Kinderbetreuung  Aurich kauft Grundstück – vielleicht für eine neue Kita

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 22.10.2024 19:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein verfallenes Haus und 6200 Quadratmeter Grundstück hat die Stadt Aurich in Rahe gekauft. Foto: Heino Hermanns
Ein verfallenes Haus und 6200 Quadratmeter Grundstück hat die Stadt Aurich in Rahe gekauft. Foto: Heino Hermanns
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In Rahe hat die Stadt Aurich ein Grundstück gekauft. Die Verwaltung möchte dort eine Kita bauen. Die Politik ist davon nicht überzeugt.

Aurich - Geld ausgegeben hat der Verwaltungsausschuss (VA) der Stadt Aurich am Montagnachmittag. Für 215.000 Euro wurde in Rahe ein Grundstück mit einer Größe von über 6200 Quadratmeter gekauft. Es liegt direkt an der Oldersumer Straße in Höhe der Raher Straße. Das Vorhaben war in den vergangenen Monaten nicht unumstritten. Denn dort, so der Vorschlag der Auricher Stadtverwaltung, könnte eine neue Kindertagesstätte entstehen.

Ausdrücklich weist Stadtsprecher Cord Cordes in seiner Mitteilung daher darauf hin, dass der VA noch keine endgültige Entscheidung über eine neue Kita getroffen habe. Die politische Diskussion habe aber ergeben, dass der Kauf des großen Grundstücks für die Stadt Aurich unabhängig davon als Flächenbevorratung sinnvoll sei. Denn dort könnten nicht nur eine Kindertagesstätte, sondern auch Wohnungen gebaut werden.

Kein Grundstück „Im Timp“ reserviert

Eine neue Kita in dem Bereich wird nötig, weil das Baugebiet „Im Timp“ nun immer mehr wächst. Mehr und mehr Häuser werden fertiggestellt, und die jungen Familien benötigen Betreuungsplätze für die Kinder. Es wurde allerdings bei den Planungen für das Baugebiet versäumt, ein geeignetes Grundstück für eine Kindertagesstätte zu reservieren.

Es wurde seitens des Investors zwar ein Grundstück angeboten. Der Kaufpreis hat aber verhindert, dass die neue Kita am großen Baugebiet „Im Timp“ entstehen kann. Denn dort würde allenfalls die Hofstelle an der Straße „Im Timp“ in Frage kommen. Das aber war der Stadtverwaltung zu teuer. Udo Fuhrmann, der das Gebiet „Im Timp“ entwickelt, hatte der Stadt ein unverbindliches Angebot gemacht.

Dieses betrifft laut Fuhrmann nicht nur den Verkauf der alten Hofstelle mitsamt einem 4668 Quadratmeter großen Grundstück, sondern auch den Abriss der Gebäude sowie eine Vorplanung der Kita. Dafür seien in einer ersten Kalkulation 1,2 Millionen Euro angesetzt worden. Da eine Kita mit fünf Gruppen laut Fuhrmann nur ein 3500 Quadratmeter großes Grundstück benötigt, würde sich der Preis dementsprechend noch reduzieren. Es sei kein Problem, nur einen Teil des Hofgrundstücks für die Kita zu nutzen, so Fuhrmann.

Krippe und Kindergarten in Extum sollen umziehen

Als zu gefährlich wurde der Standort an der Oldersumer Straße aber vom Sozialausschuss der Stadt bewertet. Im Gegensatz zum Finanzausschuss gab es daher im August kein Votum für den Grundstückskauf. Stattdessen gab es zahlreiche neue Angebote für die Stadtverwaltung. Unbebaute Grundstücke, aber auch Immobilien, die umgebaut werden könnten, wurden als Standort für eine neue Kita angeboten. Derzeit prüft die Verwaltung noch, was davon in Frage kommen könnte.

Die Genehmigung für die Containerkrippe in Extum läuft im kommenden Jahr aus. Foto: Romuald Banik
Die Genehmigung für die Containerkrippe in Extum läuft im kommenden Jahr aus. Foto: Romuald Banik

Um schnell bauen zu können, müssen laut Verwaltung zwei Bedingungen erfüllt sein: Die Grundstücke müssen, bebaut oder unbebaut, sofort verfügbar sein. Und es muss einen gültigen Bebauungsplan geben. Denn müsste erst eine komplette Bauleitplanung durchlaufen werden, würde das den Kita-Bau lange verzögern. Und das wäre nicht wünschenswert, denn die Zeit drängt. Es ist nämlich geplant, dass die neue Kita die Krippe und den Kindergarten in Extum ablösen soll. Dort ist es eng, und die Krippe ist in befristet gemieteten Containern untergebracht. Diese kosten zudem monatlich auch Geld.

Ganztagsplätze sind Mangelware

Jetzt hat die Stadt sich auf jeden Fall schon einmal das Grundstück an der Oldersumer Straße gesichert. Sollte die Prüfung der übrigen Angebote nichts ergeben, kann also jederzeit mit dem Neubau einer Kindertagesstätte in Rahe begonnen werden. Der Beschluss im Verwaltungsausschuss war dabei nur der letzte Baustein. Denn der Kaufvertrag wurde bereits im August notariell beglaubigt – vorbehaltlich der politischen Zustimmung.

Eine große Wahl hat die Stadt Aurich nicht. Das zeigen die aktuellen Zahlen der belegten Kita-Plätze, die am Mittwoch im Sozialausschuss der Stadt vorgestellt werden. Demnach gibt es in Aurich 2007 Plätze in Krippen, Kindergärten und Horten. Lediglich in den Vormittagsgruppen der Kindergärten waren mit 61 Plätzen noch nennenswerte Kapazitäten am Stichtag 1. August dieses Jahres vorhanden. Hingegen gab es bei den Kindergärten nur noch sieben freie Ganztagsplätze. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Krippenplätzen. Auch da sind die Ganztagsplätze begehrt – nur noch 14 waren am 1. August frei. Und der Bedarf steigt seit Jahren, weswegen ein Neubau unumgänglich ist.

Das Bild hat sich in den vergangenen Wochen zudem gewandelt, sagte die zuständige Fachdienstleiterin Brigitte Weber am Mittwoch im Sozialausschuss. Denn am 1. August seien noch Sommerferien gewesen. Jetzt würde es Wartelisten geben. Insgesamt 15 Eltern seien auf der Suche nach einem Krippenplatz, weitere 38 benötigten für ihr Kind einen Kindergartenplatz. Und 40 Eltern suchten Hortplätze. Dafür aber gebe es keinen Rechtsanspruch, so dass diese Wünsche derzeit nicht erfüllt werden könnten.

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