Neue Geschäftsführerin  Hamburgerin übernimmt Ruder bei Norder Stadtwerken

| | 25.10.2024 16:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die künftige Geschäftsführerin der Wirtschaftsbetriebe Norden: Dr. Alexandra Thürkow. Foto: Rebecca Kresse
Die künftige Geschäftsführerin der Wirtschaftsbetriebe Norden: Dr. Alexandra Thürkow. Foto: Rebecca Kresse
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Anfang des Jahres haben die Stadtwerke Norden ihre Führungsriege verloren. Mit einer neuen Geschäftsführerin soll nun der Neustart versucht werden.

Norden - Dr. Alexandra Thürkow wird neue Geschäftsführerin der Wirtschaftsbetriebe Norden GmbH (WBN). Die Stadtverwaltung stellte die 44-Jährige aus Hamburg jetzt vor. Derzeit ist die studierte Rechtsanwältin Geschäftsführerin der Stadtwerke Bergen GmbH im Landkreis Celle). Ihre Stelle in Norden tritt sie zum 1. April 2025 an. Interimsgeschäftsführer Marcus Aukskel wird sich dann wieder ausschließlich auf seine Aufgaben als Erster Stadtrat konzentrieren.

Mit Alexandra Thürkow sind nun alle Posten in der neuen Führungsstruktur der WBN wieder besetzt. Neben der künftigen alleinverantwortlichen Geschäftsführerin wurden in der zweiten Führungsebene in den vergangenen Monaten Eva Krüger-Linzer als Kurdirektorin, Thomas Brede als Leiter Technik und Thorsten Naumann als Leiter Markt eingestellt. Nach personell turbulenten Zeiten soll mit dem neuen Team Ruhe bei den WBN einkehren und wieder die inhaltliche Entwicklung des Unternehmens im Vordergrund stehen.

Stellten am Freitag die neue Geschäftsführerin Dr. Alexandra Thürkow gemeinsam vor: Erster Stadtrat Marcus Aukskel (von links), Wolfgang Sikken (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender Olaf Wiltfang und Bürgermeister Florian Eiben. Foto: Rebecca Kresse
Stellten am Freitag die neue Geschäftsführerin Dr. Alexandra Thürkow gemeinsam vor: Erster Stadtrat Marcus Aukskel (von links), Wolfgang Sikken (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender Olaf Wiltfang und Bürgermeister Florian Eiben. Foto: Rebecca Kresse

Erfahren im Bereich Energiewirtschaft

Wie berichtet, fehlte nach dem unrühmlichen Abgang von Stefan Krieger rund eineinhalb Jahre ein neuer Kurdirektor. Anfang des Jahres wurde plötzlich die Führungsriege bei den Stadtwerken entlassen. Der Geschäftsführer Thorsten Schlamann verließ Norden aus persönlichen Gründen in Richtung der Stadtwerke Lingen. Sein eigentlicher Nachfolger Said M. R. Khashey wurde bereits in der Probezeit gefeuert, weil er betrogen haben soll. Er soll falsche Angaben in seinen Bewerbungsunterlagen gemacht haben, war für den Posten gar nicht qualifiziert. Der Erste Stadtrat übernahm die Geschäftsführung interimsmäßig, zusätzlich zu seinem Posten im Rathaus.

Jetzt also der Neustart. Alexandra Thürkow ist erfahren im Bereich der Energiewirtschaft. Wie sie selbst erzählte, ist sie seit vielen Jahren in verschiedenen Führungspositionen der SVO Holding tätig, einem kommunalen Energieunternehmen im Landkreis Celle und zurzeit Geschäftsführerin der Stadtwerke Bergen. Ihre Bewerbung nach Norden war nicht initiativ. Sie wurde auf die freie Stelle aufmerksam gemacht. Zuletzt hatte die Stadt Norden mithilfe einer Bremer Personalberatung nach einem neuen Geschäftsführer gesucht.

Gegen 65 Bewerber durchgesetzt

Sowohl das Unternehmen als auch die Stadt Norden reizten sie. Es sei ein guter Ort, für sie und ihre Familie, so Thürkow. Außerdem seien die Norder Stadtwerke finanziell gut aufgestellt. „Da ist viel richtig gemacht worden in den vergangenen Jahren“, sagte sie. Sowohl die Technik als auch die Finanzen sowie das Personal stimme in Norden. Zusätzlich reize sie der Verbund mit dem Bereich Tourismus und Bäder und die damit verbundene Frage, wie man eine Region gestaltet, sagte Thürkow. Die kommunale Verwurzelung der Norder Stadtwerke und die Stabilität des Unternehmens seien zudem extrem wichtig. Dass die WBN zudem zu 100 Prozent in kommunaler Hand seien, sei „erfrischend“.

Alexandra Thürkow konnte sich unter insgesamt 66 Bewerbungen durchsetzen, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der WBN, Olaf Wiltfang. 17 dieser Bewerber hätten alle notwendigen Voraussetzungen für den Geschäftsführerposten erfüllt. Eine Kommission bestehend aus Bürgermeister Florian Eiben, Erstem Stadtrat Marcus Aukskel, den CDU-Ratsmitgliedern Volker Glumm und Wolfgang Sikken sowie dem WBN-Aufsichtsratsvorsitzenden Olaf Wiltfang, hatten schließlich sieben Kandidaten herausgesucht. Fünf davon wurden zum Gespräch geladen. Am Ende konnte Alexandra Thürkow alle überzeugen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Thürkow will nach eigenen Aussagen als Führungskraft „stabilisieren und Ruhe reinbringen“. Es sei ihr zunächst wichtig, zuzuhören. Sie stehe für Beständigkeit, gleichzeitig müsse man sich aber auch bewegen und offen für Neues sein. Dafür brauche es ein gutes Team. „Ich bin kollegial, gleichzeitig aber auch Rechtsanwältin. Es gibt klare Prozesse und Regeln“, sagte Thürkow. Schon in der Vorstellungsrunde vermittelte sie den Eindruck, dass sie genau weiß, wovon sie spricht. Anders als Marcus Aukskel, der sich kurzfristig in die Themen der Energiewirtschaft einarbeiten musste, verfügt Thürkow über großes Fachwissen und Erfahrung in dem Bereich. Sie freut sich auf die neue Aufgabe in Norden, betonte die Mutter einer fast vierjährigen Tochter. Sie plane langfristig in Norden zu bleiben. Zunächst laufe ihr Vertrag für eine Dauer von fünf Jahren. Das sei in der Energiewirtschaft aber üblich. Danach müssen beide Seiten den Vertrag verlängern.

Ihr kurzfristiger Vorgänger, Said M. R. Khashey, wird sich für den mutmaßlichen Betrugsversuch voraussichtlich schon bald verantworten müssen. Nachdem Marcus Aukskel im Juni Strafantrag gegen Khashey gestellt hat, ermittelt jetzt auch die Staatsanwaltschaft Aurich gegen ihn wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung.

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