Osnabrück Warum Putins Kalkül, dem Westen das Wasser abzugraben, kaum aufgehen wird
Die Brics-Staaten gewinnen Einfluss – doch wie einheitlich sind ihre Ziele? Während Moskau und Peking vor allem gegen den Westen mobilisieren, lassen sich Brasilien, Indien und Südafrika nicht zu Handlangern machen.
So isoliert, wie man es sich in Berlin, Brüssel und Washington wünscht, ist Wladimir Putin trotz seines Krieges gegen die Ukraine international längst nicht. Als Gastgeber des diesjährigen Brics-Gipfels in Kasan machen dem russischen Präsidenten nicht nur die Staats- und Regierungschefs der übrigen Gründungsmitglieder Brasilien, China, Indien und Südafrika die Aufwartung.
Dass der Verbund an Attraktivität gewonnen hat, zeigt die Tatsache, dass sich ihm in diesem Jahr auch Iran, Ägypten, Äthiopien und die Vereinigten Arabischen Emirate angeschlossen haben. Noch mehr Länder bekunden Interesse; sogar das Nato-Land Türkei liebäugelt mit einem Beitritt.
Die Aussicht, die Dominanz des Westens als vorrangigem Nutznießer globaler Verflechtungen im Kielwasser einer multipolaren Weltordnung brechen zu können, entfaltet offenbar eine nicht zu unterschätzende Anziehungskraft.
Doch ist sich die Brics-Gruppe wirklich einig, eine Phalanx gegen den Westen schmieden zu wollen? So sehr sich Wladimir Putin und Xi Jinping als treibende Kräfte dafür starkmachen, den USA, der EU sowie den mächtigen Industriestaaten der G7 und der Nato politisch, ökonomisch und militärisch Paroli zu bieten – die Interessen der Brics-Mitglieder stimmen nur begrenzt überein.
So steht Brasilien westlichen Partnern viel näher, als man es in Moskau und Peking wahrhaben will. Südafrika kooperiert zwar militärisch eng mit China und Russland, beharrt gleichwohl aber auf Blockfreiheit. Und Indien strotzt derart vor Selbstbewusstsein, dass es sich Pekings Führungsansprüchen mitnichten unterordnen wird. Die drei Staaten haben also wenig Interesse daran, Brics zu einer Quelle permanenter globaler Polarisierung zu machen.
Weitgehend einig ist man sich im Willen, enger zu kooperieren, um die ökonomische Entwicklung der Länder voranzutreiben – natürlich auch, um die schwindende Vorherrschaft der USA in der internationalen Politik zu beschleunigen. Wie tragfähig diese Vision ist, wird sich zeigen.
Allein dem Dollar als internationale Handelswährung Nummer eins abschwören zu wollen, dürfte sich als überaus schwierig erweisen. Gleichwohl mausert sich die Brics-Gruppe zu einer Herausforderung für die globale Ordnung, die weder die USA noch Deutschland und die EU unterschätzen sollten.