So war die Auktion in Norddeich Großer Ansturm auf Strandkörbe für den heimischen Garten
Nordsee-Fans ersteigerten am Samstag in Norddeich ausgemusterte Strandkörbe. Woher die stammen und warum sie hoch im Kurs stehen.
Norddeich - Monika Postel strahlt übers ganze Gesicht. Seit wenigen Minuten ist sie stolze Besitzerin eines original Norddeicher Strandkorbs. 315 Euro hat der sie gekostet. Damit war ihr Limit noch nicht erreicht. Notfalls wäre sie bereit gewesen, auch noch mehr für das außen weiß geflochtene und innen grün-weiß gepolsterte Strandmöbelstück zu zahlen. So weit aber kam es nicht. Postel entschied diese Runde der Norddeicher Strandkorb-Auktion für sich.
Der Strandkorb solle nun einen Platz auf ihrem Balkon in Frankfurt am Main finden, erklärt sie. Sie sei Fan der Nordsee, habe schon häufiger in Norddeich Urlaub gemacht. „Damit hole ich mir ein Stück Urlaubsgefühl nach Hause“, sagte Postel.
So wie sie denken an diesem Sonnabend viele. Trotz trüben Wetters und Regenschauern sind zahlreiche Interessierte aus nah und fern nach Norddeich gekommen, um ein Souvenir zu ersteigern. Einige Interessenten seien eigens für die Versteigerung von weither angereist, so unter anderem aus Nordrhein-Westfalen, berichtete Ilona Eilts vom Tourismusservice der Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden. Zudem verfolgten viele Schaulustige die besondere Auktion. Auch das Medieninteresse war groß. Kamerateams von NDR, RTL und ZDF waren angereist.
140 Bieter ließen sich registrieren
35 große Exemplare sowie fünf Hundestrandkörbe wurden laut Eilts verkauft. Gemeinsam mit ihren Kollegen registrierte sie 140 Bieter, die ein Schnäppchen machen wollten. Doch von Schnäppchen konnte nicht immer die Rede sein. Das Anfangsgebot lag bei 50 Euro. Die Zuschläge wurden in allen Fällen für ein Mehrfaches dieses Betrag erteilt. Beispiel: Der erste Strandkorb ging für 300 Euro weg. Der Höchstpreis, zu dem ein Exemplar versteigert wurde, lag bei 450 Euro. Für diese Summe ging der letzte Strandkorb an einen neuen Besitzer. Etwa ein Dutzend Bieter hätten diesen Strandkorb unbedingt haben wollen, berichtete Eilts. Der günstigste Strandkorb wurde für 250 Euro abgegeben. Zum Vergleich: In den Vorjahren seien die Körbe meist für 100 bis 200 Euro versteigert worden, hieß es.
Immer wieder schnellten die nummerierten Bieterkarten in die Höhe, als die beiden Auktionatoren, Norddeichs Strandchef Harald Lübbers, und Badleiter Vollmar Constapel die Gebote aufriefen. Es sei noch mehr los gewesen als in den Vorjahren. Durch den großen Andrang seien die Preise für die weißen, blauen und grünen Norddeicher Körbe mit zum Teil besonderer Meeres-Optik gestiegen, erklärte Eilts. Hinzu kam ein dieses Mal knapperes Angebot. Zum Vergleich: Im Vorjahr kamen 60 Strandkörbe unter den Hammer.
Eigentlich war geplant, dass noch mehr Strandkörbe angeboten werden sollten. „Die anderen aber waren nicht mehr zu verkaufen“, berichtet Sascha Frohloff, zuständig für die Reparatur und Vermietung der Strandkörbe.
750 Strandkörbe stehen in Norddeich
750 Exemplare stehen in der Sommersaison am Strand von Norddeich. Inzwischen befinden sie sich bereits im Winterquartier. Mit Blick auf die Sturmflutsaison müssten die Strandkörbe bis Mitte September vom Strand verschwinden, erklärt Eilts. Im Winterquartiere werden sie für die nächste Saison aufbereitet.
Bei den ausgemusterten Strandkörben handelte es sich um solche, die bereits bis zu 15 Jahre ihren Dienst getan hatten. Zwar waren sie vor der Versteigerung gewartet und gereinigt worden. Gebrauchsspuren und Einflüsse von Sonne, Sand und Seeluft aber waren unübersehbar. Das aber mache sie authentisch, hieß es. Der Erlös der Versteigerung fließt in die Kasse der Norder Wirtschaftsbetriebe.
Die meisten Bieter waren mit einem Anhänger am Fahrzeug nach Norddeich gekommen, da die Käufer selbst für den Abtransport der Strandkörbe zuständig sind und diese nicht nur bar vor Ort bezahlen sollen auch möglichst gleich mitnehmen mussten.
Das galt auch für Liane und Wolfgang Hagemeier aus Wülfrath bei Düsseldorf. Sie ersteigerten nicht nur einen Strandkorb für sich, sondern für 125 Euro auch eine Mini-Version für ihre Hündin „Flocke“. Der Malteser-Mischling machte es sich darin sofort bequem.