergebnis schlicht noch mehr Geld verloren wird. Außerdem sind die illegalen Einrichtungen nicht an das Sperrsystem OASIS angeschlossen, über das Spieler flächendeckend für legale Spielotheken gesperrt werden können – etwa weil es Hinweise auf eine Spielsucht und/oder Überschuldung gibt. Mit dem Besuch im Hinterzimmer wird dieser Schutz umgangen.

Wie sehen illegale Spielhallen aus und wo befinden sie sich?

Oftmals sind Hinterzimmer-Casinos als Gaststätten getarnt – zum Beispiel als Shisha-Bar oder Café. Das Casino, von dem nur ein eingeweihter Kreis weiß, befindet sich dann buchstäblich im Hinterzimmer. Das liegt dann etwa hinter einer vor ungewollten Blicken verborgenen Tür oder hat direkt einen eigenen Hintereingang. In dem Raum selbst stehen die bunt blinkenden Automaten und gegebenenfalls noch Wett-Portale und/oder Spiel- beziehungsweise Poker-Tische, an denen um Geldeinsätze gespielt werden kann.

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