Abgesagtes Ferienprogramm  Urlaubsfrust statt Trainingslust

| | 18.10.2024 12:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Verschlossene Türen am Trainingsplatz des FC Norden: Weil die ehrenamtlichen Trainer fehlten, musste das Fußballcamp in den Ferien abgesagt werden. Foto: Rebecca Kresse
Verschlossene Türen am Trainingsplatz des FC Norden: Weil die ehrenamtlichen Trainer fehlten, musste das Fußballcamp in den Ferien abgesagt werden. Foto: Rebecca Kresse
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Das Fußballcamp des FC Norden wurde kurzfristig abgesagt. Das sorgte für lange Gesichter bei den Kindern und Sorgen bei den Eltern. Der Verein sprach mit dieser Zeitung über die Hintergründe.

Norden - Seit Wochen hatten sich die Kinder darauf gefreut – das Fußballcamp des FC Norden in der zweiten Woche der Herbstferien. Und auch viele arbeitende Eltern waren froh, ihren Nachwuchs in den Ferien gut betreut zu wissen. Schließlich handelt es bis 13 Uhr. Doch nur wenige Tage vor Beginn wurde das Fußballcamp abgesagt. Das sorgte bei manchem Nachwuchskicker für Urlaubsfrust statt Trainingslust, wie eine Mutter im Gespräch mit unserer Zeitung erzählte. Zwar bemühte sich die Kreisvolkshochschule (KVHS) Norden mit einem Angebot in der Kunstschule für ein Ausweichprogramm. Basteln statt Ballspielen, kam aber nicht bei jedem der Kinder gut an.

Wie Sabrina Fischer vom Team der KVHS Norden bestätigte, sagte der FC Norden das Fußballcamp eine Woche vor Beginn bei der KVHS ab. Die KVHS verwaltet die Anmeldung für das städtische Ferienprogramm. „Wir haben uns dann sehr bemüht, noch ein Ausweichangebot auf die Beine zu stellen, und sind der Kunstschule sehr dankbar, dass sie schnell eingesprungen ist“, sagte Fischer. Dort konnten die Kinder dann T-Shirts bemalen und Tischkicker bauen. „Die Kunstschule wollte wenigstens thematisch beim Fußball bleiben“, so Fischer. Trotzdem nahmen nur neun von ursprünglich gemeldeten 13 Kindern das Alternativangebot an. Zum Teil auch, weil die Eltern auf die Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind, während sie arbeiten. Andere Kinder waren nicht für das Basteln zu begeistern, erzählte eine Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Nicht jedes Kind bastele gern, ihr Sohn wollte einfach gerne Fußballspielen. So musste sie ihn während der Arbeitszeit bei Freunden und Verwandten unterbringen. Nicht einfach, wenn man Beruf und Familie unter einen Hut kriegen muss.

Ehrenamtliche Trainer fehlten

Das Problem beim FC Norden, so schilderte es Vorstandsmitglied Jelto Müller im Gespräch mit unserer Zeitung, der Verein konnte für die Herbstferien keine Ehrenamtlichen finden, die das Fußballcamp übernehmen wollten. „Ich muss für so ein Camp qualifiziertes Personal abstellen, das die Kinder eine Woche lang betreuen“, sagte Müller. Es gebe im Verein einen Sportlehrer, der auch schon viele dieser Camps übernommen hat. Der war in den Herbstferien aber diesmal selbst im Urlaub. „Wir merken im Verein, dass es immer schwieriger wird, die ehrenamtlichen Aufgaben zu besetzen“, sagte Müller. Das habe sich seit Corona deutlich verändert. Der mögliche Nachwuchs in dem Bereich verbringe eher Zeit mit der Familie oder für sich selbst, als sich zu engagieren. Bis zuletzt habe sich der Verein bemüht, einen Trainer für das Camp zu finden. Deshalb sei die Absage auch recht kurzfristig erfolgt.

„Wir können da aber auch nicht irgendjemanden hinstellen, denn wir haben schon einen Anspruch an die Arbeit mit den Kindern“, so Müller. Das sei für eine Gebühr von 50 Euro pro Kind für das Ferienprogramm kaum noch darstellbar. Denn neben dem Fußball gehe es auch um Dinge wie etwa ein gesundes Frühstück für die Kids. Außerdem nehme die Integrationsarbeit im Training einen immer größeren Raum ein – nicht nur im Ferienprogramm, sondern auch generell in der Vereinsarbeit. Zum einen gebe es Sprachunterschiede, weil viele Kinder aus Flüchtlingsfamilien zum Verein kommen, wie Müller berichtete. Zum anderen müsse der Verein viele Aufgaben übernehmen, die früher klassisch die Eltern übernommen hätten. So sei es völlig normal gewesen, dass die Eltern reihum die Teamkleidung nach einem Spieltag waschen. „Heute muss der Trainer das noch zusätzlich machen, weil die Eltern dazu nicht mehr bereit sind“, erklärte Müller. Auch seien die Eltern nicht mehr bereit, sich im Verein zu engagieren. „Früher standen die Eltern am Rand, haben Kuchen gebacken und mitgeholfen beim Verkauf. Heute laden viele Eltern ihre Kinder mit dem SUV ab, fahren weiter und erwarten, dass ihre Kinder dreimal die Woche perfekt betreut werden“, schildert Müller seine Eindrücke im Verein.

Verein musste Zeiten reduzieren

Zurzeit ist der FC Norden der einzige Sportverein, der das Fußballcamp im Ferienprogramm anbietet – und zwar mehrmals im Jahr. In den Osterferien, in den Sommerferien und in den Herbstferien gibt es normalerweise das Angebot. In den Sommerferien lief das Camp auch über drei Wochen. Früher, so erzählte es Müller, seien Anmeldezahlen von rund 30 Kindern normal gewesen. „Heute melden sich vielleicht 13 Kinder an und davon kommen aber nicht alle, oder die Kinder kommen nur an zwei Tagen. Die Anmeldung durch die Eltern ist nicht mehr verlässlich“, so Müller. Das führt auch zu Frust im Verein. Denn bei vielen Anmeldungen hat der FC Norden die Kinder in mehrere Gruppen eingeteilt, dafür mehrere Trainer abgestellt. „In einem internen Gespräch mussten wir uns eingestehen, dass wir das so nicht mehr schaffen, wenn wir die Qualität halten wollen“, sagte Müller. Deshalb hat der Verein zunächst die Zeiten reduziert und bietet jetzt maximal eine Woche Camp pro Ferien an. Doch auch das hat in diesen Ferien nicht funktioniert.

Grundsätzlich möchte der FC Norden auch künftig die Fußballcamps anbieten. Dafür braucht es aber freiwillige Helfer und auch verlässliche Eltern. Eine Idee von Jelto Müller ist es zudem, sich mit anderen Vereinen in Norden zusammenzusetzen, um das Programm künftig vielleicht gemeinsam auf die Beine zu stellen.

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