Hamburg  Studie: Warum auch am Schreibtisch stehen der Gesundheit schaden kann

Patrick Kern
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Von Patrick Kern
| 20.10.2024 08:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Sich nach Stunden von seinem Stuhl zu erheben, kann sich im ersten Moment gut anfühlen. Aber wer dann zu lange auf der Stelle steht, könnte einer Studie zufolge ebenfalls gesundheitliche Probleme bekommen. Foto: IMAGO/Depositphotos
Sich nach Stunden von seinem Stuhl zu erheben, kann sich im ersten Moment gut anfühlen. Aber wer dann zu lange auf der Stelle steht, könnte einer Studie zufolge ebenfalls gesundheitliche Probleme bekommen. Foto: IMAGO/Depositphotos
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Stundenlanges Sitzen wird auch gerne als das neue Rauchen bezeichnet. Viele Menschen am Schreibtisch wechseln daher regelmäßig zur Arbeit im Stehen. Dass das aber unter Umständen auch der Gesundheit schaden kann, ergibt nun eine neue Studie. Was wird stattdessen empfohlen?

Dass zu langes Sitzen ungesund ist, ist allseits bekannt. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wird so Übergewicht begünstigt, weil man im Sitzen weniger Energie verbraucht und so der Körperfettanteil steigt. Neben Verspannungen, Kopf- und Rückenschmerzen steigt zudem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Depressionen und Burnout.

Aus diesem Grund hat sich in vielen Büros und auch zu Hause durchgesetzt, sich zwischendurch hinzustellen und im Stehen weiterzuarbeiten. Manche arbeiten inzwischen ausschließlich im Stehen – mit der Überzeugung, dass das förderlich für die Gesundheit sei.

Einer neuen Studie zufolge ist das jedoch ein Trugschluss. Wie Forscher der University of Sydney herausgefunden haben, reduziert das Stehen nicht das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Stattdessen könne beispielsweise das Risiko von Krampfadern und Venenthrombosen steigen. In der Studie wurden die Gesundheitsveränderungen von mehr als 80.000 Erwachsenen über einen Zeitraum von bis zu acht Jahren beobachtet.

„Die wichtigste Erkenntnis ist, dass zu langes Stehen einen ansonsten sitzenden Lebensstil nicht ausgleicht und für manche Menschen in Bezug auf die Kreislaufgesundheit riskant sein kann. Wir haben festgestellt, dass mehr Stehen die kardiovaskuläre Gesundheit auf lange Sicht nicht verbessert und das Risiko von Kreislaufproblemen erhöht“, sagte Matthew Ahmadi, stellvertretender Leiter des Mackenzie Wearables Research Hub des Charles Perkins Centre, das der Universität angehört.

Die Forscher empfehlen daher, die langen Arbeitsphasen mit kleinen Bewegungsphasen zu ergänzen: „Machen Sie regelmäßig Pausen, gehen Sie umher, nehmen Sie an einem Meeting im Gehen teil, benutzen Sie die Treppe, machen Sie regelmäßig Pausen, wenn Sie lange Strecken fahren, oder nutzen Sie die Mittagspause, um vom Schreibtisch wegzukommen und sich ein wenig zu bewegen“, schlägt Emmanuel Stamatakis, Leiter des Research Hubs, vor. 

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung spricht Bewegungsempfehlungen aus, um negativen Folgen von zu langem Sitzen oder Stehen vorzubeugen.

Demnach wird Erwachsenen geraten, mindestens 150 Minuten pro Woche ausdauerorientierte Bewegung mit moderater Intensität durchführen, beispielsweise fünfmal 30 Minuten pro Woche, aufgeteilt auf dreimal zehn Minuten pro Tag. Hinzu kommen muskelkräftigende körperliche Aktivitäten an mindestens zwei Tagen pro Woche. Generell gilt aber: Wer bislang gänzlich körperlich inaktiv war, bei dem ist auch bereits eine geringe körperliche Betätigung für die Gesundheit förderlich.

Bei Kindern wird eine höhere Bewegungszeit pro Tag empfohlen. Je nach Entwicklungsphase (Kleinkinder, Grundschulkinder, Jugendliche) wird geraten, insgesamt zwischen 90 und 180 Minuten Bewegung in moderater bis hoher Intensität in den Alltag einzubinden.

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