Berlin  Heizen mit der Klimaanlage: Die günstige Alternative zur Gasheizung? 

Sophie Wehmeyer
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Von Sophie Wehmeyer
| 16.10.2024 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Funktioniert die Klimaanlage auch als Heizungsersatz im Winter? Foto: IMAGO/Pond5 Images
Funktioniert die Klimaanlage auch als Heizungsersatz im Winter? Foto: IMAGO/Pond5 Images
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Während die Gaspreise explodieren, wird fleißig nach Alternativen gesucht, um die Heizkosten so gering wie möglich zu halten. Dabei fällt der Blick auf Klimaanlagen. Können sie in Zeiten der Gaskrise im Winter als Heizungsersatz überzeugen?

Dauerhaft per Klimaanlage heizen? Das klingt nach einem schlechten Scherz, aber wenn die Gasrechnung drückt, wird die Suche nach Alternativen immer drängender. Kann das Gerät, das im Sommer für kühle Luft sorgt, auch im Winter die Wohnung warmhalten – und das noch günstiger als die bewährte Gasheizung? Stiftung Warentest hat die besondere Heizalternative getestet und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis.

Klimaanlagen sind längst nicht mehr nur für heiße Sommertage gedacht. Seit der Gaskrise wird ihre Heizfunktion zunehmend als Alternative zur Gasheizung betrachtet. Und im Test hat sich das Heizen mit Klimageräten als Ergänzung in einzelnen Räumen als äußerst effizient erwiesen.

Stiftung Warentest hat sieben Klimaanlagen auf ihre Heizfunktion getestet, indem eine Außentemperatur zwischen -15 und +12 Grad simuliert wurde. Diese Temperaturdifferenzen sollten dem Verlauf einer gewöhnlichen Heizperiode entsprechen. Ziel war es, dass alle Geräte im Innenraum eine Temperatur von 20 Grad halten – und dieser Versuch war erfolgversprechend.

Nach Hochrechnungen, die Stiftung Warentest anhand der Testergebnisse durchgeführt hat, ist das Beheizen eines 25 Quadratmeter großen Raumes mit der Klimaanlage im Schnitt rund ein Fünftel günstiger als mit Gas. Die Effizienz hänge aber vor allem von der Qualität des Gerätes und der Außentemperatur ab.

In Bezug auf die Heizleistung zeigte der Test, dass einige Klimageräte den Testraum sehr schnell auf die gewünschte Temperatur bringen konnten. Das Bosch-Gerät schaffte es beispielsweise, den Innenraum innerhalb von 7,5 Minuten auf 20 Grad zu erwärmen. Das Fujitsu-Modell war beinahe genauso schnell. Am längsten brauchte das Gerät von Daikin mit 12 Minuten. Dennoch konnten alle Modelle ihre Schnelligkeit gegenüber klassischen Heizsystemen beweisen.

Lediglich bei -15 Grad bekamen die Geräte von Daikin und Hitachi Probleme, bei -7 Grad liefen aber alle Klimaanlagen problemlos.

Die Beispielrechnung zeigte außerdem deutliche finanzielle Einsparungen gegenüber Gasheizungen. So lag der jährliche Stromverbrauch der effizientesten Klimaanlage (Fujitsu) mit 680 Kilowattstunden bei rund 272 Euro, während das teuerste getestete Gerät (Midea) mit 870 Kilowattstunden auf 348 Euro kam, bei einem Strompreis von etwa 40 Cent pro Kilowattstunde.

Selbst wenn berücksichtigt wird, dass eine Klimaanlage nur etwa 80 Prozent des Heizbedarfs deckt und eine Gasheizung den Rest übernimmt, liegen die jährlichen Heizkosten laut Stiftung Warentest für einen 25 Quadratmeter großen Raum mit einem gemischten System bei etwa 410 Euro.

Wenn man den Preis und die Stromkosten berücksichtigt, ist die 1500 Euro teure Testsieger-Anlage von Bosch im Jahr 2024 langfristig die günstigste Option. Sie bietet die beste Heizleistung bei hoher Effizienz und kühlt ebenfalls sehr effektiv. Zudem überzeugte sie durch eine präzise Temperaturregelung.

Neben den finanziellen Vorteilen sind Klimaanlagen den Testergebnissen nach zu urteilen auch deutlich umweltfreundlicher als Gasheizungen. Laut der Modellrechnung belastet das Heizen mit einem Klimagerät die Umwelt um etwa 60 Prozent weniger als das Heizen mit Gas.

Selbst in schlecht gedämmten Häusern mit einem hohen Energieverbrauch (150 Kilowatt­stunden pro Quadrat­meter pro Jahr) erwies sich die Klimaanlage als energieeffiziente Alternative.

Klimaanlagen gelten laut Stiftung Warentest als sogenannte Luft-Luft-Wärmepumpen und sind daher unter bestimmten Voraussetzungen förderfähig. Über die „Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen“ (BEG EM) können Eigentümer bis zu 30 Prozent der Kosten für Anschaffung, Installation und Inbetriebnahme zurückerstattet bekommen. Haushalte mit einem Jahreseinkommen unter 40.000 Euro erhalten sogar weitere 30 Prozent Förderung.

Trotz einiger Vorteil hat das Heizen mit Klimaanlagen auch seine Tücken. Während Klimaanlagen im Sommer die Luft effizient entfeuchten können, stößt diese Funktion im Winter auf praktische Grenzen. Das liegt daran, dass Klimageräte während des Entfeuchtungsprozesses den Raum abkühlen. Insbesondere bei leistungsstarken Geräten wie denen von Midea und Panasonic führte dies zu unerwünschten Nebeneffekten: Die Raumtemperatur sank beim Entfeuchten deutlich ab, was im Winter als störend empfunden werden könnte.

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