Meinung Kleen gegen Saathoff – der Ton wird rauer
Früher als gedacht kommt es im Wahlkreis Aurich-Emden zum Duell zwischen Johann Saathoff (SPD) und Dr. Joachim Kleen (CDU). Der Herausforderer schlägt schon länger einen rauen Ton an. Ein Kommentar.
Früher als geplant wird es durch das Aus der Ampel-Regierung zu Neuwahlen im Landkreis Aurich kommen. Es könnte ein ungewöhnlich scharf geführter Wahlkampf im Wahlkreis Aurich-Emden werden. Bisher wurde dort eher mit Wattebäuschen geworfen. So zuletzt 2021. Da trat Johann Saathoff (SPD, Pewsum) gegen Dr. Joachim Kleen (CDU, Großheide) an. Ihre beiden Parteien teilten sich da noch die Regierungsbank. Das hat sich geändert.
Jetzt bläst der Veterinärmediziner aus Großheide zusammen mit der CDU zum Angriff. Im Juni 2022 bezeichnete er Saathoff, den ehemaligen Russland-Beauftragten der Bundesregierung, als „Lobbyist der russischen Energiepolitik“. Bis kurz vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine habe er für Nord Stream 2 getrommelt. Kleen kritisierte Saathoff für angebliche Verbindungen zu Alt-Kanzler Gerhard Schröder, ein Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Saathoff und die SPD hätten Ostfriesland „sträflich vernachlässigt“
Danach ging es weiter mit den Nadelstichen. Weder als Parlamentarischer Staatssekretär und damit als Mitglied der Bundesregierung noch als Abgeordneter für den Wahlkreis habe Saathoff viel bewegt, kritisierte Kleen. „Nichts als Phrasen“ seien etwa zuletzt bei der Diskussion um den schleppenden Absatz von E-Autos in Emden gekommen. Und am Tag des Ampel-Aus legte Kleen nach: Ostfriesland werde von der SPD „sträflich vernachlässigt“. Saathoff sei „mitverantwortlich“ für das Scheitern der Regierung. In knapp drei Jahren Ampel habe es „keine nennenswerten Fortschritte“ für Ostfriesland gegeben.
Harte Worte. Und Saathoff? Der musste sich bisher nicht allzu offensiv gegen solche Vorwürfe wehren. Wenn irgendein Abgeordneter fest im Sattel sitzt, dann er. Dreimal in Folge wurde er mit einem Riesenabstand direkt gewählt. 2021 erhielt er 52,8 Prozent der Erststimmen. Das war bundesweit das beste Ergebnis. Kleen kam auf 17,7 Prozent.
Riesenvorsprung, der schwer aufzuholen sein wird
Es ist ein Vorsprung, der schwer aufzuholen sein wird. Doch geht es überhaupt darum? Die markigen Worte sind auch als Zeichen nach innen zu verstehen. Politiker funken auch in die eigenen Reihen. Ambitionen werden abgesteckt, Listenplätze vergeben. Wer den politischen Kontrahenten mit Samthandschuhen anfasst, hat da schlechte Karten. Erst recht in der heutigen Zeit. Der Ton wird rauer.