Prozess in Aurich Racheakt mit Knüppel und Messer wegen der Ex
Schläge mit dem Knüppel und ein Messerschnitt statt Versöhnung: Drei Männer haben am Auricher ZOB dem neuen Freund einer Frau aufgelauert. Das Trio stand nun vor Gericht.
Aurich - Vor dem Auricher Amtsgericht sind am Dienstag zwei Brüder und ihr Onkel wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Strafrichterin Stellmacher zeigte sich davon überzeugt, dass die 28, 29 und 41 Jahre alten Männer aus Großefehn und Aurich im Sommer 2020 entsprechend eines gemeinsamen Plans einen 32-Jährigen schwer verletzt hatten. Während zwei von ihnen ihr Opfer festgehalten hatten, hatte ihm der 28-Jährige mit einem Holzknüppel auf Kopf und Arme geschlagen. Darüber hinaus war ihm mit einem Messer in den Arm geschnitten worden. Der Mann erlitt eine blutende Wunde am Ohr, die hatte genäht werden müssen, sowie Prellungen und Narben. Seit der Attacke hört er schlechter und klagt über einen Tinitus.
Weil die sich die Angeklagten bisher nichts haben zuschulden kommen lassen, beließ es die Richterin bei Bewährungsstrafen. Den 28-Jährigen identifizierte sie als Haupttäter. Ihn verurteilte sie zu anderthalb Jahren Gefängnis, seinen Onkel zu einem Jahr und vier Monaten. Der 29-Jährige erhielt ein Jahr und zwei Monate. Darüber hinaus müssen sie innerhalb eines Jahres 170 beziehungsweise 120 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Weil der 29-Jährige berufstätig ist, muss er statt der Arbeitsstunden eine Geldzahlung in Höhe von 1800 Euro an eine gemeinnützige Stiftung zahlen.
Chat-Terror nach Trennung
Anlass für den Überfall war die ehemalige Lebensgefährtin des Angreifers, die nach der Trennung mit dem späteren Opfer in einer Beziehung gelebt hatte. Die junge Frau hatte ihrem neuen Freund als „starken Rücken“ erlebt und ihm von ihrer Angst berichtet. Sie sei während der Zeit mit ihrem Ex von diesem wiederholt geschlagen worden. Darüber hinaus verfolge er sie immer noch mit Chatnachrichten, in denen er sie und ihre Familie beleidige und mit massiver Gewalt bedrohe. Um dem ein Ende zu setzen, hatte ihr neuer Freund den Kontrahenten um eine Aussprache gebeten. Als Treffpunkt habe er den Auricher ZOB vorgeschlagen. Weil er selbst tagsüber und der Ex bis spät nachts gearbeitet habe, habe man sich auf 2 Uhr als Zeitpunkt geeinigt. Auf das, was dann kam, sei er nicht vorbereitet gewesen, erklärte der Geschädigte in der Verhandlung. Zwei Autos seien angerast gekommen, Männer seien herausgesprungen, zwei hätten ihn an den Händen gehalten und ein dritter habe ihn geschlagen. Alles sei sehr schnell gegangen, „ich war schockiert und sprachlos“, beschrieb er die Situation. Weil er den 28-Jährigen zuvor auch als entgegenkommend und freundlich erlebt habe, sei er auf die Gewalt überhaupt nicht vorbereitet gewesen.
Opfer leidet noch heute unter Folgen der Tat
Schlimmer fast noch als die Gewalttätigkeiten wirkten die psychischen Folgen des Überfalls auf das Opfer nach. Er habe über lange Zeit nachts nicht mehr schlafen können, habe Medikamente nehmen und sich in psychologische Behandlung begeben müssen, berichtete er. Obwohl die Tat bereits vier Jahre zurückliegt, kostete es den Mann sichtlich Anstrengung, dem Gericht das Geschehen zu schildern.
Die Angeklagten äußerten sich nicht zu den Vorwürfen. Ihre Anwälte plädierten indes auf Freispruch ihrer Mandanten. Sie beklagten eine gewisse „Lässigkeit“ der Zeuginnen, die in ihren Aussagen zum Kerngeschehen „höchst indifferent“ geblieben und wenig glaubwürdig seien. Auch habe womöglich die Eifersucht des 32-Jährigen eine gewisse Rolle bei der Auseinandersetzung gespielt, mutmaßte einer der Verteidiger.