Bauvorhaben gescheitert Aus für Seniorendorf in Marienhafe
Ein millionenschweres Bauprojekt in Marienhafe ist geplatzt. Aber es gibt bereits neue Pläne.
Marienhafe - Aufgeschoben heißt in diesem Fall auch aufgehoben: Die Pläne für einen Senioren-Wohnpark in Marienhafe sind geplatzt. Auf der grünen Wiese an der Kirchstraße tut sich vorerst weiterhin nichts. Sie wird wie bisher landwirtschaftlich genutzt. Aber es gibt neue Pläne. Das bestätigte ihr Eigentümer, der Marienhafer Landwirt Johannes von Essen, auf Anfrage.
Wie mehrfach berichtet, sollten auf einer 27.000 Quadratmeter großen Landfläche 10.000 Quadratmeter Wohnfläche geschaffen werden. Ziel war es, Wohnkonzepte für ein gutes Leben im Alter zu entwickeln. Ältere Menschen sollten sich in dem „Seniorendorf“ mit dem Namen „Brok Marienhafe“ Wohnraum mieten oder kaufen und ihre persönlichen Möglichkeiten und Wünsche umsetzen können, so der Plan. Bei Bedarf sollten ihnen auch stationäre und ambulante Pflegeleistungen angeboten werden. Das Seniorendorf sollte mehrere Gebäudeeinheiten umfassen, in denen rund 120 barrierefreie Wohnungen entstehen sollten.
35 Millionen Euro
Etwa 35 Millionen Euro sollten in Marienhafe investiert werden. So plante es das Koblenzer Unternehmen Inovavita, dessen Vertreter das ambitionierte Projekt Ende November 2022 vorgestellt hatten. Zuvor hatte der Verwaltungsausschuss der Gemeinde Marienhafe den Beschluss zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans gefasst. Bei einer reinen Bauzeit von rund zwei Jahren sollte das Dorf in bis zu vier Jahren fertiggestellt sein. Daraus wird nun nichts mehr.
„Außer Spesen nichts gewesen“, sagte von Essen. Der Kaufvertrag zwischen ihm und der Inovavita sei nicht zustande gekommen. Bedingung dafür war eine Baugenehmigung. Doch um die hat sich die Inovavita laut von Essen nicht bemüht. Ein Bauantrag wurde demnach nie gestellt. Stichtag war der 31. Oktober dieses Jahres. In einer Mitteilung habe die Inovavita ihm ihr Bedauern darüber ausgedrückt, dass es mit dem Bauvorhaben nicht geklappt habe, berichtete von Essen, der dies ebenfalls bedauert.
Unterdessen gibt es, wie er bestätigte, neue Pläne für seiner Ländereien an der Marienhafer Kirchstraße. Demnach hat ein neuer Investor Interesse am Kauf der rund 2,5 Hektar Land bekundet. Der Geschäftsmann aus Trier, der seinen Namen noch nicht in der Zeitung lesen möchte, bestätigte dies. Er sei seit Kurzem in Sondierungsgesprächen mit der Gemeindeverwaltung, berichtete er, betonte aber, dass es bisher weder Verträge und noch endgültige Pläne gebe.
Fest aber steht: Ein Seniorendorf mit Pflegedienstleistungen soll es nicht mehr geben. „Das ist nicht mein Kerngebiet“, betonte der Investor. Er entwickele etwas Neues, ein Wohnprojekt mit Ferien- oder Dauerwohnungen. Einzelheiten stünden noch nicht fest, so der Trierer. Es gebe einiges hinsichtlich Baurecht, Lärmschutz und Entwässerung zu beachten. Die Hürden sind hoch. Der zu betreibende Aufwand könnte es auch sein. Am Ende müsse sich das Vorhaben rechnen lassen, hieß es.
Erster Planentwurf
Nach ON-Information ist der Bau von kleineren Einfamilien- und Doppelhäusern sowie Wohnblocks geplant. Ein erster Planentwurf soll bei der Verwaltung auf Skepsis und Missfallen gestoßen sein und daher nun überarbeitet werden.
Von Essen begrüßte die Initiative des neuen Investors grundsätzlich. Er stehe auch ihm gegenüber zu seinem Wort und sei bereit, sein Land zu den genannten Bedingungen zu verkaufen. „Wenn sie es haben wollen, kriegen sie es“, sagte der 71-Jährige. Einen neuen über weitere Jahre laufenden Vorvertrag, der an eine Baugenehmigung geknüpft sei, werde er aber nicht unterschreiben. Bis Ende 2025 gebe er dem Investor Zeit. Solange gelte seine Zusage. „Dann sollte das erledigt sein“, betonte der als zuverlässig geltende Landwirt.
Von der Inovavita war zu der aktuellen Entwicklung keine Stellungnahme erhältlich. Ihr Geschäftsführer Dirk Hillesheim, der vor Jahresfrist auf ON-Anfrage noch betont hatte, trotz schwieriger Rahmenbedingungen an dem Marienhafer Projekt festzuhalten, war nicht erreichbar.